Eine Idee für die Umgestaltung der Straße Unter den Linden. Ein Fahrstreifen pro Richtung bleibt - aber nicht für Autos, sondern für Busse, Taxis und Lieferfahrzeuge. Daneben entsteht Platz, um Fahrräder und E-Scooter abzustellen. Die Gehwegen werden verbreitert, auch die Mittelpromenade gewinnt hinzu.  Dort bekommt die Straße ein fünfte und sechste Baumreihe sowie zwei vier Meter breite Radwege. Simulation: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz/Eve Images

Es war einmal: Im Auto die Linden entlang fahren – das wird künftig nicht mehr erlaubt sein. Am Montag stellte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) Pläne vor, nach denen der Boulevard im östlichen Stadtzentrum vom motorisierten Individualverkehr befreit wird.

„Die Straße ist müde“, sagt Lutz Adam, der in der Senatsverkehrsverwaltung die Abteilung Tiefbau leitet. Die 61 Meter breite Straße, die sich 1,3 Kilometer weit durch das Denkmalensemble Dorotheenstadt bis zum Pariser Platz zieht, gibt ein desolates Bild ab. Die rund 14 Meter breiten Fahrbahnen sind voller Wellen und Schlaglöcher. Die Bauarbeiten zur Verlängerung der U-Bahn-Linie U5 haben weitere große Lücken in den Baumbestand gerissen. „Nur noch ein Viertel der Linden sind gesund und zukunftsfähig“, bilanziert Klaus Wichert von der Umweltverwaltung.

Die rot-rot-grüne Koalitionsvereinbarung gibt die Richtung vor. „Das Umfeld des Humboldt-Forums wird verkehrsberuhigt und der Straßenraum bis zum Brandenburger Tor fußgängerfreundlich umgestaltet“, zitiert die Verkehrssenatorin. „Dabei wird der motorisierte Individualverkehr unterbunden“ – zugunsten des Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehrs.

Am 8. Oktober  soll die Ummarkierung der bestehenden Fahrbahnen starten.

Was ist geplant? Klar ist erst einmal nur das, was der Senat in der Phase 1 plant. Am 8. Oktober  soll die Ummarkierung der bestehenden Fahrbahnen starten. Heute steht dem Kraftfahrzeugverkehr noch zwei breite Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung. Voraussichtlich vom zweiten Quartal 2022 an wird er auf jeweils eine, dann nur noch 3,25 Meter breite Fahrbahn beschränkt. Stau erwartet der Senat nicht, denn mit 19.000 Fahrzeugen pro Tag gelte die Straße als gering belastet, wie Lutz Adam erklärte.

So soll die Straße ab 2022 mehrere Jahre lang aussehen. Autoverkehr ist weiter möglich, für ihn gibt es aber statt zwei nur noch einen Fahrstreifen pro Richtung. Die Busspur befindet sich in der Mitte der Fahrbahn. Ein 3,25 Meter breiter Radfahrstreifen und ein 2,50 Meter breiter Streifen mit mehreren Funktionen schließen sich an. Simulation: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz/Eve Images

Für die Phase 1 ist außerdem vorgesehen, rechts vom verbleibenden Autofahrstreifen eine Busspur zu markieren. Sie wird ebenfalls 3,25 Meter breit sein – genau wie der Radfahrstreifen daneben. Der verbleibende Raum bis zum Straßenrand soll als 2,50 Meter breiter Multifunktionsstreifen mehrere Funktionen bedienen: als Ladezone, Abstellplatz für Fahrräder, E-Scooter und Carsharing-Autos, als  Haltestelle für BVG- und Stadtrundfahrtsbusse.

Klar ist für die Senatsplaner, dass Unter den Linden künftig kein motorisierter Individualverkehr mehr möglich sein soll.

Aber das soll nur der Zwischenzustand sein. Auch wenn die Details noch nicht feststehen: Klar ist für die Senatsplaner, dass Unter den Linden künftig kein motorisierter Individualverkehr mehr möglich sein soll. Sobald die Bauarbeiten beginnen, soll die Straße für Autos tabu sein – ab 2028, wenn kein Planfeststellungsverfahren erforderlich ist, auch schon früher. Eine Ausnahme werde nur für Anwohner gelten, die ihre Geschäfte und Wohnungen erreichen wollen, so Lutz Adam.

Eine weitere Idee für die endgültige Gestaltung der Straße Unter den Linden. Der linke Fahrstreifen wird für Busse, Taxis, Liefer- und Ausflugsverkehr reserviert. In der Mitte der Fahrbahn verläuft ein 3,50 Meter breiter Radfahrstreifen, flankiert von einem Multifunktionsstreifen. Gehwege und Mittelpromenade werden verbreitert. Simulation: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz/Eve Images

Der einzige Fahrstreifen pro Richtung wird künftig für Busse, Taxis, Liefer- und Ausflugsverkehr zu reserviert. Eine Gestaltungsidee sieht daneben einen 3,5 Meter breiten Radfahrstreifen vor, der von einem Multifunktionsstreifen flankiert wird. Die Gehwege würden um ein Drittel auf jeweils 10,55 Meter verbreitert, die Mittelpromenade würde auf mehr als 20 Meter Breite anwachsen.

Nach einer anderen Idee würde der Mittelstreifen sogar 31 Meter breit – inklusive zwei jeweils vier Meter breiter Radwege und zwei weiteren Baumreihen. Dafür ist die Lichte Baumhasel, eine Nussbaumart, in der Diskussion. Die übrigen vier Reihen der Allee sollen weiterhin aus Linden bestehen, aber möglichst nicht mehr nur aus Kaiserlinden.

Was die Planungen für die kreuzenden Straßen bedeutet, sei noch nicht klar, hieß es. Allerdings gebe es Überlegungen, auch die Friedrichstraße dauerhaft von Autoverkehr zu befreien, so Lutz Adam.

„Wir wollen Unter den Linden nicht im Hauruckverfahren umgestalten“, sagte Regine Günther. Als erste Stufe der Bürgerbeteiligung sind die Ideen bei mein.berlin im Internet zu sehen. Das Landesdenkmalamt haben ein gewichtiges Wort mitzureden. Und auch der Bund ist zu beteiligen, denn künftig soll Unter den Linden kein Abschnitt der Bundesstraßen 2 und 5 mehr sein, hieß es. Der Senat strebt an, weitere Bundesstraßen in der Innenstadt zurückzustufen – wenn nicht sogar alle, sagt Hartmut Reupke, Leiter der Abteilung Verkehr.