Berlins Polizisten haben großen Respekt vor den Nebenwirkungen einer Impfung. Das verstehen nicht alle.  Foto: imago images/Andreas Gora

Nachdem Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Dienstag die Möglichkeit begrüßten, dass die Berliner Polizisten bei den Impfungen vorgezogen werden, wird die Nachricht in der Behörde nicht überall positiv aufgenommen. Grund dafür sei vor allem der zur Verfügung gestellte Impfstoff von Astrazeneca.

Nach Informationen dieser Zeitung  haben sich Polizisten in internen Chats über ihre Bedenken zu dem Vorhaben der Politik ausgetauscht. Dabei geht es auch um Nebenwirkungen wie Schüttelfrost oder Ermüdung sowie natürlich den Schutz gegen das Coronavirus.

Bedenken gegen Impfstoff ernst nehmen

Insbesondere der Berufsverband „Unabhängige in der Polizei e.V.“ kritisierte am Dienstag die von der Gesundheitsverwaltung angekündigten 24.000 Impfdosen von Astrazeneca, die in der Behörde die Erst- und Zweitimpfungen sicherstellen sollen. Die Unabhängigen mahnen demnach, Bedenken gegen den Impfstoff ernst zu nehmen.

„Daneben müssen mit der dienstlichen Impfung verbundene Risiken durch den Dienstherrn abgesichert werden. Im Gegensatz zu den anderen Impfstoffen mit einer Wirksamkeit von über 90 Prozent wird die Wirksamkeit des Covid-19-Vakzins Astrazeneca in der Fachinformation der Europäischen Arzneimittelagentur EMA lediglich mit 60 Prozent beschrieben“, erklärte Jörn Badendick, Sprecher des Berufsverbandes.

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Badendick bekräftigte, dass ein „zweitklassiger Impfstoff“ verabreicht werden solle, der vermutlich in der Belegschaft auf keine große Akzeptanz stoßen werde. Ungeklärt sei zudem, inwiefern geimpfte Polizisten dann trotzdem noch als Überträger des Virus in Frage kämen. „Zum Impfstoff liegen keine Langzeitstudien vor, auch am Zulassungsverfahren gab es nicht von der Hand zu weisende Kritik. An der Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen darf nicht gespart werden.“

Besonders kritisch werte der Polizeiberufsverband das ungeklärte Haftungsrisiko, falls die Impfung Erkrankungen oder Folgeschäden hervorrufen sollte. „Der Dienstherr verweist auf den Hersteller, der sich wiederum auf eine Regelungslücke im Gesetz berufen kann. Auffällig ist auch, dass die dienstliche Impfung auf freiwilliger Basis durchgeführt wird, so dass der Mitarbeiter Gefahr läuft, im Schadensfall allein gelassen zu werden“, sagte Badendick. Er kündigte an, bei dem Thema im Gesamtpersonalrat intervenieren zu wollen.

GdP: Wirksamkeit müssen Ärzte beurteilen

Der Berliner Landesbezirk der Gewerkschaft der Polizei (GdP) bestätigte, dass in den letzten Tagen innerhalb der Polizeibehörde Unsicherheit bezüglich des Impfstoffs von Astrazeneca entstanden sei. „Wir können und werden die Wirksamkeit nicht beurteilen, das müssen Virologen und Ärzte tun. Insofern nehmen wir Innensenator und Polizeipräsidentin beim Wort, dass jeder für sich freiwillig entscheiden kann, ob er das Angebot wahrnimmt oder darauf hofft, später bei einem anderen Impfstoff berücksichtigt zu werden“, erklärte der Berliner GdP-Landeschefs Norbert Cioma.

Impfangebote für Polizisten

Die GdP hatte bereits in der Vergangenheit dafür plädiert, der Polizei ein eigenes Impfkontingent zur Verfügung zu stellen. Deshalb begrüße Cioma die Entscheidung der Politik. Die Senatsinnenverwaltung hatte am Dienstag mitgeteilt, dass die Coronavirus-Impfverordnung die priorisierten Impfangebote für Polizisten ermögliche, da jene einem verstärkten Infektionsrisiko durch eine hohe Zahl von Bürgerkontakten ausgesetzt seien. Die Impfcodes werden für Termine im Impfzentrum Flughafen Tegel zur Verfügung stehen.

Nach Angaben der GdP sind aktuell 44 Polizistinnen und Polizisten Corona-positiv. 110 weitere Beamte befinden sich in Quarantäne.