Die Mitarbeiter der BSR tun ihr Bestes. Aber sie kommen kaum noch hinterher. Foto: imago/ Reiner Zensen

Von Jahr zu Jahr zahlen wir mehr für die Stadtreinigung. Doch die Stadt wird immer dreckiger. Und das, obwohl Berlins Müllmänner und Straßenfeger schon ihr Bestes geben.

Der Moritzplatz: Papiertüten wedeln über die Fahrbahn, breit getretener Hundekot klebt auf dem Gehweg, unter einem Auto liegt eine tote Ratte. Ähnlich saumäßig sieht es am Kottbusser Tor oder in der Schlesischen Straße aus – und an vielen anderen Ecken in der Stadt.

Berlin zählt immer mehr Einwohner. Und auch die Zahl der Touristen steigt von Jahr zu Jahr – fast 14 Millionen waren es im vergangenen Jahr.

Berlin versifft immer mehr

Doch die Stadt versifft immer mehr. Nicht nur die Grünflächenämter kommen mit ihrem wenigen Personal beim Reinigen von Parks und Rasenflächen kaum noch hinterher. Dort hatten Ende der 90er-Jahre noch 4000 Angestellte für Sauberkeit gesorgt, inzwischen sind es nur noch halb so viele.

Auch Straßen und Gehwege, für die die Berliner Stadtreinigung (BSR) zuständig ist, werden immer weniger gereinigt. Das geht aus einer Antwort der Senatsumweltverwaltung auf eine bis gestern noch unveröffentlichte parlamentarische Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervor.

Dabei ackern die 2300 Beschäftigten der Berliner Stadtreinigung (BSR) schon nach Kräften. Nach Angaben des Unternehmens fegen sie pro Jahr rund 48.000 Tonnen Kehricht zusammen und leeren 24.000 Straßenpapierkörbe, das teilweise mehrmals am Tag. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Arbeitsstunden beim Gehweg- und Straßenkehren immer weiter an und erreichte laut Umweltverwaltung vor vier Jahren mit mehr als 2,57 Millionen Stunden ihren Höhepunkt.

2017 aber gab es laut Auflistung der Umweltverwaltung einen starken Einbruch um rund 80.000 Mannstunden. Im vergangenen Jahr waren es dann wieder etwas mehr als 2,51 Millionen Stunden. Warum plötzlich weniger gefegt und gekehrt wurde, das will die BSR nicht sagen. „Wir äußern uns nicht zu unveröffentlichten Antworten auf parlamentarische Anfragen“, sagte ein Unternehmenssprecher gestern dem KURIER.

Berliner müssen für BSR immer mehr zahlen

In krassem Widerspruch zur geringeren Arbeitsleistung, die die BSR seit 2017 aufbrachte, steht die Einwohnerentwicklung: Seit Anfang jenes Jahres stieg laut Amt für Statistik die Einwohnerzahl Berlins bis Mitte vergangenen Jahres um rund 83800 auf 3,75 Millionen Menschen.

Für eine immer dreckigere Stadt müssen die Berliner allerdings auch immer mehr zahlen: Zahlte zum Beispiel ein Hausbesitzer einer Einfamilienhaussiedlung im Jahr 2014 noch 75,56 Euro für die niedrigste Reinigungsklasse 4 (die Kehrmaschine kommt einmal pro Woche) so waren es im vergangenen Jahr 82,08 Euro jährlich. Entsprechend summieren sich die Einnahmen der BSR. Nahm sie 2014 allein mit Gebühren für die Straßenreinigung 127 Millionen Euro ein, so waren es im vergangenen Jahr schon 140,5 Millionen. Vor zehn Jahren klingelten bei ihr übrigens „nur“ 116,8 Millionen Euro in der Kasse.

Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit gehören zusammen, sodass Marcel Luthe ein generelles Problem ausgemacht hat: In all diesen Bereichen versage der Senat, findet er. „Trotz erheblich mehr Bürgern und Besuchern wird die Stadt unter Rot-Rot-Grün nicht mehr, sondern sogar weniger gereinigt“, sagt er. „Seit 50 Jahren wissen wir, dass das die Kriminalität begünstigt.“

Übrigens liegt nicht nur „gewöhnlicher“ Dreck auf unseren Straßen herum. Immer öfter sind Anwohner auch zu faul, zum Recyclinghof zu fahren. Sie laden ihren Sperrmüll einfach auf den Straßen ab. Allein in Neukölln musste die BSR im vergangenen Jahr rund 9500 Kubikmeter Sperrmüll einsammeln.