Der Lockdown bleibt. Lockerungen sind verschoben. Foto:  Imago/Christian Ohde

In der Hauptstadt wird es vorerst keine weiteren Lockerungsschritte geben. Die Schüler der Klassen 7 bis 9 werden bis zu den Osterferien weiter zu Hause bleiben. Ebenfalls erst mal gestoppt sind die in einem vierten Öffnungsschritt vorgesehenen Lockerungen in den Bereichen Kultur und Gastronomie. So sieht es aus in Berlin, nachdem am Montag das Impfen mit dem Vakzin von Astrazeneca bis auf weiteres gestoppt wurde und die Infektionszahlen weiter gestiegen sind. Wie aus dem Lagebericht der Berliner Senatsgesundheitsverwaltung vom Dienstag hervorgeht, sind in Berlin in den letzten 24 Stunden 662 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist auf 91,3 hochgeschnellt. 

Abgesagte Lockerungen:

  • Präsenzunterricht für Schüler der Klassenstufen 7 bis 9
  • Außengastronomie mit vorheriger Terminbuchung
  • Theater-, Konzert-, Opernhaus-, Kinobesuche mit tagesaktuellem Schnell- oder Selbsttest
  • Kontaktsport außen, Sport kontaktfrei innen
  • Regelungen für den Einzelhandel, die über den Einkauf nach vorheriger Terminvereinbarung hinausgehen

Zwei Impfzentren dicht, 140 Arztpraxen kurz vor dem Impfstart wieder in der Warteschleife, enttäuschte Erwartungen beim Kita-Personal, bei Lehrkräften, Schülern, Kulturschaffenden und Gastronomen. Es ist nicht einfach für Michael Müller, den Regierenden Bürgermeister der Hauptstadt, an diesem Dienstag trotz all der schlechten Nachrichten noch einen Rest von Optimismus zu verbreiten. Er wirbt erst mal um Verständnis: „Es ist eine zermürbende Situation, die lässt auch niemanden in der Politik unbeeindruckt“, sagt Müller.

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Es soll hitzig zugegangen sein in der Senatssitzung. So viel drang nach außen. Und es ist ja auch kein Wunder, werden doch zunächst alle weiteren Schritte, auf die sich die Ministerpräsidentenkonferenz ursprünglich geeinigt hatte, erst mal ausgesetzt.

In der anschließenden Pressekonferenz versichert Müller sein Verständnis für Unmut. „Es gibt so viele, die belastet sind“, sagt er. Und dann folgt ein großes Aber. Müller will nichts riskieren. Er berichtet von den Briefen, die ihm Menschen schicken, weil es so gut klappe in den Impfzentren, die ihm danken für schnelles unbürokratisches Handeln.

Das will er nicht aufs Spiel setzen. Für Hin und Her, für Auf und Zu sei er nicht zu haben, sagt der Regierende Bürgermeister. „Wir wollen festhalten an dem, was wir ermöglicht haben“, sagt er, „wir führen alles weiter, was wir verabredet haben, aber wir setzen nichts oben drauf.“ Und das ist dann auch schon die gute Nachricht. Es wird jetzt nichts geschlossen werden. Müller will „vorsichtig weiter agieren“. Das ist der Weg, auf den der Senat sich verständigt hat. Am Freitag soll das weitere Vorgehen beschlossen werden.

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Michael Müller nutzt an diesem Tag allerdings auch die Gelegenheit, sein Unverständnis darüber auszudrücken, was mit dem Impfstoff von Astrazeneca gerade passiert. Es sei ein großer Vertrauensverlust entstanden, sagt Müller, und dass er als Laie eigentlich davon ausgegangen sei, dass der Impfstoff gut geprüft war.

Man kann die Worte als Kritik am Paul-Ehrlich-Institut und der europäischen Zulassungsbehörde EMA verstehen, die für die Zulassung und die Neubewertung der Lage in Bezug auf den Impfstoff zuständig sind. Müller und dem Senat wird die Aufgabe zufallen, für Vertrauen zu werben, sollte der Impfstoff in absehbarer Zeit wieder zur Verfügung stehen.