In einem Klassenzimmer des John-Lennon-Gymnasiums in Prenzlauer Berg stehen die Stühle auf den Tischen.  Foto:  Annette Riedl/dpa

Viele der etwa 800 Berliner Schulen sind noch immer nicht mit Luftfiltergeräten ausgestattet. Mit den Geräten soll die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus gesenkt werden. Zwar hieß es bereits im November hieß es von der Senatsverwaltung für Bildung, die Beschaffung sei in vollem Gange. Laut Bildungsverwaltung stehen dafür insgesamt 4,5 Millionen Euro aus Landesmitteln zur Verfügung. Doch es geht deutlich langsamer voran als erwartet. Zudem zeigen sich massive Unterschiede zwischen den einzelnen Bezirken.

So teilte das Bezirksamt Spandau mit, es habe 82 Luftreinigungsgeräte für die Spandauer Schulen bestellt. Im Einsatz sind davon allerdings noch keine. „Die Auslieferung an die Schulen erfolgt nach jüngstem Kenntnisstand zwischen dem 20. und 25. Januar.“

Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf hat nach eigenen Angaben 96 Luftreinigungsgeräte bestellt. Bislang seien 65 ausgeliefert worden. „In der kommenden Woche wird dann auch die Auslieferung der restlichen Geräte erfolgen. Sobald die Luftreiniger vor Ort sind, können Sie auch eingesetzt werden“, so das Bezirksamt.

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Einen eigenen Weg geht Reinickendorf: Durch Eigeninitiative des Bezirks sei bereits eine Muster-Lüftungsanlage in der Carl-Bosch-Oberschule im Test-Einsatz, teilte das Bezirksamt mit. Es könnten künftig nach Angaben des Bezirks „weitere Räume damit ausgestattet werden, wenn der Betrieb positive Ergebnisse erzielt“. Weiterhin seien 75 Luftfiltergeräte bestellt worden. Sie sollen bis Ende Januar geliefert werden.

Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg gab es noch gar keine Bestellungen. Das Schul- und Sportamt habe über den Jahreswechsel alle Unterlagen für eine Ausschreibung vorbereitet und inzwischen Unternehmen zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Erst nach Prüfung der Angebote würden entsprechende Geräte bestellt. Die Anzahl der Geräte sei dabei abhängig von den Preisen der Bieter. Weiter hieß es: „Das Schul- und Sportamt hat keine Kenntnis davon, ob und wenn ja in welchen Schulen anderweitig - zum Beispiel auf Elterninitiative - beschaffte Geräte bereits im Einsatz sind.“

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Auch der Bezirk Mitte ist noch nicht weit gekommen: Bislang seien lediglich vereinzelt durch Fördervereine oder Elterninitiativen beschaffte Geräte im Einsatz, teilte das Bezirksamt mit. Ansonsten ist noch kein Gerät bestellt. Aktuell würden „eingereichte Angebote ausgewertet, um die Wertungsstufe abzuschließen“. Danach folge eine Zuschlagsempfehlung. „Die Rügefrist beträgt 2 Wochen, danach erfolgt die Auftragserteilung/Beauftragung zur Lieferung.“ Der Liefertermin hänge von der Lieferfrist des Auftragnehmers ab. Als spätester Termin sei in der Ausschreibung Anfang März genannt worden.

Friedrichshain-Kreuzberg hat nach Angaben des Bezirksamts eines der teuersten, aber nach Meinung der eigenen Fachleute das beste Gerät bestellt. Es sei außerdem sehr sicher, langlebig und vor allem leise. „Da das vom Senat zur Verfügung gestellte Mittelvolumen begrenzt ist, konnten wir zunächst nur 42 Geräte bestellen.“ Außerdem hätten alle Schulen eine Liste bekommen mit einer Übersicht über geeignete Geräte, weil mehrere Fördervereine der Schulen zusätzliche Bestellungen planten. Die ersten vier Geräte seien am Mittwoch geliefert worden, die weiteren Geräte würden in Kürze folgen.

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Das Bezirksamt Treptow-Köpenick teilte mit, es seien noch keine Geräte bestellt worden. Die Zuschlags- und Bindefrist musste nach Bezirksangaben wegen unzulänglicher Angebote verlängert werden. Der Bezirk Lichtenberg hat nach Angaben des Bezirksamts 77 Geräte bestellt, die in mehreren Lieferungen bis Mitte Februar eintreffen sollen.

Im Bezirk Pankow sind bereits an 18 von 68 Pankower Schulen die vom Bezirksamt beschafften Luftfiltergeräte angeliefert worden. Insgesamt hat der Bezirk 115 Geräte bestellt. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat 70 Geräte bestellt, die für Anfang Februar erwartet werden.

Ob die Anschaffung von Luftfiltergeräten überhaupt ratsam ist, gilt als umstritten. Eine Untersuchung ergab, dass Stoßlüften deutlich wirksamer sei. Die Forscher der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) hatten dafür in einem nicht genutzten Klassenzimmer die Wirkung auf Aerosole ermittelt. Dabei zeigte sich nach Angaben der Hochschule, dass die Stoßöffnung aller Fenster über drei Minuten bei Außentemperaturen von 7 bis 11 Grad Celsius die eingebrachte Konzentration an Aerosolen bis zu 99,8 Prozent gesenkt habe. Dagegen sei in dem Raum beim Einsatz von vier mobilen Luftfiltergeräten nach etwa 30 Minuten eine um 90 Prozent verringerte Konzentration gemessen worden.