Azubi Elian Cano Romero (19), Obermeister Norbert Skrobeck (60) und Schornsteinfeger Alain Rappsilber (47) posieren mit Hündin Bonny (1). Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Glück und Unglück liegen oft nah beieinander – aber selten so nah wie bei diesem Fotoshooting. Erst Ende Oktober veröffentlichte der Deutsche Tierschutzbund eine Umfrage unter Tierheimen, in der es um die Vermittlungschancen schwarzer Hunde und Katzen ging. Ergebnis: Sie finden wesentlich schwerer ein neues Zuhause. Dagegen wollen nun ausgerechnet die Schornsteinfeger der Stadt etwas tun: Sie lassen sich im Berliner Tierheim pünktlich zu Freitag, den 13., mit schwarzen Hunden und Katzen ablichten, aus den Bildern soll ein Kalender entstehen.

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Die Umfrage des Tierschutzbundes ergab, dass schwarzes Fell bei Tierheim-Tieren die Chancen, schnell ein neues Zuhause zu finden, mindert. 55 Prozent der befragten Tierheime gaben an, dass sie schwarze Hunde schwerer vermitteln als andersfarbige. Ähnlich sei es bei den Katzen. „Manche Menschen vermuten irrtümlich, dass dunkle Hunde gefährlicher seien als Tiere mit einem andersfarbigen Fell. Diese Angst ist völlig unbegründet. Die Farbe des Fells sagt nichts über den Charakter eines Hundes aus“, sagt Caterina Mülhausen vom Deutschen Tierschutzbund. „Schwarze Hunde haben die gleiche Chance verdient wie ihre Artgenossen.“

Norbert Skrobeck (60) mit Bonny. „Ich habe selbst Haustiere – und empfinde es als Katastrophe, dass wir überhaupt Tierheime brauchen“, sagt Skrobeck. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Das sieht auch Heike Jahnke (52) so. Sie ist die Assistentin der neuen Berliner Tierschutzbeauftragten Dr. Kathrin Herrmann, die erst am Mittwoch vorgestellt wurde (KURIER berichtete). „Als ich von der Umfrage las, fielen mir sofort die Schornsteinfeger ein. Mein Mann arbeitete als Schornsteinfeger, mein Sohn ist Schornsteinfeger. Sie sind schwarz angezogen, bringen aber Glück“, sagt sie. „Denen wird hinterhergerannt, aber warum nicht auch den schwarzen Tieren?“ Der Aberglaube, dass sie Unglück bringen, sei nur schwer nachvollziehbar. 

Rund 30 Prozent des Jobs spielen sich noch auf dem Dach ab

Schnell entstand der Kontakt mit der Berliner Schornsteinfeger-Innung – und auch hier war die Begeisterung für das Projekt groß. „Wir bringen schließlich Glück“, sagt Norbert Skrobeck. „Und wollen so darauf aufmerksam machen, dass diese Tiere auch vermittelt werden müssen. Ich habe selbst Haustiere – und empfinde es als Katastrophe, dass wir überhaupt Tierheime brauchen. Dass Tiere abgegeben werden, weil die Leute nicht mehr damit klarkommen. Und dass sie dann so lange hier warten müssen.“ Der 60-Jährige ist seit Jahrzehnten auf Berlins Häusern unterwegs – er wählte zwischen Schwarz und Weiß. „Ich hatte zwei Optionen: Koch oder Schornsteinfeger. Ich entschied mich für Letzteres, denn es ist der schönste Beruf, den ich mir nur vorstellen kann.“ Über den Dächern der Stadt zu arbeiten, die Freiheit zu spüren. Und noch dazu das positive Image des Glücksbringers.

Es sind die Dinge, die auch Alain Rappsilber (47) begeistern, auch wenn sich die Arbeit im Laufe der Jahre verändert habe. Rund 30 Prozent seines Jobs – Rappsilber ist vor allem in Kreuzberg unterwegs – spielten sich heute noch auf den Dächern des Bezirkes ab, sagt er. Zuständig sei man in dem Beruf heute auch für Bauabnahmen, Lüftungssysteme, Feuerstellen. „Der Schreibtisch ist voll. Aber immer wieder darf ich auch auf dem Dach stehen, Sonnenaufgänge sehen, auf die Stadt blicken, das ist schon besonders.“

Nicht nur schwarze Hunde und Katzen warten im Tierheim auf ein neues Zuhause – auch dieses schwarze Kaninchen. Schornsteinfeger Alain Rappsilber füttert es liebevoll. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Auch deshalb scheint der Job immer beliebter zu werden: In diesem Jahr habe man in Berlin so viele Auszubildende gehabt wie nie zuvor, sagt Skrobeck. Einer von ihnen ist Elian Cano Romero. „Ich liebe die Höhe, das Arbeiten draußen. Und es macht sehr viel Spaß, dass man auf der Straße so viele positive Begegnungen hat“, sagt er. Drei Jahre wird seine Lehre dauern, nebenbei macht er sein Fachabitur, danach will der 19-Jährige seinen Meister machen. Und schon jetzt ist er Kalender-Model. An seiner Seite: Hündin Bonny, eines der Sorgenkinder des Tierheims. Sie landete hier, weil der Vorbesitzer nicht mehr mit ihr zurechtkam.

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Das schwarze Fell macht die Vermittlung zusätzlich schwierig. „Das verstehe ich absolut nicht“, sagt er. Als Glücksbringer ist die Unterstützung der Tierheimtiere auch für Rappsilber Ehrensache. „Die Fellnasen haben es verdient, dass auf sie aufmerksam gemacht wird. Viele Leute wissen nicht, dass der Aberglaube so sehr im Unterbewusstsein verankert ist. Wir hoffen, dass es etwas bringt, dass wir damit das Tierheim unterstützen können.“ Denn der Erlös des Kalenders kommt voll und ganz den Falkenberger Tierschützern zugute.