Erika Weigel ist blind und sitzt im Rollstuhl. Die Probleme in ihrer Wohnung machen ihr zusätzlichen Kummer. Volkmar Otto

Erika Weigel ist blind, herzkrank und kann nach einer Knie-Operation nicht mehr laufen. Sie sitzt im Rollstuhl. Nun hat die 78-Jährige auch noch Kummer mit ihrer Wohnung, weil es gleich mehrere Probleme gibt.

Ihre Küche stand mehrmals unter Wasser und die Klingel, der Türöffner und ein Aufzug funktionieren seit einem Brand auch nicht mehr. Das Schlimmste aber ist, dass ihre Heizung seit Monaten nicht läuft und sie in ihrer Wohnung frieren muss. Die KURIER-Reporter besuchen die Rentnerin am Blasewitzer Ring in Staaken, um sich die Mängel anzuschauen, die Erika Weigel nicht länger akzeptieren will.

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Volkmar Otto
Im Eingangsbereich des Hauses am Blasewitzer Ring riecht es nach Rauch und es hängen Kabel von der Decke.

Schon im Eingang riecht es unangenehm stechend nach Rauch. „Am 1. September hat es in dem Haus gebrannt. Wohl ausgelöst durch einen defekten Stromkasten im Keller“, erklärt Martina Gastaut. Sie betreut Erika Weigel wegen ihrer gesundheitlichen Probleme drei Mal in der Woche nach der Arbeit. Aus Freundschaft. „Wir haben uns vor eineinhalb Jahren in der Postbank kennengelernt und waren uns auf Anhieb sympathisch. Ich helfe ihr gern“, betont sie. Gastaut nimmt die Reporter mit in die Wohnung hinauf und schließt uns auf, weil auch die Klingel und der Türöffner von Erika Weigel seit knapp zwei Monaten defekt sind.

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Sie musste jedes Mal „auf allen Vieren“ kriechen, um das Wasser aufzuwischen

Erika Weigel, eine sympathische Frau mit kurzen grauen Haaren, sitzt schon in ihrem Rollstuhl am gedeckten Kaffeetisch. Sie lacht herzlich, als sie ihren Besuch empfängt. Doch als sie gemeinsam mit Martina Gastaut durch die Wohnung führt, stehen Tränen in ihren Augen. In der Küche hatte sie Anfang Dezember vergangenen Jahres einen Wasserschaden. „Gleich vier Mal hintereinander stand hier das Wasser, weil das Rohr unter der Spüle undicht war“, erklärt die ältere Dame. Sie habe jedes Mal „auf allen Vieren“ kriechen müssen, um den Boden aufzuwischen. Trotz ihrer Erblindung vor 30 Jahren wegen einer Erbkrankheit wirkt sie noch sehr selbstständig. Sie tastet sich vorsichtig vor, wenn sie sich durch die Räume ihrer 69 Quadratmeter großen Zweizimmerwohnung in winzigen Trippelschritten bewegt. Den Rollstuhl benutzt sie überwiegend draußen.

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An einigen Stellen der in die Jahre gekommenen Küchenzeile ist das Holz vom Wasser gelblich verfärbt und aufgequollen. Der beschädigte PVC-Boden an einer Stelle ist mit blauer Folie überklebt, auch das kaputte Rohr wurde repariert. Erika Weigel vermutet Asbest darunter, wie sie sagt und sorgt sich nun, dass das gesundheitsgefährdende Material ausgetreten sein könnte. Sowohl Mitarbeiter der Gewobag als auch Mitarbeiter des Dienstleisters Fletwerk, den das kommunale Wohnungsunternehmen für Handwerkerarbeiten beauftragte, sollen mit Erika Weigel sehr unhöflich und unsensibel umgegangen sein.

Es wird erst wieder schön gemacht, wenn sie ausgezogen oder verstorben ist

„Ein Mitarbeiter sagte, dass erst alles schön gemacht wird, wenn ich ausgezogen und verstorben bin“, behauptet sie. Sie glaubt, dass die Mitarbeiter sie nicht für ernst nehmen, weil sie eine Behinderung habe. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstehen sich als Dienstleister, insbesondere im Umgang mit den Mieterinnen und Mietern unserer Kunden. In Bezug auf einen etwaigen groben und unangemessenen Umgangston gegenüber Frau Weigel liegen uns keine Anhaltspunkte vor“, sagt dagegen Richard Dorka von der Fletwerk GmbH auf KURIER-Anfrage.

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Die Nachtspeicheröfen im Wohn- und Esszimmer funktionieren nicht.

