Ab Montag dürfen Kinder in Berlin nicht mehr in Schule und Kindergärten gehen. Foto: Caroline Seidel/dpa

Am Montag vielleicht noch ein paar Hefte aus der Schule holen, und das Kuscheltier aus der Kita. Dann beginnt ab Dienstag für Berliner Familien ein mindestens fünfwöchiger Zustand, der deutlich vom gewohnten Alltag abweichen wird. Die Kinder dürfen nicht in Schule und Kindergärten gehen. Was Eltern jetzt wissen müssen:

Zuerst die schlechte Nachricht, es gibt nicht den einen Weg, der für alle Berufstätigen eine entspannte vorösterliche Zeit garantiert. In den kommenden Wochen muss improvisiert werden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden gemeinsam nach Lösungen suchen. Diese könnten ein Mix aus folgenden Werkzeugen sein:

Notbetreuung Für Eltern, die im Gesundheitswesen arbeiten und für andere systemrelevante Berufsgruppen wie Polizei, Feuerwehr und Versorger wird in den Kitas und Schulen eine Notbetreuung eingerichtet. Die Senatsverwaltung passte ihre Regelungen für die Notbetreuung während der bevorstehenden Corona-Schließzeit an: „Wir haben dabei die neuen Einschätzungen von Professor Dr. Christian Drosten berücksichtigt und nehmen Anregungen der Kita-Träger aus der täglichen Praxis auf“, betonte Sandra Scheeres. Der Virologe und Charité-Professor Dr. Drosten hatte Freitagnacht deutlich gemacht, dass Kinder in der Notbetreuung nicht in neu zusammengestellte Gruppen und konzentriert in ausgesuchte Einrichtungen gehen sollen. Die Notbetreuung soll nun in der vertrauten Kita stattfinden. Auch in den Grundschulen wird es in allen Bezirken für die Klassen 1 bis 6 eine Notbetreuung für Kinder der systemrelevanten Berufsgruppen geben. Welche Berufsgruppen das sind, und welche Einrichtungen offen sind, wird bis Montagabend benannt und auf der Internetseite des Senats veröffentlicht www.berlin.de/sen/bjf/coronavirus/aktuelles/

„Bitte nehmen Sie die Notbetreuung nur in Anspruch, wenn dies unbedingt erforderlich ist. Unser Ziel muss sein, dass so wenige Kinder wie möglich in den Einrichtungen sind“, appellierte Scheeres und dankte in der Mitteilung den Kita-Trägern und ihren Mitarbeitenden „Sie tragen damit dazu bei, dass die Stadt auch in dieser Ausnahmesituation weiter funktioniert.“

Sonderurlaub Vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gibt es folgenden Hinweis: Eltern müssen zunächst alle zumutbaren Anstrengungen unternehmen, die Kinderbetreuung anderweitig sicherzustellen. Gelingt dies nicht, greift das Leistungsverweigerungsrecht des Arbeitnehmers (§ 275 Abs. 3 BGB). Für eine verhältnismäßige, nicht maßgebliche Zeit kann der Arbeitnehmer zur Betreuung des Kindes zu Hause bleiben und bekommt weiter Gehalt. Allerdings ist nicht ganz klar, was in diesem Fall verhältnismäßig ist. Richter haben bisher eine Spanne von 3 bis 14 Tagen gelten lassen. In einem Berliner Finanzamt erhielt eine Mutter etwa die Zusage für drei Tage Sonderurlaub. Danach muss sie sich anders behelfen. In Italien wird die Einführung von bezahltem Corona-Sonderurlaub diskutiert.

Urlaub nehmen Als Eltern Urlaub zu nehmen, fällt für viele aus. Schon ohne Corona-Krise haben die meisten Familien Probleme, die Ferienzeiten abzudecken. Dennoch: wer noch viel Urlaub übrig hat, kann ihn jetzt nach Absprache in verlängerte Osterferien investieren.

Unbezahlter Urlaub Eine weitere Möglichkeit ist, für einige Tage unbezahlten Urlaub zu nehmen. Einen Monat lang hat ein ruhendes Beschäftigungsverhältnis keine Auswirkungen auf die Krankenversicherung. Sie bleiben weiter als Arbeitnehmer versichert und zahlen als Pflichtversicherter in dieser Zeit keine Beiträge.

Kind ist krank Es muss ja nicht gleich Corona sein. Ist das eigene Kind krank, steht es Eltern zu, eine Zeit lang zu Hause zu bleiben und das Kind zu versorgen. Dieser Anspruch ist pro Kind und Elternteil auf jeweils zehn Arbeitstage – bei Alleinerziehenden auf 20 Arbeitstage - begrenzt. Der Kinderarzt muss einen Nachweis ausstellen, der belegt, dass das Kind pflegebedürftig ist.

Kreativ werden Der Tweet der Berliner Moderatorin, Aline von Drateln (43) verbreitete sich schnell im Netz: „Ohne Publikum habe ich als Moderatorin keine Arbeit“, schreibt sie. Sie biete ab Mittwoch ehrenamtlich Kinderbetreuung an für Betroffene der #Schulschliessungen in Prenzlauer Berg/Mitte. Habe selbst 2 Kinder (8&13). Eltern in Pflegeberufen bevorzugt. „Es wäre ja bekloppt, wenn ein Teil der Gesellschaft zuhause sitzt und verdammt ist, nichts zu tun, und der andere Teil durchdreht, weil er nicht weiß, wie er alles unter einen Hut kriegen soll. Da eine Balance zu finden, das ein wenig auszugleichen, darum geht es mir“, sagte sie der B.Z. Auch bei privater Betreuung in Kleingruppen unter Freunden und Eltern sollte man aber darauf achten, dass sie nicht ständig neu zusammengesetzt werden. Zwar habe man aus Streiks Kurzzeiterfahrungen über Betreuungsnotstand über zwei bis drei Tage, sagt Landeselternsprecher Norman Heise. Doch der lange Zeitraum stellt alle vor eine Herausforderung. „Unser Credo war, bitte nicht von heute auf morgen schließen, gebt Eltern Gelegenheit das zu organisieren“, sagte er. Besonders Schichtarbeiter und Alleinerziehende seien jetzt darauf angewiesen, dass Personalplaner flexible Möglichkeiten finden.“

Home Office Die Variante, von zu Hause aus   zu arbeiten, während die Kinder auch da sind, schlagen meist Chefs vor, die selber keine Kinder haben. Effiziente Heimarbeit mit Kindern ist Wunschdenken. „Ich hoffe, dass es noch Lösungen gibt, die diejenigen auffangen, die in Schieflage geraten. Auch Eltern haben Verpflichtungen zu bedienen, müssen ihre Miete zahlen“, sagt Norman Heise. Vielleicht wäre es sinnvoll, eine Hotline für Härtefälle zu schalten?, regt er an.

Oma und Opa Von einer Betreuung durch Großeltern wird dringend abgeraten.