Rudolf J. Kaltenbach an einem brasilianischen Makauba-Stein, einem Quarzit. Foto: Lehrke

Der Bildhauer Rudolf J. Kaltenbach (64) verteilt hunderte Kilogramm Steine über Pankow und ein wenig auch in die Welt. Die Steine – Platten, flache Zylinder, Bruchstücke – sollen von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen bemalt, beschriftet oder nach Wunsch bearbeitet werden: „Kreative Ideen sind gefragt“. Am Ende soll aus Ihnen ein großes Mosaik oder ein riesenhaftes Mobile werden, als Zeichen gegen Rassismus und soziale Diskriminierung.

Kaltenbach und seine Bildhauer-Kollegin und Lebensgefährtin Silvia Fohrer haben die „soziale Skulptur“ als Jubiläumsaktion geplant: Vor 20 Jahren hatten sie begonnen, internationale Bildhauersymposien zu veranstalten, in Hobrechtsfelde haben sie den Skulpturenpfad „Steine ohne Grenzen“ angelegt.

Ein Schlag von Rudolf J. Kaltenbach, und aus langen Stücken Kärntner Rauchkristalls sind Bruchstücke für die soziale Skulptur geworden. Foto: Lehrke

Er ist eine Erinnerung an den Bildhauer Otto Freundlich, den die Nazis als entarteten Künstler diffamiert und 1943 im KZ ermordet hatten. Er hatte eine Skulpturen-„Straße des Friedens“ zwischen Paris und Moskau geplant, die jetzt ganz allmählich mit Projekten in Frankreich, Belgien, Luxemburg, Deutschland und Polen Form annimmt.

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Die Mitmachaktion, die das Paar jetzt initiiert hat, soll im Oktober allmählich Form annehmen. Bis dahin sollen die Teilnehmer die bearbeiteten Steine wieder dort abgeben, wo sie sie bekommen haben, mindestens aber ein Foto davon. Wer seine Kontaktdaten hinterlässt, kann auch etwas gewinnen: Für zehn Teilnehmer gibt es je drei Stunden individuellen Bildhauer-Unterricht an leichter zu bearbeitendem Sandstein. Das fertige Werk können die frischgebackenen Bildhauer mitnehmen.

Derlei Steine sind in den Tüten enthalten, die der Bildhauer verteilt. Foto: steineohnegrenzen

Bislang hat Kaltenbach Dutzende Tüten mit je fünf bis zehn Steinen an Bibliotheken, Kirchengemeinden und Schulen in Pankow verteilt, mindestens tausend sollen es werden. 

Auch die Europabeauftragte des Bezirks hat Steinboxen, die in Wahrheit Tüten sind, erhalten, um sie in die Partnerstädte Kolberg/Kolobzreg in Polen und Ashkelon in Israel weiterzuleiten. Schulen und Kitas, die sich beteiligen wollen, werden gebeten, sich unter steineohnegrenzen@aol.com zu melden. Im Netz ist die Aktion unter https://steineohnegrenzen.wordpress.com zu finden.