Der Angeklagte Bader El M. (22) vor Gericht. Foto: Pressefoto Wagner

Weil ein Jüngerer nicht zuerst und respektvoll genug grüßte, soll er blutige Rache genommen haben: Bader El M. (22) steht nach Schüssen vor einem Späti vor Gericht. Der Staatsanwalt geht von einem versuchten Mord aus. El M. habe mit zwei bislang unbekannten Komplizen agiert. Sie sollen wahllos einen Mann aus der Familie des angeblich so respektlosen Burschen gesucht und dann losgeballert haben. Vor einem Späti in Kreuzberg wurde Khaled Al A. (29) niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt.

Der Staatsanwalt geht davon aus: „Der Angeklagte, von dem die Tatplanung maßgeblich ausging, sollte als Fahrer des Autos dienen, das die Schützen zum Tatort bringen und danach die Flucht ermöglichen sollte.“

Am 27. November kam es zur verhängnisvollen Begegnung

Der 27. November. Gegen Mittag trafen laut Ermittlungen junge Männer aus zwei verwandten libanesischstämmigen Familien vor einem Friseursalon in der Mittenwalder Straße aufeinander. Bader El M. sei „zu äußerstem Zorn“ gereizt gewesen. Grund laut Anklage: Ein Jüngelchen aus der Familie Al A. habe dem „lebensälteren Angeklagten nicht zuerst den der Tageszeit entsprechenden Gruß entboten“.

Als „Schmach“ soll El M., damals 21, das empfunden haben. Am Abend sei er in einem grauen Audi A6 durch Kreuzberg gefahren. Mit im Wagen seien zwei Männer mit „Handfeuerwaffen“ gewesen. Sie hätten sich rächen wollen – „wobei es ihnen gleichgültig war, welchen Angehörigen der Familie Al A. sie dabei trafen“, so der Staatsanwalt.

Ein Spätverkauf, zu dessen Stammkunden auch Angehörige der Familie Al A. zählen sollen. Der Audi näherte sich gegen 21.30 Uhr. Zwei vermummte Typen stiegen aus, eröffneten das Feuer. Khaled Al A. war in Begleitung von vier Frauen und stand vor dem Späti. Schüsse in den Rücken und den Oberschenkel. Sein Leben konnte nur durch eine sofortige Notoperation gerettet werden.

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Bader El M. mit Wohnung in Marienfelde war bei der Justiz bis dahin ein Unbekannter: Er hat keine Vorstrafen. Nach den Schüssen prüfte die Polizei auch Verbindungen ins Clan-Milieu. Um kriminelle Geschäfte oder Rivalitäten allerdings soll es nicht gegangen sein. Der Staatsanwalt geht von Familienstreitigkeiten aus.

Nach dem Anschlag brodelte es im Umfeld der Familien

Es brodelte im Umfeld der Familien nach dem Anschlag. Ein Mann (71) alarmierte die Polizei zu seiner Wohnung in Kreuzberg und zeigte an, dass er von mehreren Unbekannten durch die geschlossene Wohnungstür und am Telefon bedroht wurde, hieß es von der Polizei. Bei dem Mann handelte es sich Angaben zufolge um einen nahen Verwandten des Angeschossenen.

Für Bader El M. klickten am 3. Februar die Handschellen. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft. Auf gemeinschaftlichen versuchten Mord lautet die Anklage. Vom Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe geht die Staatsanwaltschaft aus: Die aus seiner Sicht erlittene Schmach stehe in krassem Missverhältnis zum Lebensrecht des Geschädigten.

Mit zwei Verteidigern trat El M. nun an – und hüllte sich in Schweigen. Ein Anwalt: „Derzeit keine Angaben.“ 25 weitere Prozesstage sind geplant. Fortsetzung: Donnerstag.