Die Bewohner der Luxemburger Strasse 31 feiern nach der Entscheidung im Innenhof. Sie können bleiben. Foto: Markus Wächter

Der Protest dieser eingeschworenen Hausgemeinschaft hat sich gelohnt: Die Immobilienfirma Skjerven Group wollte ihr Haus in der Luxemburger Straße 31 in Wedding erwerben. Die Mieter, die dort seit Jahren leben, fürchteten Luxussanierungen und dass sie sich die Miete nicht mehr leisten könnten (KURIER berichtete). Jetzt schritt der Bezirk Mitte ein und nutzte das Vorkaufsrecht. Die Bewohner sind gerettet. 

Am 17. August hat die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) den Kaufvertrag unterzeichnet, wie Christoph Lang, Sprecher der Gesellschaft, bestätigt. Der Kaufpreis soll nicht verraten werden. Nur so viel: Der Senat unterstützt den Bezirk Mitte beim Kauf. So ist es möglich, dass die Mieten nicht angehoben werden müssen.  

„Wir freuen uns riesig über die Entscheidung“, sagt einer der Bewohner dem KURIER. Als er und seiner Nachbarn von der Nachricht erfahren haben, haben sie eine Spontan-Party im Innenhof gefeiert. So ganz euphorisch klingt er nicht. Denn theoretisch hat die Skjerven Group noch die Möglichkeit, gegen die Entscheidung zu klagen.

Und so kam es zum glücklichen Deal: Weil das Haus in der Luxemburger Straße 31 in einem Milieuschutzgebiet liegt, musste der Verkäufer die Immobilie nicht nur dem interessierten Investor zum Kauf anbieten, sondern auch dem Bezirk Mitte das gleiche Kaufangebot machen. Das Bezirksamt verhandelte zunächst mit der Skjerven Group: Wenn das Unternehmen das Haus kaufen wollte, sollten Bewohner weiterhin vor Luxussanierung und hohen Mieten geschützt werden. Doch beide Seiten wurden sich nicht einig. Der Bezirk schlug deshalb mithilfe der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte zu und holte sich das Haus mit 31 Mietparteien und zwölf Gewerbeeinheiten. Zu den Gewerbemietern zählt auch eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung.

Ende Juli war die Hausgemeinschaft noch in Sorge und organisierte einen großen Protest. Foto: Markus Wächter

Die Skjerven Group akzeptiert jetzt diese Lösung. „Es ist das gute Recht des Bezirks, vom Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Wir werden nicht gegen diesen klagen“, so ein Sprecher der Firma, die ihren Sitz am Kudamm hat. Und fügt hinzu, dass man auch bei einem Erwerb die Miete in der Luxemburger Straße 31 nicht erhöht hätte. Doch für solche Versprechen ist es jetzt zu spät, das Haus ist weg.

„Das Haus in der Luxemburger Straße 31 wird damit langfristig gemeinwohlorientiert bewirtschaftet“, so der zuständige Bezirksstadtrat Ephraim Gothe (SPD). Es ist nicht das erste Mal, dass er das Vorkaufsrecht gezogen hat. Wenige Tage zuvor erwarb sein Bezirk die Immobilie in der Oldenburger Straße 3a und 3b in Moabit. Auch hier wollte die Skjerven Group zuschlagen.

Dutzende Mieter im Wedding und in Moabit können jetzt in Ruhe schlafen.