Dietmar Glombitza siegte zweimal kurz hintereinander vor dem Sozialgericht.
Foto: Thomas Uhlemann

Dietmar Glombitza sitzt in seinem weihnachtlich dekorierten Wohnzimmer. Er ist allein. Nachdem der 60-Jährige so erfolgreich für ein selbstbestimmtes Leben kämpfte, hat ihn ein weiterer Schicksalsschlag schwer getroffen: Seine Ehefrau hat ihn nach zehn Jahren verlassen. Glombitza, der erfolgreich gegen die Zwangsberentung seines Rententrägers klagte, hat gerade einen weiteren Sieg bei seiner Krankenkasse erstritten. Nächste Woche bekommt er endlich seine  alltagstaugliche Prothese „Rheo XC“(36.000 Euro). Doch die Freude des 60-Jährigen hält sich in Grenzen. Nachdem die Rechtsstreitigkeiten endlich vorbei waren, zerbrach seine Ehe.

„Ich freue mich, dass es am Ende doch noch alles so gut für mich ausging, aber das hat alles einen bitteren Beigeschmack“, sagt Dietmar Glombitza. Mit dem bitteren Beigeschmack meint er seine private Trennung. Fünf Jahre lang kämpfte er darum, nach einer schweren Erkrankung wieder ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Am Ende habe ihn das seine Beziehung gekostet. „Meine Frau hielt die Belastungen nicht mehr aus und ist regelrecht zusammengebrochen. Vor ein paar Wochen zog sie aus unserer gemeinsamen Wohnung in Kladow aus“, sagt er traurig. 

Dietmar Glombitza sitzt allein in seinem Wohnzimmer. Seine Ehefrau ist vor ein paar Wochen ausgezogen.
Foto: privat

Dietmar Glombitza hat ein schweres Schicksal zu schultern. 2016 erlitt er ganz plötzlich einen Arterienverschluss und ihm musste der linke Oberschenkel amputiert werden. Sein Rententräger sah ihn nicht mehr als vollwertige Arbeitskraft an und schickte ihn gegen seinen Willen in Rente. Doch Glombitza, der früher als Chauffeur im Hamburger Hafen angestellt war, wollte noch weiter arbeiten und suchte sich einen neuen Job als Fahrer im brandenburgischen Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft. Vor Gericht erwirkte er, dass seine Zwangsberentung aufgehoben wird.

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Doch damit nicht genug: Damit er seinen Alltag bewältigen kann, ist er auf eine spezielle Prothese angewiesen, und die Kosten hierfür wollte seine Krankenversicherung nicht zahlen. Auch als Dietmar Glombitza mehrfach mit seiner Standardprothese stürzte, nicht. Als Dietmar Glombitza auch dagegen klagte, lenkte seine Krankenkasse Ende November ein und sicherte ihm die Kostenübernahme zu. „Ich hatte die Prothese für sechs Wochen zur Probe und musste sie einem Gutachter vorführen. Der konnte sofort erkennen, dass ich gut damit zurechtkomme“, so Glombitza.

Diese Standardprothese erschwerte Dietmar Glombitza zusätzlich das Leben, weil er immer wieder damit stürzte und auch keine Treppen steigen konnte. Nach einem Gerichtsverfahren zahlt ihm seine Krankenkasse nun endlich eine alltagstaugliche Prothese. Foto: Wächter

Für den Ministeriums-Mitarbeiter ist der harte jahrelange Kampf um Inklusion nun zu Ende und er kann trotz seines Handicaps endlich wieder am Leben teilhaben. Doch ausgerechnet jetzt kann er das alles gar nicht richtig genießen und muss schon wieder viel Leid einstecken. „Es kann sich niemand vorstellen, was meine Frau mit mir mitgemacht hat in den letzten fünf Jahren. Daran ist unsere Beziehung zerbrochen. So viel Schmerzensgeld kann mir gar niemand zahlen, um das alles wieder gutzumachen“, erklärt er.

Der Rechtsstreit habe ihnen als Paar die letzte Kraft geraubt. Seine Frau sei förmlich unter der Last zusammengebrochen. Trotz seines erneuten Sieges vor Gericht sei er nun sehr unglücklich. Er sagt: „Ich vermisse meine Manuela so sehr und wünsche mir nichts sehnlicher, als dass sie zu mir zurückkommt.“ Für Dietmar Glombitza wird es trotz seines Siegs wohl ein trauriges Weihnachtsfest.