In ihrer Wohnung ist es sehr kalt und man muss die Jacke anbehalten, damit man nicht friert. Erika Weigel trägt zwei dicke Pullover übereinander. Die Ursache sind zwei Nachtspeicheröfen im Wohn- und Essbereich, die nicht in Betrieb sind. Sie sollen erst Anfang Februar von der Gewobag, ihrem Vermieter, installiert worden sein. Doch die Temperatur soll sich nicht regulieren lassen. Im Sommer seien die Heizkörper so heiß gewesen, dass sie sich die Finger daran verbrannt habe.

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„Deshalb ist ein Mitarbeiter vorbeigekommen und hat mir gesagt, dass er die Sicherung herausgenommen hat und nun nichts mehr geht“, erinnert sie sich. Jetzt im Herbst sitzt Erika Weigel nun im Kalten und die Gewobag rühre sich nicht. „Meine Betreuerin und auch ich haben mehrmals angerufen und werden immer wieder vertröstet, dass es in Arbeit sei, doch es passiert nichts“, sagt sie. Als rheinische Frohnatur, in Köln aufgewachsen, sage sie sich täglich „Erika, reiß dich zusammen und geh da durch.“ Aber es gebe auch andere Momente, in denen sie viel weine.

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Unter der Spüle lief gleich mehrmals das Wasser aus.
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Von diesem Balkon muss Erika Weigel seit fast zwei Monaten ihre Wohnungsschlüssel für die Mitarbeiter des Krankentransports hinunterwerfen, da ihre Klingel und Türöffner defekt sind. Das fällt ihr schwer, weil sie nicht sehen kann.

Zum Beispiel wenn der Krankentransport sie abholen will, um sie zum Arzt zu bringen. Dann können die Mitarbeiter nicht einfach klingeln. „Weil die Klingelanlage ja kaputt ist, müssen sie vorher anrufen und ich muss den Schlüssel vom Balkon werfen. Davor habe ich jedes Mal große Angst, weil ich doch nicht sehen kann und auch einen Busch oder Baum treffen könnte“, sagt sie. Auch ein kaputter Aufzug im Haus macht ihr zu schaffen. „Der zweite Fahrstuhl ist seit Wochen außer Betrieb und der andere ständig durch Umzüge blockiert. Oft weiß ich nicht, wie ich nach unten kommen soll“, sagt Erika Weigel.

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Der KURIER hat bei der Gewobag nachgefragt, wann die Schäden in der Wohnung der Mieterin behoben werden? „Die von Ihnen genannten Schäden in der Wohnung unserer Mieterin sind uns bekannt und wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die ihr dadurch entstanden sind. Wir haben unseren Dienstleister beauftragt, den defekten Heizkörper so schnell wie möglich zu überprüfen und bei Bedarf auszutauschen. In der Zwischenzeit stellen wir unserer Mieterin einen Heizlüfter für ihre Wohnung zur Verfügung“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Auch die Reparatur der durch den defekten Abfluss entstandenen Küchenschäden hätte sie bereits in Auftrag gegeben. Diese werde zeitnah durchgeführt. Der beschädigte Küchenfußboden sei professionell abgesichert worden, sodass von dem unter dem Boden verbauten Asbest keine Gefahr für die Mieterin ausgehe.

Hausverwaltung verspricht jetzt schnelle Reparatur

Nach dem Brand im Blasewitzer Ring 32 sei bisher einer der beiden Aufzüge vor Ort wieder vollständig in Betrieb genommen worden. Aktuell gebe es noch weitere Brandschäden im zweiten Aufzug, die nach der Beendigung aller notsichernden Maßnahmen beseitigt würden. Vor dem Hintergrund zweier weiterer Brände in der Obstallee 17 und im Blasewitzer Ring 58 seien vorrangig notsichernde Maßnahmen ergriffen worden, damit alle betroffenen Mieter wieder über Strom, TV und Internet verfügen und den Aufzug nutzen könnten. Die Beseitigung aller Brandschäden werde aufgrund des Schadenausmaßes einige Zeit in Anspruch nehmen.

Für einen Menschen, der so viele Handicaps wie sie hat, sind die Probleme in der Wohnung besonders schlimm. Erika Weigel, eine ehemalige Krankenschwester, hat schon viel erlebt. Sie sagt: „Ich habe viel Kraft, aber irgendwann wird das alles zu viel. Ich möchte doch nur in Frieden in meinen vier Wänden leben können.“ Sie wohnt seit 35 Jahren am Blasewitzer Ring und zahle immer pünktlich ihre Miete.