Anwohner mussten teilweise mit dem Krankenwagen aus dem Sperrkreis geholt werden. Foto: dpa/Christoph Söder

Es hat dann doch sehr lange gedauert: Die Entschärfung der Fliegerbombe auf dem Areal des Jüdischen Krankenhauses (Wedding, Iranische Straße) konnte bis zum späten Sonntagnachmittag nicht beginnen, weil die Evakuierung des Sperrkreises mit 15.000 Einwohnern deutlich mehr Zeit in Anspruch nahm als erwartet. 

Seit etwa 6.30 Uhr waren 400 Polizeibeamte in Begleitung von DRK- oder Malteser-Helfern von Haus zu Haus unterwegs, um Menschen im 500-Meter-Umkreis um die Bombe daran zu erinnern, ihre Wohnungen zu verlassen. Das lief zunächst gut, wurde dann aber immer zäher, weil offenbar mehr Kranke angetroffen wurden als zunächst gedacht. Erst zehn Stunden später war der Sperrkreis geräumt, konnten sich die Feuerwerker an ihre Arbeit machen. Gegen 18.15 Uhr meldete die Polizei: Bombe entschärft, alle können nach Hause.

Ein Bagger entfernt  am Sonntag die Erde, die nach der Entdeckung der Bombe sicherheitshalber wieder über sie gedeckt  worden war. Foto: dpa/Christoph Soeder

Zuvor hatte es nach Mitteilungen von Anwohnern auch Leute gegeben, die meinten, doch im Sperrkreis bleiben zu wollen und versuchten, den Beamten zu entwischen. Deshalb wurde die Entschärfung für alle, die nicht bei Verwandten oder Freunden untergekommen waren, zu einem Geduldsspiel.

Polizisten und Mitglieder von Hilfsorganisationen evakuierten Menschen unter anderem in der Martin-Opitz-Straße. Foto: GL

Sie hatten sich zu drei Sammelpunkten begeben können, wurden von dort aus mit Bussen unter anderem in ein Hotel an der Moabiter Stephanstraße gebracht. An die 600 Menschen hielten sich dort zeitweilig auf, twitterte das Bezirksamt Mitte. Mindestens zwanzig Menschen mit einer Corona-Infektion oder mit Quarantänepflicht wurden  getrennt untergebracht.

Die Notunterkunft im Mercure-Hotel Moa Foto: Twitter/Bezirksamt Mitte

Die Evakuierung des Jüdischen Krankenhauses selbst war da schon seit Sonnabend erledigt, erklärte Sprecherin Maxi Schumacher dem Berliner KURIER: „Vor einer Woche haben wir vom Entschärfungstermin erfahren und seit dem 6. Dezember keine neuen Patienten mehr aufgenommen.“

Im Schnitt bleiben Patienten nur sechs Tage stationär im Haus, und so waren am Sonnabend von den ursprünglich 220 Patienten nur noch 70 da, die in andere Kliniken in die jeweilige Fachabteilung verlegt werden mussten. Am Sonntag war das Krankenhaus leer.

Der  250 Kilogramm schwere amerikanische Blindgänger mit zwei mechanischen Zündern war am 19. November bei Bauarbeiten neben einem Gebäude des Krankenhauses entdeckt worden. Dann begannen die Planungen für die Entschärfung, die wegen der vielen Leute in der Umgebung, des teilweise im Sperrkreis befindlichen DRK-Krankenhauses Drontheimer Straße und auch wegen der U-Bahn-, Straßenbahn- und Buslinien umfangreich waren. So wurde die U8 zwischen Gesundbrunnen und Paracelsusbad eingestellt, auf der U9 wurde der Leopoldplatz zur Endstation. 

Monica und Jan bekamen eher zufällig am Sonntag mit, dass sie ihre Wohnung verlassen mussten. Foto: GL

Seit Tagen wurden die Anwohner mit Flugblättern und Aushängen auf die Evakuierung vorbereitet: deutsch, englisch, türkisch, russisch, polnisch und albanisch. An Monica (24)und Jan (26) aus der Exerzierstraße ging  das offenbar vorbei. Jan: „Wir hatten zwar Zettel in mehreren Sprachen an der Tür, aber nicht auf deutsch oder englisch.“ Und so bemerkte er erst am Sonntag gegen Mittag, dass er und Monica die Wohnung verlassen müssten, als er online Nachrichten las.