Berliner Gründer sind findig, so wie Sebastian Marten (r.) und Carlo Schmid, die Simson-Mopeds in ihrer Firma „Second Ride“ zu Elektrofahrzeugen umbauen. Start-ups benötigen aber häufig eine Anschubfinanzierung.
Berliner Gründer sind findig, so wie Sebastian Marten (r.) und Carlo Schmid, die Simson-Mopeds in ihrer Firma „Second Ride“ zu Elektrofahrzeugen umbauen. Start-ups benötigen aber häufig eine Anschubfinanzierung. Volkmar Otto

Investoren, die Geld in neue Unternehmen stecken, haben sich im Jahr 2022 deutlich zurückgehalten: Es flossen nur noch 4,9 Milliarden Euro Risiko-Kapital in sogenannte Start-ups, weniger als die Hälfte der Summe von 2021. Dennoch bleibt Berlin die Gründermetropole Deutschlands.

Bundesweit waren die Investitionen 2022 um 43 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro eingebrochen, ermittelte das Wirtschaftsprüfungsunternehmen EY. 2021 hatte allein Berliner Unternehmen 10,5 Milliarden Euro von Investoren eingeworben, die auf deren Erfolg und entsprechende Geldrückflüsse wetten. Deutschlandweit betrachtet war 2022 trotz allem das zweitbeste Jahr für Start-ups seit Erhebung der Daten.

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Steigende Zinsen und Russlands Krieg dämpften Anlagebereitschaft

Start-ups sind auf Investoren angewiesen, da sie anfangs keine Gewinne schreiben. Große Fonds und Konzerne stecken Geld in junge Firmen in der Hoffnung, dass sich deren Ideen durchsetzen. Angesichts steigender Zinsen sowie der Unsicherheit um den Ukraine-Krieg und die Konjunktur saß das Geld bei Investoren aber nicht mehr so locker.

Deutschlands Gründerszene muss sich auf härtere Zeiten einstellen, meint EY. „Angesichts steigender Kapitalkosten und sinkender Bewertungen achten Investoren mehr auf Rentabilität als auf langfristige Wachstumsversprechen“, sagte Partner Thomas Prüver. Start-ups müssten einen klaren Weg zu Profitabilität aufzeigen. Das es mit den Investitionen auch heftig schief gehen kann, zeigt der Fall des Lebensmittellieferanten „Gorillas“, der Unsummen Geld „verbrannte“ und von einem Konkurrenzunternehmen geschluckt wurde.

Die meisten Start-up-Finanzierungsverträge in Berlin

Die Start-ups in Berlin schlossen im vergangenen Jahr 390 entsprechende Finanzierungsverträge, 2021 waren es 503. Der Vorsprung zu Bayern (206) und Nordrhein-Westfalen (121) blieb deutlich.

Bundesweit berichtete EY am Mittwoch von 1008 geschlossenen Vereinbarungen, ein Minus von 13 Prozent. Von den zehn größten Finanzierungsrunden entfielen sechs auf Berlin. Das meiste Geld mit jeweils 399 Millionen Euro floss an die Berliner Versicherungsfirma „Wefox“ und das Münchner Software-Start-up „Celonis“.