Das Puppentheater Mirakulum sieht einer ungewissen Zukunft entgegen - Chef Thomas Mierau (67) bangt um die eigene Existenz. Foto: Bernd Friedel

Mitte - Viele freuen sich über die Corona-Lockerungen, doch für die Menschen in der Kultur-Szene ist die Lage noch immer düster. Besonders schwer trifft die Situation kleine Theater – sie kämpfen ums Überleben. Bedroht ist auch das Puppentheater „Mirakulum“, eine Berliner Institution. Chef Thomas Mierau ist auf Spenden angewiesen – nur so kann er überleben.

Das „Mirakulum“ ist eine echte Berliner Institution – die Puppenbühne in Mitte soll im kommenden Jahr den 30. Geburtstag feiern. Doch ob das klappt steht in den Sternen. „Ich hoffe es natürlich, aber im Moment ist die Lage sehr schwierig“, sagt Thomas Mierau, Chef und Puppenspieler des kleinen Theaters. Seit dem 13. März ist sein Haus in der Brunnenstraße geschlossen. „Als mich die Nachricht ereilte, war es ein Schock. Als Einzelkämpfer hat man immer die eigene Existenz im Hinterkopf – und die steht in so einem Moment ganz plötzlich auf der Kippe. Ich hatte am Anfang Alpträume und Herz-Rhythmus-Störungen – man muss mit einer solchen Situation erstmal umgehen können.“

Mierau, selbst ausgebildeter Puppenspieler, träumte schon früher von einem kleinen Theater. In den Räumen in der Brunnenstraße hatte er schon vor der Wende seine Werkstatt, nach dem Mauerfall funktionierte er das Lokal 1991 zur Bühne um. „Ich finanzierte alles privat, steckte viel Arbeit und Liebe in das Mirakulum. Ich liebe einfach den direkten Kontakt zu den Zuschauern, das unmittelbare Feedback.“ Knapp 20 Stücke hat er in all den Jahren inszeniert, der Zulauf ist groß. „Inzwischen habe ich Gäste aus drei Generationen: Kinder, ihre Eltern und die Großeltern.“ Das Puppenspiel sehe er auch als gesellschaftliche und pädagogische Aufgabe, die Kommunikation über die Puppen vor allem für Kinder und ihre künstlerische Erziehung wichtig.

Gerade solche kleinen Unternehmen sind nah an den Menschen dran und machen einen großen Teil der kulturellen Vielfalt dieser Stadt aus. Es ist wichtig, dass sie erhalten bleiben.

Thomas Mierau, Puppenspieler

Und nun? „Das Geschäft ist durch die Schließung komplett eingebrochen – und ich weiß auch nicht, wie es weitergehen soll. Die Abstandsregeln werden beispielsweise bleiben. Aber wenn ich nur noch ein Drittel der Zuschauer reinlassen darf, verkaufe ich nur noch 25 Karten pro Vorstellung.“ Hinzu kommt: Gerade die Omas und Opas, die zu guten Zeiten mit ihren Enkeln kamen, kommen nun wegen der Angst vor einer Ansteckung vermutlich nicht mehr. Und: Auch Schul- und Kita-Gruppen, die bisher einen wichtigen Teil des Publikums ausmachten, blieben vorerst weg, genau wie Touristen, die vor allem an den Wochenenden immer das Theater besuchten.

Mierau hofft, dass er die Puppen bald wieder tanzen lassen kann – doch ohne Hilfe wird der 67-Jährige kaum überleben können, sagt er. Schon zu Beginn der Corona-Zeit stellte er deshalb selbst produzierte Videos seiner Stücke ins Netz. „Wenn die Kinder nicht zu mir kommen können, will ich meine Puppen einfach zu den Kindern bringen“, sagt er. Die Nachfrage war riesig, unzählige Menschen schauten sich die Filmchen an. Und: Mierau gründete eine Spenden-Seite im Internet. Die Resonanz ist zumindest ein kleiner Grund zur Freude. „Ich bekam zum Beispiel fünf Euro von einer Frau. Sie schrieb, sie sei arbeitslos und könne nicht viel geben, aber sie wollte unbedingt helfen.“ Unterstützung, die für Mierau wichtig ist. „Gerade solche kleinen Unternehmen sind nah an den Menschen dran und machen einen großen Teil der kulturellen Vielfalt dieser Stadt aus. Es ist wichtig, dass sie erhalten bleiben.“