Da waren beide noch gesund: Vater Hendric und Sohn Finn lachen in die Kamera. Privat

Wie viel Schmerz kann ein Mensch ertragen? Erst erkrankte Hendric B. (38) an Lymphdrüsenkrebs, vier Monate später bekam sein Sohn Finn (6) Leukämie. Nur eine Stammzellentransplantation kann dem Jungen aus Treptow das Leben retten. Sein verzweifelter Vater nimmt nun seine letzten Kräfte zusammen, um einen geeigneten Spender für sein geliebtes Kind zu suchen. Dabei kämpft er gerade selbst ums Überleben. Im KURIER erzählt der Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) von seinem unfassbaren doppelten Schicksalsschlag.

„Ich frage mich oft, warum ich, warum er, warum wir?“, sagt Hendric B. Anfang des Jahres bemerkte er eine Beule an seinem Hals. Sein Hausarzt hatte zunächst den Verdacht, dass er an Pfeifferschen Drüsenfieber leiden könnte und verschrieb ihm ein Antibiotikum. Doch die Schwellung ging nicht zurück und es fühlte sich auch beim Schlucken merkwürdig an. Nach wochenlanger Ärzteodyssee erhielt er endlich Gewissheit: Die Verhärtung unter der Haut ist ein Tumor, Lymphdrüsenkrebs! Weil sich schon Metastasen im Rachen gebildet hatten, musste er sich umgehend einer Chemotherapie unterziehen. 

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Während er mit den Nebenwirkungen kämpfte, unter starker Übelkeit, Kraftlosigkeit und seinem Haarausfall litt und es noch nicht mal mehr in den Supermarkt schaffte, bahnte sich das nächste Drama an. Sein Sohn Finn hatte plötzlich keinen Appetit mehr und fühlte sich schlapp. Ihm schmeckte noch nicht einmal mehr sein Eis. 

Kurz nach der Krebsdiagnose des Vaters: Sohn erkrankt an Leukämie

„Es war wenige Wochen vor seiner Einschulung und Finns Mutter hatte gerade das Catering für die Feier organisiert“, erinnert sich der Vater. Sie hätten geglaubt, dass er vielleicht eine Erkältung oder Grippe ausbrüte und gar nicht an etwas Ernsthaftes gedacht. Doch sein Zustand verschlechterte sich binnen weniger Stunden, er schlief nur noch und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Auch sein Kinderarzt war besorgt, weil er bei einer Untersuchung herausfand, dass Finns Leber und Milz vergrößert waren. Er wies das Kind ins Virchow-Klinikum ein.

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Finn in einem Waggon der Bahn. Er fährt sehr gern mit seiner Mutter oder seinem Vater Zug.

Nach einem Ultraschall und einer Blutuntersuchung erhielt der schwerkranke Hendric B. die nächste niederschmetternde Diagnose: Sein Sohn hat Leukämie! Da sich in der Lunge schon Wasseransammlungen gebildet hatten, wurde er sofort punktiert und erhielt einen Tag später die erste Chemotherapie „Ich bin in diesem Moment zusammengebrochen“, sagt er. Gerade erst hatte er sich mit seiner eigenen Erkrankung abgefunden und nun sollte er mit einem weiteren Schicksalsschlag fertig werden. 

„Ich kann gar nicht beschreiben, welchen unglaublichen Schmerz ich in diesem Moment gefühlt habe. Das Schlimmste daran ist, dass man sich so hilflos fühlt, weil man so machtlos ist“, erklärt Hendric B.  Vor allem schon vor Augen zu haben, dass das eigene Kind nun die gleichen Nebenwirkungen der Chemo durchmachen müsse wie er selbst, sei kaum zu ertragen. Oft denkt der Vater daran, wie schön es doch wäre, wenn sein kleiner Finn nur eine Erkältung hätte. Ihm dann seine Brust mit einer Salbe einreiben, ihm eine Hühnersuppe kochen könnte und dann wäre er in wenigen Tagen wieder gesund.  

Doch momentan weiß Hendric B. noch nicht mal, ob sein Sohn überhaupt wieder gesund wird. Es bleibt ihm nur die Hoffnung, an die er sich ganz fest klammert. Zeit für seine eigene Krebserkrankung bleibt ihm nicht, denn er muss jetzt für sein Kind stark sein. Obwohl er Risikopatient ist und Kontakte meiden sollte, schleppt er sich nach seinen Chemotherapien zu seinem Sohn ins Krankenhaus. Er hielt auch an seinem sechsten Geburtstag ganz fest seine Hand. „Papa, ich würde mich freuen, wenn du noch da bleibst, aber nur, wenn du kannst“, hat Finn zu ihm gesagt. „Er ist mit seinen sechs Jahren schon so empathisch und spürt, dass es mir auch nicht gut geht“, erzählt sein Vater stolz.

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Während der Vater Ende September seine letzten Chemotherapien hat und auf seine Abschlussuntersuchung wartet, ist Finns Zustand sehr kritisch. „Er liegt auf der Intensivstation. Da die herkömmliche Behandlung leider nicht angeschlagen hat, bekommt er nun eine aggressivere Therapie“, berichtet Hendric B.

Stammzellenspender gesucht

Die einzige Chance, die dem Kind noch bleibt, ist eine Stammzellentherapie. Doch die soll schon in drei Wochen erfolgen und noch gibt es keinen Spender, der die erforderlichen genetischen Merkmale aufweist. „Ich hoffe, Finn hält bis dahin durch. Es gab Momente, in denen wir uns gefragt haben, ob wir ihm das überhaupt noch zumuten können“, sagt der Vater leise. Jeden Morgen und jeden Abend schaut er nach dem Aufwachen und vor dem Einschlafen auf sein Handy und wartet auf eine SMS. Die Mutter seines Sohnes wacht 24 Stunden am Bett ihres gemeinsamen Kindes und schreibt ihm zweimal täglich, wie es Finn gerade geht.

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Sohn und Vater: Als dieses Foto aufgenommen wird, sind sie beide schon schwer krank. 

Aber Finn ist ein Kämpfer. Wie sein Papa. Ihr gleiches Leid hat die beiden fest zusammengeschweißt. Weil der Krebs dazwischen kam, konnte der Junge nicht eingeschult werden. Er soll nun erst im nächsten Sommer in die erste Klasse kommen. „Darauf freut er sich schon sehr“, sagt sein Vater. Er bittet die KURIER-Leser inständig, seinem Kind zu helfen und sich bei der DKMS, ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei, online zu registrieren www.dkms.de/finn

„Wir wären Euch so wahnsinnig dankbar. Ihr schenkt unserem Sohn und auch vielen anderen Kindern die Chance auf eine glückliche Zukunft. Zögert nicht“, fleht Hendric B. Dieser Vater ist auch in seinem doppelten Leid noch so unbegreiflich tapfer und stark.