Nach Angriffen auf Einsatzkräfte in der Silvesternacht hat die Diskussion um Konsequenzen begonnen.
Nach Angriffen auf Einsatzkräfte in der Silvesternacht hat die Diskussion um Konsequenzen begonnen. dpa/Julius-Christian Schreiner

Es ist eine Debatte, in der es bald richtig krachen könnte! Nach dem Böller-Chaos in Berlin wird inzwischen bundesweit über ein Feuerwerks-Verbot diskutiert. Feuerwerks-Gegner sehen sich durch die gewalttätigen Ausbrüche, die es etwa im Bezirk Neukölln gab, bestätigt. Nur: Würde ein Böller-Verbot wirklich dabei helfen, solche Angriffe zu vermeiden? Nun melden sich auch verschiedene Vertreter der Feuerwerks-Szene zu Wort.

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Immer mehr Videos, die inzwischen im Netz auftauchen, bilden das Chaos ab, das Pyro-Chaoten in der Silvesternacht etwa in Berlin-Neukölln anrichteten. Hier errichteten Menschen Barrikaden und zündeten sie an, beschossen Rettungskräfte von Polizei und Feuerwehr mit Feuerwerk. Anstatt Feuerwerksbatterien auf den Boden zu stellen, nutzten sie sie als Waffe, gegen Passanten, Fenster und Balkone gerichtet. Bei einem Zwischenfall griffen mehrere Täter ein Feuerwehrauto an und versuchten, es auszurauben.

Böller-Verbot: Nicht Knallkörper sind das Problem, sondern Knallköpfe

Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) findet klare Worte für diese Taten. Vor allem der Einsatz von Feuerwerkskörpern gegen Feuerwehr und Polizei sei schockierend, teilte der Verband der Hersteller von Böllern und Feuerwerk mit. Vorstandsmitglied Richard Eickel sagte: „Nicht Knallkörper sind das Problem, sondern Knallköpfe, die sie missbrauchen.“ Man müsse vor allem gegen illegale und nicht zugelassene Feuerwerkskörper aus dem Ausland vorgehen – diese seien „eine Bedrohung für Leib und Leben“, sagt Thomas Schreiber vom Verband der Pyrotechnischen Industrie.

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Ein Mann in Neukölln schießt eine Silvesterrakete aus der Hand ab.
Ein Mann in Neukölln schießt eine Silvesterrakete aus der Hand ab. Volkmar Otto

Das betont auch Ingo Schubert, Vorsitzender des Bundesverband Pyrotechnik. „Jeder schwere Unfall durch illegales Feuerwerk zeigt, wie dringend es ist, der Kampf gegen illegal eingeführtes Feuerwerk ist. Davon gehen Gefahren aus, die nicht kalkulierbar sind“, sagt er. „Statt legales, sicheres Feuerwerk zu kriminalisieren, muss der Kampf gegen illegales Feuerwerk intensiviert werden. Mit Feuerwerk haben diese gefährlichen Sprengsätze nichts zu tun.“

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Doch nicht nur von Seiten der Verbände gibt es inzwischen Wortmeldungen – auch die Szene der Hobby-Feuerwerker meldet sich immer wieder zu Wort. So gibt es auf der Video-Plattform Youtube unzählige Feuerwerks-Filmer, die auf ihren Kanälen Produkte vorstellen, Einkaufs-Tipps geben und ihre Silvesterfeuerwerke festhalten.

Man kann nicht alle für die Taten der Böller-Chaoten verantwortlich machen

Ein Feuerwerks-Fan, der unter dem Namen „Highspeedfireworks“ mit einem Video-Kanal vertreten ist, erklärt etwa, er könne die Rufe nach Böller-Verboten nachvollziehen. Aber: „Sollte jetzt ein Böller-Verbot oder gar ein Feuerwerksverbot kommen, dann kann ich mir vorstellen, dass das Ganze wieder über andere Wege passieren wird“, sagt er. Ein Feuerwerksverbot würde dazu führen, dass sich die Täter mit noch gefährlicheren Waren aus dem Ausland eindecken.

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Zudem habe es etwa einen Angriff mit einem Feuerlöscher auf einen Rettungswagen gegeben – deshalb verbiete man aber keine Feuerlöscher. Man könne nicht den großen Teil der Bevölkerung für die Zustände in Berlin verantwortlich machen. Stattdessen seien harte Strafen und eine Verschärfung der entsprechenden Gesetze nötig.

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Auch auf dem in der Szene bekannten Youtube-Kanal „Fireworks and Balloons“ erklärt der Betreiber, die Taten in Berlin hätten nicht ansatzweise etwas mit dem zu tun, was die Feuerwerks-Fans vertreten. Man könne bei vielen der Videos, die aus der Silvesternacht kursieren, erkennen, dass dort keine normalen Feuerwerkskörper verwendet werden. Würde ein Böller-Verbot etwas bringen? Ich sage ganz klar: Nein. Ich weiß echt nicht, was los war, dass die Leute so eskaliert sind. Aber das große Problem ist nicht das legale Silvesterfeuerwerk, sondern das sind die Sachen, die gefährlich sind und zu recht in Deutschland verboten sind.“

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