Kathrin Schülein brachte ihr Theater Ost sicher durch zwei Lockdowns.

Markus Wächter

Jetzt hat Berlin eine echte Ost-Bühne. Das Theater Adlershof, das seit kurzem Theater Ost heißt. Der Name passt. Denn die Spielstätte befindet sich auf dem Gelände des einstigen DDR-Fernsehens. In einem Haus, aus der einst die „Aktuelle Kamera“ gesendet wurde. Eine Bühne, auf der vor allem Künstler aus dem Osten des Landes auftreten. Dass es sie noch gibt, ist der Intendantin Kathrin Schülein (56) zu verdanken. Mit viel Kraft und Ausdauer hat sie das Privattheater mit 100 Plätzen, das eines der kleinsten in der Stadt ist, sicher durch zwei schwere Corona-Lockdowns gebracht. Am 12. Juni gibt es die erste Premiere der Saison.

Wie vor einem Jahr, nach dem Ende des ersten Lockdowns, wird wieder draußen auf einer Freilichtbühne gespielt, vor der bis zu 170 Zuschauer Platz haben. Mehr, als es im Innern des Adlershofer Theaters auf Grund der Abstandsregelungen möglich wäre. Für die Besucher wurde ein eigenes Testzentrum eingerichtet, erzählt Schülein, die wir auf der Freilichtbühne bei den Proben für das Premieren-Stück „Die wahren Lügen des Till Eulenspiegels“ treffen. „Wir können wirklich froh sein, dass wir überlebt haben“, sagt Schülein. Gemeinsam mit den Schauspielern macht sie einen Freudensprung für den Fotografen. 

Ein Freudensprung mit dem Ensemble auf der Freilichtbühne: Im Theater Ost geht der Spielbetrieb los.
Markus Wächter

Das „Eulenspiegel“-Stück nach Geschichten des Dichters Hans Sachs steht für den Kampf des Theaters gegen die Pandemie-Widrigkeiten. Eigentlich sollte die Premiere im vergangenem Frühjahr stattfinden. Doch da ging bereits der erste Corona-Lockdown los und legte zum ersten Mal den Berliner Kulturbetrieb lahm.

Drei Monate dauerte die erste Auszeit

Drei Monate dauerte er, ein Klacks gegen das, was im zweiten Lockdown noch kommen sollte. Schülein nutzte die Zeit und ihre Kontakte, um für die Zeit danach gerüstet zu sein. Mit Hilfe des Bezirks erhielt sie die Genehmigung vom Land Berlin für die benachbarte Freifläche, um dort eine Open-Air-Bühne aufzubauen, als klar war, dass im Sommer 2020  Veranstaltungen im Freien stattfinden können. „Dank der Unterstützung  benachbarten Firmen konnten wir die Freilichtbühne samt Technik aufbauen“, sagt die Chefin.

So startete damals nach dem Ende des ersten Lockdowns das Adlershofer Theater als erste Berliner Bühne wieder durch. Es gab Lesungen mit Stars wie Herbert Köfer oder Konzerte, bei denen etwa Berlins Swing-König Andrej Hermlin auftrat.

Doch wie sollte es im kälteren Herbst oder im Winter weitergehen? Im Theater wären keine Veranstaltungen möglich gewesen. „Also mietete ich ein Zirkuszelt vom Zirkus ,Rolandos‘ für 500 Euro, dass man beheizen konnte“, sagt Schülein. Damit in dem Zelt weiter Theater gemacht werden konnte, war laut der Corona-Maßnahmen der Einbau eines  Belüftungssystems Vorschrift, um Infektionen zu vermeiden. „Dafür reichte unser Geld aber nicht aus“, sagt die Intendantin. „Also musste ich einen Privatkredit in fünfstelliger Höhe aufnehmen.“

Das Theater Ost, das einst Theater Adlershof war. In dem Gebäude auf dem früheren Gelände des DDR-Fernsehens war das Studio der Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“. 

Markus Wächter

Als das Zelt im Herbst endlich stand, ging das Lockdown-Theater von vorne los. „Gerade einmal acht Veranstaltungen hatten wir, da war im vergangenen November auch schon wieder Schluss“, sagt Schülein. „Die letzte war ein Konzert des Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel.“ Die ganze Arbeit, die ganzen Investitionen waren umsonst. „Anfangs dachte ich noch, der zweite Lockdown hört auch gleich wieder auf. Und dann dauerte er fast ein halbes Jahr.“

Monatliche Kosten von 11.000 Euro

Für das Theater Ost sind etwa 11.000 Euro pro Monat an Betriebs-und Personalkosten fällig. „Doch woher das Geld nehmen, wenn keine Einnahmen da sind, weil wir nicht spielen dürfen?“, sagt Schülein. So verbrachte die Theaterchefin viel Zeit im Lockdown, um sich durch ein Wust von Bestimmungen durchzuarbeiten, um Fördergelder und Überbrückungshilfen zu beantragen. Dier Mühe lohnte sich. „Wären die Gelder nicht geflossen, wären wir vielleicht pleite“, sagt Schülein. „Allein durch das Sonderprogramm ,Neustart Kultur‘ des Bundes sind nun 80 Prozent der Personalkosten für die acht Mitarbeiter bis zum Ende diesen Jahres abgesichert.“

Nun geht das Theaterleben in Adlershof wieder los. Der Spielplan füllt sich. Neben dem „Eulenspiegel“-Stück stehen auch wieder Konzerte und Lesungen an. Theater-Schülein hofft, dass dass bald mehr Zuschauer kommen dürfen und die jetzige Öffnung aus dem Lockdown nicht erneut zu einem kurzen Intermezzo wird: „Wir wollen spielen – und nicht nur einen Sommer und einen kurzen Herbst lang wie vor einem Jahr.“