Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen), Brandenburger Ministerin für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz   Foto: Soeren Stache/dpa

Die Corona-Krise bringt die Gesundheitsämter in Brandenburg nach Einschätzung der Landesregierung an den Rand der Belastbarkeit. „Auch bei uns ist ein Drittel der Gesundheitsämter absolut am Limit“, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) in einer Videokonferenz der Fachpolitiker des Landtages. Ein weiteres Drittel sei deutlich überlastet, ein Drittel komme einigermaßen hinterher.

Die Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien Städte kümmern sich – teils mithilfe der Bundeswehr – unter anderem um Maßnahmen zum Infektionsschutz und zur Nachverfolgung von Kontakten infizierter Menschen. Einige Labore seien überlastet, so Nonnemacher. Bei Corona-Tests müssten Arztpraxen, Kliniken und Pflegeheime Vorrang haben. Die freiwilligen Tests des Landes für Lehrer und Erzieher laufen ihren Angaben nach weiter.

Eine Überlastung der Krankenhäuser ist der Ministerin nach eigener Darstellung derzeit nicht bekannt. Der Anteil der Covid-19-Patienten an allen Intensivbetten in den Brandenburger Krankenhaus-Standorten nahm von Mittwoch auf Donnerstag von 7,5 auf 7,8 Prozent leicht zu. Von rund 800 Intensivbetten ist noch etwa ein Viertel frei, in Berlin sind es rund 13 Prozent.

Nonnemacher nannte die Zunahme der Corona-Ansteckungen besorgniserregend. „Wir müssen alles Erdenkliche tun, um dieses Infektionsgeschehen wieder abzubremsen“, sagte die Ministerin.

Nonnemacher verteidigte die drastischen Einschränkungen und sieht keine Möglichkeit für Lockerungen. „Wir können froh sein, wenn wir mit den beschlossenen Maßnahmen überhaupt auskommen“, so die Politikerin. Seit Montag haben Gaststätten, Kinos, Theater, Museen und Fitnessstudios geschlossen; Gaststätten können Speisen liefern oder abholen lassen.

Die Ministerin sieht einen vagen Hinweis für eine Abschwächung des Anstiegs der Infektionen, weil die Reproduktionszahl in Deutschland laut Robert-Koch-Institut zuletzt bei 0,81 und damit unter eins lag. Das heißt, zehn Infizierte stecken im Durchschnitt statistisch gesehen etwa acht weitere Menschen an. Das reiche aber nicht, sagte Nonnemacher.