Der  Angeklagte Giuseppe T. sitzt seit Donnerstag in Berlin vor Gericht. Er soll einen Späti-Kunden niedergeschossen haben.
Der  Angeklagte Giuseppe T. sitzt seit Donnerstag in Berlin vor Gericht. Er soll einen Späti-Kunden niedergeschossen haben. Pressefoto Wagner

Einer fühlte sich nicht respektvoll genug gegrüßt. Das reichte laut Anklage für blutige Rache im Clan-Milieu. Mit vier Schüssen wurde ein Mann vor einem Späti niedergeschossen.

Ein smarter Typ nun wegen versuchten Mordes auf der Anklagebank: Guiseppe T. (24). Er soll einer der Männer sein, die in Kreuzberg für eine Szene wie in einem üblen Mafia-Streifen sorgten.

Ein grauer Audi A6 stoppt. Zwei vermummte Männer steigen aus, bewaffnet mit Pistolen. Sie schießen laut Anklage gezielt auf einen in einer Gruppe stehenden Mann, fliehen dann unerkannt.

Es war 21.30 Uhr, als Khaled Al A., damals 29, am 27. November 2020 blutüberströmt auf der Straße lag. Er überlebte nur knapp. Die Anklage: „Eines der abgefeuerten Projektile blieb an einem Wirbel hängen, was ihm das Leben rettete.“ Weitere Schüsse trafen den Oberschenkel, den Rücken. Auf versuchten Mord lautet die Anklage.

Ein Familienstreit soll Auslöser des Angriffs gewesen sein. Bereits Stunden vor den Schüssen hatte es laut Ermittlungen zwischen Mitgliedern der beiden verschwägerten arabischstämmigen Großfamilien Al A. und El M. Zoff vor einem Friseurladen gegeben.

Bader El M. (22) soll sich „zu äußerstem Zorn gereizt“ gefühlt haben, weil ein jüngerer Al A., „ihm, dem Lebensälteren nicht zuerst den der Tageszeit entsprechenden Gruß entboten hatte“. Bader El M. habe das Verhalten des Jüngelchens aus der anderen Familie als „Schmach“ empfunden, habe sich mit Komplizen an irgendeinem Mitglied der anderen Familie rächen wollen.

Späti-Kunden niedergeschossen, dann im Audi geflüchtet

Zwei Monate nach den Schüssen wurde Bader El M. verhaftet – er soll am Steuer des Fluchtwagens gesessen haben. Er erhielt in einem anderen Prozess bereits achteinhalb Jahre Haft – das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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T. wurde Ende Oktober festgenommen. Nach einem Zufallsfund: In einem Auto wurde in einer Tüte eine der beiden Tatwaffen gefunden. Es soll DNA von T. festgestellt worden sein. Der zweite mutmaßliche Schütze sei bislang noch nicht bekannt.

Guiseppe T., ein in Berlin geborener Italiener, steht außerdem wegen Raubes vor Gericht. Mit Komplizen soll er am 24. Januar 2020 zwei Geldboten überfallen haben. Die Opfer wurden mit Reizgas attackiert – mitten am Tag. Beute: 166.000 Euro. Die Täter flohen über einen Zaun. Einer aber blieb hängen, hinterließ einen Hosenfetzen. Daran gesicherte DNA wurde T. zugeordnet.

Vor dem Richter hüllte er sich in Schweigen. Fortsetzung: 18. August.