Baustelle der Tesla-Gigafactory in Grünheide am östlichen Berliner Ring. Der Ort befindet sich im Einzugsbereich des betroffenen Wasserverbandes. imago/Christian Thiel

Es ist ziemlich mühsam, das Wasser aus dem Hahn abzukochen. Das aber müssen mehrere Tausend Menschen im Landkreis Märkisch-Oderland seit sechs Wochen tun. Dort wurden im Juni sogenannte coliforme Keime im Trinkwasser gefunden. Die Verunreinigung betrifft eine Region bei Rüdersdorf, das eigentliche Rüdersdorf ist nicht betroffen, aber die Ortsteile Lichtenow, Herzfelde sowie Rehfeld. Dort wird den Bürgern empfohlen, ihr Trinkwasser abzukochen. Sie müssen es aber nicht. Anders ist es im Ort Hennickendorf, dort wurde ein „Abkochgebot“ verhängt.

Betroffen sind etwa 4000 der insgesamt 55.000 Hausanschlüsse des Wasserverbandes Strausberg-Erkner (WSE). Wenn eine ernsthafte Gesundheitsgefahr bestehen würde, hätte auch die gesamte Wasserversorgung über die betroffenen Leitungen eingestellt werden müssen.

Nicht lebensgefährlich

Der Wasserverband betont, dass das Wasser nicht verseucht ist, sondern nur verunreinigt. „Bei Säuglingen, Kindern, Schwangeren und immungeschwächten Personen könnte es zu Durchfall kommen“, sagte WSE-Sprecherin Sandra Pokorny. „Das ist natürlich sehr ärgerlich, aber nicht lebensgefährlich. Unbedenklich ist die Nutzung des Wassers zum Duschen, Baden, Abwaschen oder für die Spül- oder Waschmaschinen.“ Es müsse damit nur eine recht kleine Menge des täglichen Wasserbedarfs abgekocht werden.

„Der Grenzwert für solche Keime liegt bei null“, sagte der Sprecher der Kreisverwaltung Thomas Behrendt. Der höchste gemessene Wert habe bei 80 Kolonien coliformer Keime je 100 Milliliter Wasser gelegen.

Am Freitag gab es erste Hoffnung, dass die Ursache nach sechs Wochen endlich gefunden sein könnte. „Aber als am Nachmittag die Laborergebnisse vorlagen, war klar: Es ist noch nicht die erhoffte Entlastung“, sagte Behrendt. Immerhin habe ein weiterer Abschnitt ausgeschlossen werden können.

Trinkwasser wird in Deutschland regelmäßig kontrolliert. dpa

„Aber auch wenn die Ursache gefunden ist, kann nicht sofort das Abkochgebot aufgehoben werden“, erklärt Behrendt. Denn selbst wenn das betroffene Rohr ausgetauscht sein sollte, muss danach in drei Negativ-Proben gezeigt werden, dass keine Grenzwerte mehr überschritten werden. „Zwischen jeder Probe sind 48 Stunden Abstand vorgeschrieben“, sagte er. „Die endgültige Entwarnung dauert dann immer noch mal knapp eine Woche.“

Viele Betroffene ärgern sich, dass die Suche so lange dauert. „Wir arbeiten mit Hochdruck dran“, sagte WSE-Sprecherin Pokorny. „Wir wollen solche Probleme immer schnell beheben.“ Niemand habe ein Interesse daran, dass es länger dauert. „Auch viele unserer Mitarbeiter leben hier im Einzugsgebiet. Aber unser Netz ist sehr verzweigt und lang“, sagte sie. Das Gesamtnetz für Trink- und Abwasser reiche rechnerisch von Straußberg bis Casablanca. Es handele sich um etwa 2500 Kilometer, allein das Netz für das Trinkwasser sei etwa 1350 Kilometer lang.

Bürger können normalerweise über andere Netze versorgt werden

Das hat einerseits Vorteile, weil Wasser aus verschiedenen Wasserwerken ins Netz eingespeist wird. Wenn es irgendwo Probleme gibt, können zudem Teile abgetrennt werden und die Bürger über andere Teile des Netzes versorgt werden. „In einem solchen Fall ist dann die Suche nach der Ursache sehr mühsam.“

Zunächst werden in einem großen Kreis um die betroffene Region herum in den Leitungen Proben genommen. Dann werden bestimmte Leitungen abgestellt und gespült und dann wieder Proben genommen. Mit den Tests wird kontrolliert, ob der Schaden noch da ist. So wird der Kreis immer weiter eingeengt, bis die Fehlerursache gefunden ist.

Für Waschmaschinen und Ähnliches kann das Wasser benutzt werden. dpa/Marcel Kusch

„Am Montag wird weitergesucht“, sagte Kreissprecher Behrendt. „Es sind offenbar nur noch wenige Hundert Quadratmeter Fläche, auf denen sich im Netz die Ursache befinden muss.“

Im Einzugsbereich des Wasserverbandes befindet sich auch die erste europäische Tesla-Fabrik des US-Milliardärs Elon Musk. Der gewaltige „Durst“ der sogenannten Gigafactory sorgt seit Festlegung für diesen Standort für Schlagzeilen. Kritiker wenden sich gegen die größte industrielle Ansiedlung in Ostdeutschland seit dem Ende der DDR. Ein wichtiger Kritikpunkt: Die Fördermengen von Trinkwasser in der Region von der östlichen Berliner Stadtgrenze bis nach Frankfurt (Oder) seien schon jetzt weitgehend ausgeschöpft, die Region vertrage nicht noch eine solche Großansiedlung.