Seit Beginn der Corona-Krise sitzt der Zirkus in Karow fest - Sven Rogall, der Chef, ist mit den Nerven am Ende. Hier: Rogall mit seinem Sohn Sven Jr. (4) Foto: Andreas Klug

Karow - Manche Menschen scheinen vom Pech verfolgt – und geraten unverschuldet in Schwierigkeiten, die nur schwer zu lösen sind. So geht es auch Sven Rogall (44), dem Direktor des kleinen Zirkus „Hoppla Hopp“. Kurz vor der Corona-Krise wurde das Familienunternehmen in Karlshorst beraubt – und nun sitzt der Zirkus in Karow fest.

„Im Moment können wir uns noch über Wasser halten – aber ich weiß absolut nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Rogall dem KURIER. Seit 2008 gibt es seinen kleinen Familienzirkus. Rogall, der selbst einer Zirkusfamilie entstammt, reist seitdem mit seiner Frau und seinen drei Kindern durch die Lande. Den Zirkus betreibt er heute mit den Kindern, „denn meine Frau ist ein Pflegefall, sie kann nicht mehr mitmachen“, sagt er. Den Betrieb zu erhalten ist immer schwierig, doch eine so schlimme Krise wie dieses Mal erlebten sie noch nie.

Vorerst bleibt der Vorhang im kleinen Zirkuszelt geschlossen - ganz zum Ärger der Zirkus-Familie. Foto: Andreas Klug

Erst im Februar klauten Unbekannte über Nacht die Kasse des Zirkus, der zu der Zeit an der Karlshorster Treskowallee stand. Rund 9000 Euro waren darin – Geld, das Rogall für den Betrieb braucht. Dann zog das Zelt nach Karow. „Und dann kam die Pandemie. Seitdem sitzen wir hier fest, können nicht mehr spielen.“ Während Restaurants, Freibäder, Geschäfte öffnen dürfen, sitzt Rogall leider auf dem Trockenen. „Und es kommt auch sonst kein Geld in die Kasse. Nothilfen sind zweckbestimmt, die können wir nicht nutzen, um beispielsweise Tierfutter zu kaufen. Und Hartz IV bekomme ich auch nicht, weil meine Ausrüstung als Vermögen gilt“, sagt er.

Eine schwere Zeit für den Mann, dessen Leben der Zirkus ist. „Ich will das hier auch alles nicht einfach so aufgeben. Mein Leben lang mache ich diesen Job. Und ich muss doch meine Tiere versorgen!“ Vier Kamele, fünf Ponys, ein Pferd, drei Ziegen, fünf Hunde und zehn Tauben gehören zum Zirkus, alle brauchen Futter. „Auch wenn wir im Moment nicht spielen, trainieren wir jeden Tag mit ihnen, denn sie müssen ja fit und in Bewegung bleiben.“

Gut, dass es die Berliner gibt. Die Anwohner von Karow kennen und schätzen den Zirkus, bringen Futterspenden für die Tiere vorbei. „Ohne die könnten wir gar nicht überleben“, sagt Rogall. Er hofft, dass auch andere spenden, um seinen Zirkus zu unterstützen (Tel.: 0174/9424032). Und dass das bunte Leben im Zelt bald weitergehen kann. „Ich wäre auch für alles bereit: Wir können Desinfektionsmittel aufstellen, den Sicherheitsabstand wahren, weniger Stühle in unser Zelt stellen. Aber irgendwie müssen wir doch auch überleben können!“