Dirk Bufé und Hartmut Benter betreiben das Altenheim für Tiere in Blankenburg - doch direkt nebenan wird nun gebaut. Fotos: Volkmar Otto

Hunde haben ein besseres Gehör als Menschen, reagieren deshalb empfindlicher auf Lärm und Geräusche. Man kann sich kaum vorstellen, wie belastend es für die Tiere sein muss, nebenan den Presslufthammer zu hören. So geht es den Bewohnern im Altenheim der Tiere in Blankenburg: Schon lange sollte die Einrichtung auf ein neues Grundstück ziehen, doch der Pachtvertrag hängt fest – und nun wird gebaut.

Ein kleines Grundstück in einer Eigenheimsiedlung, draußen toben die Hunde um die Wette, im Hintergrund zwitschern die Vögel. Doch dann hämmert plötzlich der Presslufthammer. Es ist ein ohrenbetäubender Lärm, den die Schützlinge im Vogelgnadenhof und Altenheim für Tiere in Blankenburg gerade ertragen müssen. Und der die Betreiber Dirk Bufé und Hartmut Benter verzweifeln lässt.

Seit 15 Jahren gibt es den Gnadenhof für Tiere in Not

Seit 15 Jahren gibt es den Gnadenhof für Tiere in Not – aktuell leben hier rund 300 Hunde, Katzen, Vögel. Doch bisher war das Quartier in der Burgwallstraße nur geduldet. „Wir haben schon seit Januar 2018 ein Grundstück am Posseberg, auf dem wir einen neuen Standort bauen wollen“, erklärt Hartmut Benter dem KURIER. „Eigentlich sollte alles zügig vorangehen, damit wir umgezogen sind, wenn hier die Bauarbeiten beginnen. Wir haben uns reingekniet, alles organisiert – aber seitdem stockt es immer wieder.“

Der neue Pachtvertrag hänge seit Jahren bei den zuständigen Stellen fest, sagt Bufé. Mitte letzten Jahres lag der Entwurf vor, doch dann hieß es erneut warten. Immer wieder wurden Termine gemacht. Und verschoben. „Zuletzt hieß es, wir sollten im März unterzeichnen“, sagt Benter. „Es kommt einem so vor, als würde man die Übergabe des Grundstücks herauszögern wollen. Wir können das nicht nachvollziehen.“

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Dafür haben nun schon vor Wochen die Bauarbeiten begonnen: Tagtäglich wird nebenan gewerkelt. „Am 14. Juni wurde mit den Arbeiten an der Brücke begonnen, von 6 bis 18 Uhr hatten wir Presslufthammer-Lärm. Wir sind irre geworden“, sagt Bufé. Per Zettel im Briefkasten wurde angekündigt, dass am folgenden Wochenende für den Abriss der Hebammenbrücke sogar nachts gearbeitet werden sollte. Die Anwohner konnten sich melden, sollten sie einen Ersatzschlafraum brauchen. „Aber wohin sollen wir denn mit unseren Tieren?“

Foto: Volkmar Otto
Dirk Bufé und Hartmut Benter sorgen sich um die Tiere, die auf ihrem kleinen Gnadenhof leben.

Dass gebaut werden muss, können die Altenheim-Betreiber nachvollziehen. Aber: Warum lässt der Pachtvertrag so lange auf sich warten? Nachfrage bei der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). „Die Entscheidung für die Direktvergabe des Grundstücks ist keine alleinige Entscheidung der BIM. Seit 2018 haben sich verschiedene politische Gremien damit befasst“, teilt Sprecherin Johanna Steinke mit. Bereits im vergangenen Jahr seien die Verhandlungen fast abgeschlossen gewesen. „Auf politischer Ebene wurden dann aber die Erbbauzinsen für landeseigene Grundstücke neu untersucht und angepasst. Während dieser Zeit mussten alle laufenden Verhandlungen pausieren.“ Man befinde sich jetzt aber auf der Zielgeraden.

Foto: Volkmar Otto
Auch ein Katzenhaus gibt es auf dem Gelände des Gnadenhofes.

Warum wird nun aber gebaut – und wie sieht es mit dem Tierschutz aus?  Eine Anfrage an die Autobahn GmbH des Bundes, zuständig für Planung und Durchführung der Arbeiten, blieb unbeantwortet. Auf KURIER-Nachfrage bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz heißt es, Baulärm sei nicht gänzlich zu vermeiden. „Baufirmen werden in der Regel immer noch einmal auf die Einhaltung der Lärmgrenzen hingewiesen. Es sind aber umgekehrt auch Ausnahmen von den grundsätzlichen Schutzregeln möglich.“ Zum Beispiel dann, wenn andere Interessen, beispielsweise die Aufrechterhaltung des Verkehrs, überwiegen.

Bufé und Benter hoffen nun, dass es mit dem Pachtvertrag endlich vorwärts geht, dass die Arbeiten auf dem neuen Grundstück bald beginnen können. Zumindest die BIM verspricht: „Wir sind optimistisch, dass wir sehr zeitnah den Erbbaurechtsvertrag mit den Nutzern abschließen können.“ Das sei wichtig, denn: Für die Tiere seien die letzten Wochen sehr stressig gewesen, sagt Bufé. Sie litten schon an der Wärme an den heißen Sommertagen. „Und dann waren sie nur im Haus, weil es draußen so laut war. Die waren völlig groggy.“