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A9 Richtung Berlin frei: Wald-Inferno: Weltkriegs-Bomben detoniert - keine Evakuierung!

Potsdam -

Die Lage in Brandenburg ist nach mehreren hitzebedingten Waldbränden am Donnerstag eskaliert. 700 Meter vor dem Beelitzer Ortsteil Fichtenwalde (Potsdam-Mittelmark), ganz in der Nähe des Autobahndreiecks Potsdam, stehen rund 50 Hektar Kiefernwald in Flammen. Ein Sprecher des Potsdamer Innenministeriums korrigierte am Abend gegenüber unserer Zeitung frühere Angaben, nach denen sich der Brand sogar auf 90 Hektar ausgedehnt habe.

Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an und bat Bewohner Fichtenwaldes, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Laut rbb inforadio versuchten 180 Einsatzkräfte, mit einer Wasserwand ein Übergreifen der Flammen auf Fichtenwalde zu verhindern. Die Löscharbeiten sollen noch die ganze Nacht hindurch andauern. Am Abend bestätigte schließlich der stellvertretende Landrat Stein: Fichtenwalde muss nicht evakuiert werden.

Flammen und Rauch sogar im All zu sehen

Sogar aus dem Weltraum war der Waldbrand zu sehen:

Die Autobahnen A9 und A10 waren bis in die Nacht über abschnittsweise gesperrt. Ab Nachmittag wurde auch der Verkehr der A2 abgeleitet. Der Umfahrungsverkehr staute sich schließlich bis in die Potsdamer Innenstadt hinein. Am späten Abend meldete die Brandenburger Polizei schließlich, dass Autofahrer auf der A9 wieder freie Fahrt nach Berlin haben.

Anwohner wurden auf Evakuierung vorbereitet

„Legen Sie Kleidung und wichtige Dokumente/Medikamente bereit. Schalten Sie Rundfunk und Fernsehen ein“, hieß es in der Warnung der Regionalleitstelle Nordwest der Feuerwehr. Anwohner in unmittelbarer Nähe des Brandes sollten Fenster und Türen schließen. Die Polizei schickte einen Hubschrauber in die Luft, um den Rettungskräften einen Überblick zu verschaffen. Über der Autobahn war eine große Rauchsäule zu sehen, wie ein Polizeibild aus dem Hubschrauber zeigte.

Am Donnerstagabend nahm das Feuerdrama eine neue Wendung: An mehreren Stellen des brennenden Waldes waren laut den Potsdamer Neuesten Nachrichten Explosionen zu hören. Es werde vermutet, dass diese von Blindgängern aus dem zweiten Weltkrieg stammen. Wegen der Explosionsgefahr kann die Feuerwehr den Brand nur vom Rand her eindämmen.

Feuer breitete sich rasend schnell aus

Nach Angaben des Waldbrandschutzbeauftragten Raimund Engel war das Feuer aus unbekannter Ursache seitlich der Autobahn 9 entstanden. Anschließend habe es sich westlich vom Beelitzer Ortszentrum rasend schnell ausgebreitet, sagte er der dpa. Fichtenwalde ist ein Ortsteil von Beelitz und hat rund 2800 Einwohner.

Bereits seit Tagen herrscht in weiten Teilen Brandenburgs höchste Waldbrandgefahr. Auch an diesem Freitag sei flächendeckend mit einer sehr hohen Gefahr zu rechnen, sagte Engel. Wegen der anhaltenden hochsommerlichen Hitze war es in Berlin und Brandenburg in jüngster Zeit immer wieder zu Wald- und Feldbränden gekommen. 

Waldbrand in Jüterbog

Waldbrand auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Jüterbog: 25 Hektar stehen in Flammen. 

Foto:

dpa

Explosionsgefahr auch bei Jüterbog

Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog (Landkreis Teltow-Fläming) hatte sich am Donnerstag ein Brand auf 25 Hektar ausgebreitet, wie die Feuerwehrleitstelle mitteilte.

Da der ehemalige Übungsplatz mit Munitionsresten kontaminiert sei, könnten die Löschkräfte nicht auf das Gelände und den Brand löschen, erklärte eine Sprecherin der Feuerwehr. Feuerwehrmänner benetzten die umliegenden Wege, so dass die Flammen nicht übergreifen, hieß es weiter. Vor Ort stünden Container mit 15.000 Liter Wasser bereit. Anfang des Monats hatte bereits ein Großbrand in der Lieberoser Heide in Südbrandenburg für Aufsehen gesorgt.

Lagebesprechung in Jüterborg

Lagebesprechung:  Andreas Meißner von der Naturlandschaften Brandenburg plant mit Feuerwehrleute und Forstmitarbeiter den Einsatz bei einem Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Jüterbog. 

Foto:

picture alliance/dpa

„Mitarbeiter des Grünflächenamtes arbeiten am Limit“

Die Trockenheit macht auch den Bäumen in den Städten zu schaffen. Um die Pflanzen genügend zu bewässern, hat zum Beispiel die Stadt Potsdam Dienstleister beauftragt. Zusätzlich zum Grünflächenamt gießen diese täglich. „Die Mitarbeiter des Grünflächenamtes arbeiten am Limit“, sagte Stadt-Sprecherin Christine Homann.

Für die Bewässerung der Pflanzen setze die Stadt mobile Sprenger, Standrohre und Wasserwagen ein. Unter der anhaltenden Trockenheit litten besonders Jungbäume, sagte Homann. Ihre Wurzeln reichten noch nicht tief genug in die Erde. Wiederholt hatte die Stadt auch Bürger dazu aufgerufen, Bäume zu gießen.

Abkühlung ist vorerst nicht in Sicht: In Berlin und Brandenburg soll es auch am Freitag wieder hochsommerlich heiß werden. Die Temperaturen können in der Region auf bis zu 34 Grad klettern, wie der Deutsche Wetterdienst auf seiner Internetseite mitteilte. Nach einem sonnigen Morgen sollen sich Quellwolken bilden. Nur in der Südosthälfte bestehe „sehr geringes Gewitterrisiko“, hieß es weiter. (BK/dpa)