Der Tod eines Mannes nach einem Polizeieinsatz in Spandau beschäftigt weiter die Justiz (Symbolbild).
Der Tod eines Mannes nach einem Polizeieinsatz in Spandau beschäftigt weiter die Justiz (Symbolbild). Lino Mirgeler/dpa

Der Tod eines schwarzen, psychisch kranken Mannes nach einem Polizeieinsatz in Spandau beschäftigt weiter die Justiz. Nachdem die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt hat, erhebt der Bruder des Toten Vorwürfe gegen die Justiz.

Gegen die Einstellung des Verfahrens hat der Bruder des Toten über seine Anwältin Beschwerde eingelegt, wie eine Behördensprecherin am Mittwoch sagte. Zuvor hatte der RBB berichtet.

„Es wurde von Anfang an halbherzig ermittelt“, sagte die Anwältin dem Sender. So sei keiner der beteiligten Polizisten noch einmal zusätzlich vernommen worden. Auch die Aussagen eines Betreuers des Mannes fänden sich nicht in dem Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft wieder.

Die Staatsanwaltschaft erklärte auf Nachfrage der RBB: „Keiner der Beamten, die sich zeugenschaftlich geäußert hatten, wurde zusätzlich vernommen.“ Zeugenschaftliche Äußerungen würden eine Vernehmung aber nicht ersetzen, erklärt die Anwältin des Bruders. „Man findet Fehlverhalten nicht heraus, wenn man nicht danach fragt“, sagte sie dem Berliner Sender.

Bruder des Toten will eine Gerichtsverhandlung erreichen

Der Bruder des Toten wünscht sich, dass der Polizeieinsatz vor Gericht behandelt wird. Damit alle Beteiligten nochmals aussagen müssen.

Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren eingestellt, nachdem die Todesursache auch nach weiteren medizinischen Untersuchungen unklar geblieben war. Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden des Todes gab es laut der Behörde nicht.

Mann fiel nach nach Polizeieinsatz im September ins Koma

Der 64-Jährige Mann, der an Schizophrenie litt, sollte am 14. September 2022 von Polizisten aus einem Heim in Spandau in ein psychiatrisches Krankenhaus verlegt werden. Ein Gericht hatte das angeordnet. Bei dem Polizeieinsatz brach er zusammen, musste wiederbelebt werden, kam in eine Intensivstation, fiel ins Koma und starb am 6. Oktober 2022.

Nach Angaben des Bruders hatte ihm der gesetzliche Betreuer des 64-Jährigen berichtet, drei Polizisten hätten diesen überwältigt und auf dem Boden fixiert. Er habe geblutet, ein Polizist habe ihm das Knie auf den Hals gedrückt.

Keine Hinweise auf Rassismus in diesem Fall

Der Betreuer habe das Vorgehen verglichen mit dem Ereignis, bei dem der schwarze US-Amerikaner George Floyd 2020 von einem Polizisten erstickt wurde. Weltweit hatte dieser Fall Proteste wegen Polizeigewalt gegen schwarze Menschen ausgelöst.

Die Berliner Opferberatungsstelle „Reachout“ warf der Polizei nach dem Toten in Spandau Rassismus und „massive brutale Gewalt“ vor und sprach von einer „Tötung“ des Mannes. Für den Vorwurf des Rassismus wurden aber keine Hinweise vorgelegt.