Tote Bäume mit ihrem zweiten Leben. Im Treptower Park werden sie zu ausgefallenen Skulpturen. Wie ein propellernder Wald-Kraken liegt diese Wurzel da. 
Tote Bäume mit ihrem zweiten Leben. Im Treptower Park werden sie zu ausgefallenen Skulpturen. Wie ein propellernder Wald-Kraken liegt diese Wurzel da.  Sabine Gudath

Wenn man sich an der Bulgarischen Straße irgendwo in den Treptower Park schlägt und in Richtung Archenhold Sternwarte geht, kommt man, wenn man Glück hat, an einer open air Galerie der besonderen Art vorbei. Mitten im Dickicht führen vom Hauptweg dick mit Laub bedeckte, schmale Wege in eine ganz besondere Welt.

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Umgestürzte, gefallene Bauriesen werden hier seit Jahren von einem Holzkünstler zu neuem Leben erweckt. Mit Holzbeitel und anderem Werkzeug schürft der Franzose Olivier Jaffrot an den Stämmen einst mächtiger Bäume und legt kunstvoll ihre Seele offen.

Der Franzose Olivier Jaffrot verwandelt tote Bäume im Treptower Park zu ausgefallenen Skulpturen. An dieser arbeitete er bereits seit dem Sommer.
Der Franzose Olivier Jaffrot verwandelt tote Bäume im Treptower Park zu ausgefallenen Skulpturen. An dieser arbeitete er bereits seit dem Sommer. Sabine Gudath

Ein Klotz ist der, der hier vorüber gehen kann, ohne die glatten Flächen, die sich aus dem Stamm heben, die scharfen, akkuraten Kanten, die Wogen aus Holz, die Astlöcher und Biegungen zu berühren. Erfassen muss man diese Kunst, die da so unverhofft im Wald auftaucht, und die nur sich selbst und dem Wald gehört, sonst niemandem.

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Jeder Baum erzählt seine Geschichte, jeder ist einzigartig, so wie die Menschen, die hier vorübergehen. Und manchmal muss einer kommen und den Kern sichtbar machen. 

Holzkunst mit Geduld und Akribie 

Regen tropft an diesem Morgen von den Blättern, ein einzelner Fußgänger strolcht an den liegenden Riesen vorbei. Wie hingeworfen sind die Kunstwerke aus Wurzeln, Ästen, Stämmen. Ihren Platz haben Sturm, und der Zahn der Zeit bestimmt. Folgt man den Trampelpfaden tauchen immer mehr der Kunstwerke  auf. Seit etwa zehn Jahren kommt der Künstler immer wieder hier her und bearbeitet mit präzisen Bewegungen und Geduld, die dem Wesen der Bäume angemessen ist, ihre Körper.

Immer und jederzeit geöffnet hat die außergewöhnliche Wald-Galerie im Treptower Park. 
Immer und jederzeit geöffnet hat die außergewöhnliche Wald-Galerie im Treptower Park.  Sabine Gudath

Es ist das Spiel mit Texturen, glatt und knorrig, hell und dunkel, spitz und rund, welches die Faszination dieser Wald-Monumente ausmacht. Jede Maserung, jedes Loch, jede Wunde wird sichtbar und schön. Wo das Holz schon länger bearbeitet im Wald liegt, legt sich ein neuer Schleier über das, was ist. 

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„Bitte nicht klettern “steht auf Schildern, an den Kunstwerken führt ein QR-Code zu einer Webseite des Künstlers. Doch Geld will er mit der Waldkunst nicht verdienen.

Street Art in der Natur 

Im Jahr 2020 hat ihn ein Kollege vom tip zu seiner Arbeit befragt. Über sein Schöpfertum im Wald sagte O’live, wie er seinen Künstlernamen angibt, damals: „Es ergibt Sinn.“ Olivier Jaffrot ist in einem Dorf in den französischen Alpen aufgewachsen, heißt es in dem Text, später habe er Psychologie studiert. 2008  kam er nach Berlin.

Scharf und weich zugleich. Holz ist ein wandelbarer Stoff. 
Sabine Gudath
Scharf und weich zugleich. Holz ist ein wandelbarer Stoff. 

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Seine „Street Art in der Natur“ erforderte schon hunderte von Arbeitsstunden. „Das steht im Gegensatz zu der Stadt und der Gesellschaft, um die herum mit voller Geschwindigkeit gescrollt wird“, so der Holzkünstler.  „Sein Handwerk untergräbt die Logik einer beschleunigten Leistungsgesellschaft. Sie ist eine Etüde der Langsamkeit, Millimeter um Millimeter, Maserung um Maserung“, schreibt der tip über die verborgene Holzkunst im Treptower Park. Wer sich auf die Suche nach dem besonderen Ort macht, wird belohnt. 

Ein Bild aus dem Sommer: Olivier verwandelt tote Bäume im Treptower Park. 
Ein Bild aus dem Sommer: Olivier verwandelt tote Bäume im Treptower Park.  Sabine Gudath