Julian läuft beim Spendenlauf an der Kolibri-Grundschule seine 75 Runden. Foto:  Volkmar Otto

„Weiter, Du schaffst das“, feuern ihn ein paar Schüler und Eltern an. Julian Kolb läuft tapfer Runde um Runde und wer es nicht weiß, bemerkt ihm seine schwere Krankheit nicht an. Trotz seines Handicaps quälte sich der 18-jährige Schüler aus Friedrichshain 30 Kilometer an einem Morgen, um anderen Kindern zu helfen. Dabei wurde bei ihm erst vor drei Monaten ein faustgroßer Tumor aus dem Unterkiefer heraus operiert und dazu das rechte Wadenbein entfernt. Beim Spendenlauf an der Kolibri-Grundschule in Hellersdorf wurde er an einem Morgen für mehr als 800 Schüler zum Vorbild.

„Wir sind sehr daran interessiert, den Kindern hautnah zu zeigen, wie positiv schwerkranke Kinder mit ihrem Schicksal umgehen. Es ist eine Wahnsinns-Leistung die der Junge absolviert hat, obwohl er selbst gerade operiert wurde“, sagt Janna Weihrauch vom Berliner Verein „Kolibri Hilfe für krebskranke Kinder Deutschland e.V.“, die den Spendenlauf vor drei Wochen gemeinsam mit der gleichnamigen Kolibri-Grundschule organisierten.

Die Einsamkeit des Langstreckenläufers: Julian Kolb beim Training in Friedrichshain.
Foto: Pritzkuleit

2.300 Euro erlief der tapfere Julian in seinen 75 Runden um den Sportplatz und war insgesamt zwei Stunden auf den Beinen. „Es war schon anstrengender als sonst. Ich habe noch drei Tage danach Muskelkater gehabt“, sagt Julian dem KURIER. Für jeden gelaufenen Kilometer erhielt er von bekannten Berliner Sponsoren wie Hertha BSC und Ruder Küchen und Hausgeräte Geld. Die Einnahmen sollen zur Hälfte dem Förderverein der Schule und zur anderen Hälfte dem Verein Kolibri zugute kommen. 

Für den sportbegeisterten 18-Jährigen aus Friedrichshain, der erst diesen Sommer sein Abitur mit 1,3 am Schul- und Leistungssportzentrum SLZB in Hohenschönhausen absolvierte, war der Lauf eine große Herausforderung. Wie der KURIER bereits berichtete wurden ihm am  14. Juli in einer mehrstündigen Operation 40 Prozent seines Unterkieferknochens entfernt. Er verlor sein rechtes Wadenbein, da damit das Gewebe und die Muskulatur im Kiefer wieder aufgebaut wurde. Er trainierte bereits während seiner Chemo- und Strahlentherapie für den Lauf. „Selbst meine Ärzte waren sehr überrascht über meine Leistung. Denn andere Patienten, denen das Wadenbein entnommen wird, müssen erst wieder mühsam laufen und Treppen steigen lernen“, sagt er. 

Mit dem Lauf hat Julian auch wieder ein Stück weit zu sich selbst gefunden. „Für mich persönlich war der Lauf auch sehr bedeutend, da ich mir selbst beweisen konnte, dass ich trotz meiner Erkrankung wieder Sport machen kann“, betont er. Bevor der Krebs Ende letzten Jahres ausbrach, war er  ein aktiver Leistungssportler. Er nahm am Bogenschießen-Training der Bundesliga teil und betrieb viel Ausdauersport.

Julian hat durch seine ungewöhnlichen Kräfte nicht nur anderen Kindern in Not geholfen, sondern ihnen auch vermittelt, dass das Leben nach einem schweren Schicksalsschlag weiter geht. „Man darf sich niemals unterkriegen lassen“ ist seine Devise.  Gerade hat er wieder mit einem kleinen Rückschlag zu kämpfen. „Mein Unterkiefer hat sich nach der Operation verschoben und meine Zähne treffen nicht mehr richtig aufeinander“, sagt er. Nun muss er erneut seinen Arzt in der Klinik aufsuchen. Doch auch dieses Problem wird Julian erneut meistern. Er sagt: „Wichtig ist das man in jeder Situation seine positive Einstellung nicht verliert.“