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In Grünheide in Brandenburg : So gelingt der Tesla-Blitz-Bau

Ein Tesla in einem Showroom in Amsterdam.

Ein Tesla in einem Showroom in Amsterdam. Vor drei Tagen verkündete Elon Musk, seine Autos künftig auch in Brandenburg bauen zu wollen.

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John Thys/AFP

Grünheide -

Elon Musk will so schnell sein wie eines seiner Autos: Die Tesla-Fabrik in Grünheide (Mark) solle bereits Ende 2021 ihre Produktion von Autos, Batterien und Autoteilen aufnehmen, mehreren tausend Menschen Arbeit bringen. Doch Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hält diesen Zeitplan für „ehrgeizig“, also für kaum zu schaffen. Trotz des Ansporns aus Schanghai, wo es bis zum Produktionsbeginn der dortigen sogenannten Gigafactory gerade einmal elf Monate dauerte.

Noch ist auf dem vorgesehenen Standort, auf dem bereits Anfang 2020 die Bagger anrollen sollen, nichts als brandenburgischer Kiefernwald. Professor Dr.-Ing Bernhard Weyrauch, Leiter des Fachgebiets Bau- und Planungsrecht an der BTU Cottbus-Senftenberg, sieht aber zunächst gute Voraussetzungen für einen schnellen Bau: Es gibt sowohl einen Flächennutzungs- als auch einen Bebauungsplan, der die Fläche als Industriegebiet ausweist.

Tesla-Chef Elon Musk bei der Verleihung des Goldenen Lenkrads

Tesla-Chef Elon Musk bei der Verleihung des Goldenen Lenkrads. Er kündigte kürzlich an, in Grünheide in Brandenburg eine Tesla-Fabrik bauen zu wollen. 

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Jörg Carstensen/dpa

Jetzt müsse allerdings noch eine Baugenehmigung beim Landkreis Oder-Spree eingereicht werden, die eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit einer laut Weyrauch„langen Latte“ notwendiger, wenn auch üblicher Darlegungen enthält. Darin muss unter anderem beschrieben werden, welche Emissionen auf die Umgebung wie das unmittelbar südlich angrenzende Güterverkehrszentrum Ost und die Ortschaften in der Nähe wirken könnten, welche Eingriffe es in den Boden gibt, und ob auf der Fläche geschützte Tiere oder Pflanzen leben.

Tesla-Produktion sollte bereits Ende 2021 starten 

Die müssten gegebenenfalls umgesiedelt werden – ähnlich wie in Berlin-Schöneweide, wo 2017 Zauneidechsen einem Neubaugebiet auf ehemaligem Bahngelände weichen mussten. Die Prüfung der Baugenehmigung könne mehrere Monate in Anspruch nehmen, auch wenn es keine Öffentlichkeitsbeteiligung mehr geben muss.

Die von Tesla angekündigten Ersatzpflanzungen für den zu fällenden Wald, dreimal so groß, ergebe sich aus dem Landeswaldgesetz, erklärte Weyrauch. Wolfgang Probstmeier, Berliner Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, hält den Zeitplan für nicht einzuhalten.

Das künftige Fabrikgelände liegt direkt östlich vom Berliner Ring, im Norden verläuft die Bahn.

Das künftige Fabrikgelände liegt direkt östlich vom Berliner Ring, im Norden verläuft die Bahn. Im Süden befindet sich das Güterverkehrszentrum Ost. 

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Geoportal Grünheide

Es könne Klagen von Umweltverbänden wegen der Auswirkungen der Fabrik auf die Umgebung, wegen des zunehmenden Verkehrs oder wegen schützenswerter Tiere geben, unter Umständen auch gegen Stromleitungen für die Versorgung der Fabrik.

Angesichts einer reinen Bauzeit von einem Jahr sei der Produktionsbeginn Ende 2021 nicht zu schaffen, weil alle Unterlagen geprüft und gegebenenfalls noch Gutachten eingeholt werden müssten.

Ob die Pläne Teslas mit dem Bebauungsplan für das Areal unmittelbar östlich des östlichen Berliner Autobahnrings vereinbar sind, weiß die Gemeinde Grünheide nicht: Ihr liegt nichts vor. Der „Bebauungsplan Nr. 13 Freienbrink-Nord“ sieht vor, dass 240 der 300 Hektar bebaut werden dürfen. Die erlaubte Baumasse ist gewaltig: Rechnerisch ist eine quadratische, 30 Meter hohe Halle mit einer Seitenlänge von einem Kilometer möglich.

Beihilfen der EU an Tesla würden erst in bis zu zwei Jahren fließen 

Das Landratsamt Oder-Spree teilte mit, man werde sich in das Genehmigungsverfahren einbringen und treffe Vorkehrungen, um „eine zügige Bearbeitung sicherzustellen.“
Möglicherweise kommt auch noch eine weitere Behörde ins Spiel, das Landesamt für Umwelt. Es genehmigt Errichtung und Betrieb von Industrieanlagen, die starke Auswirkungen auf Umwelt und Nachbarschaft haben.

Minister Steinbach hat zwar keine grundsätzlichen Bedenken, dass es mit der Fabrik nicht klappen könnte: „Risiken in der absoluten Durchführung sehe ich ehrlich gesagt gar keine.“ Um allerdings so schnell zu sein wie Elon Musk es wünscht, müsse Tesla die Unterlagen „so vollständig und hoch qualitativ einreiche, dass auch eine schnellstmögliche Prüfung möglich ist.“

Von Brandenburg geplante Beihilfen der EU an Tesla würden frühestens in anderthalb bis zwei Jahren fließen können, weil die Genehmigung durch Brüssel erfahrungsgemäß so lange dauere. Sie seien auch nicht so bedeutsam: „Dieses ist kein Geld, mit dem wir gewunken haben und was die Entscheidung beeinflusst hat.“