Künftig sollen zwei Millionen Haushalte mit 4,5 Millionen Menschen Wohngeld erhalten. Doch die Bearbeitung der Anträge dauert Monate.
Künftig sollen zwei Millionen Haushalte mit 4,5 Millionen Menschen Wohngeld erhalten. Doch die Bearbeitung der Anträge dauert Monate. dpa/Michel

In Zeiten von Inflation und extrem steigender Energiepreise ist das eigentlich eine gute Nachricht: Rund 1,4 Millionen weitere Haushalte in Deutschland haben ab Januar Anspruch auf Wohngeld. Doch wie so oft wird vielen die extrem langsame Bürokratie einen Strich durch die Rechnung machen. Jedenfalls denen, die darauf hoffen und darauf angewiesen sind, das dringend benötigte Geld auch zeitnah zu bekommen. Schon jetzt warten Antragsteller in Berlin bis zu 22 Wochen auf die Bearbeitung eines Wohngeldantrages.

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Der Bundesrat hat am Freitag der Reform zugestimmt. Demnach könnten im nächsten Jahr zusätzlich zu den bisher 600.000 Haushalten bundesweit bis zu 1,4 Millionen weitere Anspruch auf einen staatlichen Zuschuss zur Miete bekommen. Rund 4,5 Miolionen Bürger werden von den Zahlungen profitieren. Wohngeld können Haushalte beantragen, die zwar keine Sozialleistungen beziehen, trotzdem aber wenig Geld haben.

Aber: Bereits am Freitag im Bundesrat hatten Ländervertreter deutlich gemacht, die Auszahlung werde dauern. Länder und Kommunen erwarten monatelange Verzögerungen. Grund: der Personalmangel in den zuständigen Behörden.

Wohngeld: In Berlin dauert die Bearbeitung eines Antrages im Schnitt zweieinhalb Monate (10 Wochen)

„Es ist unwahrscheinlich, dass die vielen unterschiedlichen Entlastungsmaßnahmen der Regierung von der Verwaltung sauber exekutiert werden können“, sagt der Vorsitzende des Normenkontrollrats, Lutz Goebel. „Jeder wird irgendwann sein Geld bekommen, aber es wird Zeit kosten und es werden Fehler passieren“, warnt der Vorsitzende des Expertengremiums, das die Bundesregierung bei Bürokratieabbau und Rechtsetzung berät.

Goebel sagt, nun räche sich, dass man die Digitalisierung der Verwaltung „schlicht versemmelt“ habe. Das System sei zu komplex, um einfach und schnell auszahlen zu können. Es gebe zu viele unterschiedliche Auszahlungswege von zu vielen unterschiedlichen Ämtern. Alle redeten von Bürokratieabbau. „Aber wenn es ans Eingemachte geht, stehen sich Bund, Länder und Kommunen gegenseitig im Weg.“

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Das Problem: Schon bisher dauert die Bearbeitungszeit eines Wohngeldantrages viel zu lang. Was soll erst passieren, wenn sich die Zahl der Anträge mehr als verdoppelt? In Berlin zum Beispiel dauert die Bearbeitung im Schnitt zweieinhalb Monate (10 Wochen). Das geht aus einer Kleinen Anfrage des CDU-Abgeordneten Alexander J. Herrmann hervor. Lahmster Bezirk: Neukölln mit 22 (!) Wochen.

Die Gropiusstadt: In Neukölln dauert die Bearbeitung der Wohngeldanträge am längsten.
Die Gropiusstadt: In Neukölln dauert die Bearbeitung der Wohngeldanträge am längsten. Imago/Schöning

Am schnellsten werden die Anträge in Reinickendorf (fünf Wochen), Treptow-Köpenick und Tempelhof-Schöneberg (jeweils sechs Wochen), in Spandau und Pankow (jeweils sieben Wochen) bearbeitet.

In Berlin fehlen Fachkräfte und Räume für die Mitarbeiter

Dabei hat die Zahl der Wohngeld-Anträge oft nicht mit der Dauer der Bearbeitung zu tun: Während bis Oktober 2022 in Pankow 5896 Anträge bearbeitet wurden, waren es in Neukölln nur 4784. Die meisten Wohngeldanträge wurden in Marzahn-Hellersdorf (6479) gestellt, die wenigsten in Steglitz-Zehlendorf (3118).

Jetzt werden in Berlin Kollegen für die Bearbeitung der Wohngeldanträge gesucht. Nicht nur Fachkräfte fehlen, sondern auch Räume. „Wir werden kurzfristig zusätzliche Räume anmieten müssen“, sagte Rona Tietje, Pankows Stadträtin für Stadtentwicklung und Bürgerdienste, dem Tagesspiegel.

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Deutschlandweit wird erwartet, dass die durchschnittliche Leistung im Schnitt von rund 180 Euro pro Monat auf 370 Euro steigen wird. In Berlin sind die Zahlen ähnlich. Im Schnitt werden hier 185 Euro gezahlt. In Friedrichshain-Kreuzberg sind es 210 Euro, in Spandau 205 Euro, am wenigsten gibt es Lichtenberg (162 Euro). Insgesamt wurden in Berlin bisher 55,6 Mio. Euro (für 2021) benötigt, um alle Wohngeldberechtigten auszuzahlen. Auch diese Summe wird natürlich steigen.