Deutliche Schäden: Die Kiefern der Region sehen nicht gut aus. Eigentlich sollten die Baumkronen dicht und grün sein. Foto: dpa/Christoph Söder

Berlin - Endlich – nach Wochen der Trockenheit hat es am vergangenen Sonnabend ordentlich geregnet. Was so manche Städter an ihrem freien Wochenende ärgert, freut die Natur und auch die Bauern. Denn es gibt ein Grundproblem in der Region Berlin-Brandenburg: Nach dem Regensommer 2017 folgten gleich zwei Dürrejahre in Folge. Und bislang sah auch 2020 so aus, als würde es ein Dürrejahr – mit massiven Folgen für die Wälder in Berlin und für die Landwirtschaft. Da stellt sich die Frage, ob ein solcher Starkregen die Dürre beenden konnte?

Zwar hat es überall geregnet hat, aber die Verteilung der Niederschläge war höchst unterschiedlich. Im Örtchen Brück-Gömnigk in Westbrandenburg fielen 82 Liter pro Quadratmeter, kurz vor Polen aber nur drei Liter. In Berlin waren es im Schnitt etwa 15 Liter, aber auch höchst unterschiedlich verteilt. Das zeigen die Werte der Berliner Wasserbetriebe, die auf 50 Abwasserpumpwerken auch die Regenmengen messen. „Der meiste Niederschlag fiel in Hessenwinkel in Köpenick mit 38 Litern“, sagt Sprecher Stephan Natz. Nur fünf Liter wurden in Biesdorf gemessen. „Dieser Regen war sehr schön und wichtig“, sagt er, „aber er konnte das lange aufgebaute Niederschlagsdefizit nicht ausgleichen.“

Normalerweise sorgt der Niederschlag im Winter dafür, dass die Grundwasserspeicher wieder aufgefüllt werden. Aber auch der vergangene Winter brachte da nicht viel. „Aus den letzten drei Wintern ergibt sich ein Niederschlagsdefzit für die Region Berlin von etwa 300 Litern“, sagt Britta Siebert-Sperl von der Firma Wetterkontor. Auch das Frühjahr brachte mit 67 Litern keine größeren Regenmengen „Das sind nur 53 Prozent des langjährigen Mittelwertes.“ Und trotz des aktuellen Starkregens wurden im Juni auch nur sechs Regentage mit 33 Litern gezählt.

Jene Landwirte, die vom Regen reichlich abbekamen, atmen auf. „Wo mehr als 25 Liter gefallen sind, kam der Regen genau zur richtigen Zeit“, sagt Henrik Wendorff, Präsident des Brandenburger Bauernverbandes. Es sei nun förmlich zu sehen, wie der Mais in die Höhe schießt. Aber es gibt auch Meldungen über Hagelschäden. Und in Südbrandenburg auch Schäden durch die anhaltende Trockenheit. „Bei den Landwirten im Norden sieht es besser aus“, sagt er. „Aber es reicht lange nicht an ein gutes Jahr heran.“

Und wie wirkte der Regen für die Wälder in Berlin? „Natürlich zählt inzwischen jeder Tropfen“, sagt Marc Franusch, Sprecher der Berliner Landesforstamtes. „Aber auch dieser Regen brachte nicht die Rettung vor der Dürre und war keine Trendwende.“ Die Wirkung für die Natur war eher ein Strohfeuer.

Der Nachteil war, dass es ein Starkregen war. „Bei heftigen Regenmassen fließt der größte Teil oberflächlich ab, den Wurzeln bringt es dann doch sehr wenig“, sagt Franusch. Und da der Boden in der Region sehr sandig ist, versickert das Wasser auch sehr schnell. Die Wurzeln haben also nicht allzu viel Zeit, um Wasser aufzunehmen.

„Aber Bäume sind klug und sehr anpassungsfähig“, sagt Franusch. Sie hätten in unserer Region möglichst weit oben feine Wurzeln gebildet, damit sie möglichst viel Wasser aufnehmen können.

Ein weiterer Nachteil war aber auch, dass es nach dem Regen über Tage warm war. Dadurch ist viel Feuchtigkeit gleich wieder verdunstet. Aber immerhin konnten die Regenfälle die akute Waldbrandgefahr minimieren. Das ist ein großes Plus. Denn in den vergangenen zwei Jahren wurden in Brandenburg die meisten und größten Brände seit mehr als 30 Jahren registriert.

Doch den Fachleuten geht es nicht nur um die aktuelle Lage, sondern auch darum, ob die nach zwei Dürrejahren schwer geschädigten Bäume noch eine Überlebenschance haben?

„In vielen Fällen fehlt es den Bäumen an Vitalität“, sagt Franusch. Selbst Laien sehen inzwischen, dass in den Baumkronen viel Laub oder Nadeln fehlen, dass ganze Äste bereits tot sind oder Bäume vertrocknet sind. Die Wälder der Region sehen sowieso immer deutlich lichter aus als beispielsweise im Schwarzwald, wo üblicherweise viermal mehr Regen fällt.

„Bei uns sind nun Eichen geschädigt, die 200 Jahre alt sind, oder Kiefern, die 150 Jahre alt sind. Damit die noch überleben, brauchen wir nicht nur zehn oder 30 Tage Regen.“ Da wäre es nötig, dass es in der Vegetationszeit der kommenden Jahre immer wieder ausreichend regnet.

Doch in Zeiten des Klimawandels zeigt sich, dass eher die Extreme zunehmen – vor allem auch die Hitze. Die Schäden in Berlins Wäldern sind nach zwei Dürrejahren in Folge erheblich. „Die nächste Erhebung erfolgt nun im Sommer“, sagt Franusch. „Nach meiner Beobachtung und der von Kollegen, gibt es Grund zur Sorge, dass sich der Zustand weiter verschlechtert haben könnte.“

Immerhin ist nun – am Ende dieser Sommerwoche –  ab Donnerstag wieder Niederschlag angekündigt. Es soll zwar bis Wochenende regnen, aber es werden wahrscheinlich wieder nur fünf Liter pro Quadratmeter sein.