Viele Berliner engagieren sich im Sommer und gießen gerade junge Straßenbäume.
Viele Berliner engagieren sich im Sommer und gießen gerade junge Straßenbäume. Markus Wächter

Große Hitze, wenig Regen: Man muss nur durch Berlins Straßen spazieren, um zu sehen, wie die Straßenbäume leiden. Die lang anhaltende Trockenheit bedroht Berlins Stadtgrün. Einige Bezirke wie Friedrichshain-Kreuzberg nutzen Bewässerungssäcke, um die Bäume zu gießen. Totaler Quatsch, wie jetzt herauskommt. Denn gerade ältere Bäume können gar kein Wasser am Stamm aufnehmen.

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Bewässerungssäcke sind wenig sinnvoll aus Sicht der Senatsumweltverwaltung. Das geht aus der Antwort auf eine schriftliche Anfrage des CDU-Abgeordneten Stefan Evers hervor. Solche Säcke sind demnach vor allem für Jungbäume in den ersten drei Jahren gedacht, damit deren Ballen genug Wasser bekommt und richtig anwächst.

Bewässerungssäcke fördern Pilzkrankheiten der Bäume

In den vergangenen Jahren seien damit jedoch hauptsächlich alte Bäume bewässert worden, die das Wasser aber nicht mehr am Stamm aufnehmen könnten, teilt der Bezirk Mitte mit. „Dies führt zu einem enormen Wasserverbrauch ohne Nutzen für den Baum.“

Zudem habe man festgestellt, dass es zu Schäden wie Pilzkrankheiten kommen könne, berichtet der Bezirk Mitte weiter. Als weiteres Argument gegen eine Nutzung der Säcke führt der Bezirk das dafür verwendete Material Kunststoff an. Auch die Umweltverwaltung sieht ein Problem darin, weil die Entsorgung zu einer weiteren Belastung der Umwelt führe – zumal die Haltbarkeit nur wenige Jahre betrage.

Friedrichshain-Kreuzberg hat 40.000 Euro für 3000 Bewässerungssäcke ausgegeben

Bei der Pflanzung neuer Straßenbäume setzt der Senat mittlerweile auf sogenannte Gießringe. Die Bezirksämter, die grundsätzlich für die Unterhaltung der Stadtbäume zuständig sind, agieren bislang sehr unterschiedlich, wie aus der Antwort hervorgeht. Während die Säcke in vielen Bezirken – auch aus Kostengründen – kein Thema sind, werden diese in Friedrichshain-Kreuzberg eifrig genutzt.

Bewässerungssäcke sind bei älteren Bäumen wenig sinnvoll und erhöhen sogar die Gefahr von Pilzerkrankungen.
Bewässerungssäcke sind bei älteren Bäumen wenig sinnvoll und erhöhen sogar die Gefahr von Pilzerkrankungen. Imago/Endig

Dort hat sich nach Angaben des Bezirks ein Patenschaftsmodell in den vergangenen zwei Jahren etabliert. Rund 40.300 Euro wurden demnach 2020 und 2021 insgesamt für 3000 Bewässerungssäcke ausgegeben.

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In Berlin gibt es nach Senatsangaben mehr als 430.000 Straßenbäume. Linden und Ahornbäume sind am häufigsten zu finden, gefolgt von Eichen, Platanen und Kastanien. Bei rund 57 Prozent von ihnen wurden laut Straßenbaum-Zustandsbericht 2020 leichte bis extreme Schäden festgestellt. Hitze und Trockenheit sind dafür zwei Gründe.