Jannis, Adrian und Johann (von oben nach unten) dürfen endlich wieder auf die Bühne. Volkmar Otto

Sie hofften auf eine Karriere auf den Bühnen dieser Welt – doch dann ließ die Pandemie den Traum vom Leben im Scheinwerferlicht zerplatzen! Berlins junge Artisten, die in den vergangenen Jahren ihren Abschluss an der Staatlichen Schule für Artistik machten, hatten keinen leichten Sprung ins Berufsleben. Geschlossene Theater verdarben den Karrierestart. Doch nun geht es wieder los! Und das bedeutet auch für Johann Prinz (23), Jannis Nau (25) und Adrian Schulte-Zweckel (26): Es darf endlich wieder geträumt werden.

Berlins junge Artisten: Corona verhagelte ihren Karriere-Start

Sie wollten gerade durchstarten, als die Pandemie das Land überrollte: Johann, Jannis und Adrian gehörten im Jahr 2019 zu den Absolventen der renommierten Schule, sollten am 13. März 2020 mit ihrer ersten großen Show „Spin!“ im Pfefferberg Theater auf der Bühne stehen. Doch dann der Schock: An jenem Freitag, dem 13., ging auch Berlin in den ersten Lockdown, die Theater schlossen.

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Für die jungen Künstler ein Schock, dem eine schwere Zeit folgte. „Für uns war es eine unglaubliche Bremse“, sagt Jannis, der mit seinem Kollegen Adrian als Jonglage-Duo „One Line“ auf der Bühne steht. „Wir hatten nach der Ausbildung richtig Lust, alle durchzustarten, auch die ersten Verträge in der Tasche.“ Doch plötzlich ging gar nichts mehr auf deutschen Varieté-Bühnen. „Wir konnten in der ganzen Zeit ein- oder zweimal spielen, waren auch sehr auf die Hilfen angewiesen, die es gab“, sagt er.

Adrian, Johann und Jannis (von links) freuen sich, dass sie jetzt endlich in die Artisten-Karriere starten können. Volkmar Otto

Und nicht nur das: Auch das Training, das für Artisten und ihren Darbietungen so wichtig ist, stand eine ganze Zeit lang auf der Kippe. „Denn die Trainingshallen haben alle zugemacht – da musste man wirklich durchhalten und gucken, was man macht“, sagt Adrian.

Auch viele Sporthallen waren während der Corona-Pandemie geschlossen

Noch schwieriger war es für Johann: Während die Jongleure theoretisch auch im Park üben können, braucht er für seine Luft-Artistik Trainingshallen mit Decken-Aufhängung für seine Arbeitsgeräte. „Zum Glück gab es dann irgendwann Regelungen, dass professionelle Sportler ihre Trainings durchführen dürfen – auch wenn es dann natürlich schwierig wurde, einen Platz zu finden.“

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Auch für die Seele waren die zwei Jahre nicht leicht. „Es ging an die Substanz“, sagt Johann. „Man wusste wirklich nicht, wie es weitergeht.“ Adrian stimmt zu. „Es war wirklich hart, auch für den Kopf. Die Motivation zu halten und sich selbst Mut zuzureden wurde immer schwieriger.“ Umso besser, dass es nun endlich wieder auf die Bretter geht! Heute und morgen werden die Shows von 2020 im Pfefferberg Theater (Schönhauser Allee 176) nachgeholt. Um 20 Uhr stehen die jungen Künstler mit „Spin!“ auf der Bühne.

Johann Prinz vollführt seine Kunststücke in der Luft – und hatte während der Corona-Pandemie Probleme, Sporthallen zum Trainieren zu finden. Volkmar Otto

Und dafür sind sie trotz Corona-Pause bestens vorbereitet. Johann begann seine Laufbahn schon im zarten Alter von acht Jahren – zuerst turnte er, dann wechselte er zum Jugendzirkus. „Ich wollte mich nicht nur auf den reinen Leistungssport und die Übungen fokussieren“, sagt er. Also ging es in der zehnten Klasse auf die Artistenschule. Auch Adrian und Jannis jonglieren, seit sie kleine Steppkes sind. Sie lernten sich in der Grundschule kennen, Jannis infizierte Adrian mit dem Jonglage-Virus. Erst ging es für die beiden in den Kinderzirkus, später auf die Artistenschule.

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Und nun? Wie es für die jungen Künstler weitergeht, wird sich zeigen. Nach zwei Jahren Pandemie-Pause dürfen sie endlich wieder von der Karriere träumen, bleiben erst einmal bodenständig. Sie wünschen sich nur eines: Endlich viel Arbeit! „Wir hoffen am meisten, dass der Markt für Artisten in Deutschland so groß bleibt“, sagt Jannis. „Und dass die Theater, die von der Krise getroffen wurden, sich erholen.“