Was Lehrer an unsichtbaren Tattoos auf der Haut haben, geht den Dienstherren nichts an. dpa/Heiko Wolfram

Sternchen auf der Wade, Anker auf dem Bizeps. Angehende Lehrer sollten vor ihrer Verbeamtung in Berlin einen Fragebogen ausfüllen, auf dem sie Angaben zu Position, Größe und persönlicher Bedeutung ihrer Tätowierungen machen sollten. Bilder im Intimbereich inklusive.

Auch wurden Fotos aller Tattoos verlangt, ein Amtsarzt würde gegebenenfalls noch einmal prüfen, so das Schreiben, das an die Referendare rausging. Hintergrund: Berlin will keine Lehrer verbeamten, die rechtsextreme, demokratiefeindliche oder gewaltverherrlichende „Kunst“ am Körper tragen. Aber auch alle anderen sollten den Tiger auf dem Po oder den Schlumpf auf dem großen Zeh offenlegen und zum Tattoo-Check antreten.

Dagegen lief die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Sturm und kritisierte den Fragebogen als rechtswidrigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Jetzt ruderte Schulsenatorin Astrid-Sabine Busse zurück und kassierte das Schreiben an die Neulehrer.

Tattoo-Fragebogen für Berliner Lehrer zurückgezogen

Ein entsprechender Fragebogen, in dem solche Daten erhoben wurden, komme nicht mehr zum Einsatz, teilte die Bildungssenatorin mit. „Das Schreiben aus meinem Haus war in seiner inhaltlichen Ausgestaltung deutlich zu weitgehend. Deshalb habe ich es auch sofort gestoppt.“

„Als angehende Lehrerin hätte ich mich über solch ein Schreiben ebenfalls mehr als gewundert“, gab die Senatorin weiter zu. Ziel sei es, möglichst viele qualifizierte Lehrkräfte für Berlin zu gewinnen“, sagte Busse. „Da sind solche in die Privatsphäre eingreifenden Schreiben nicht förderlich, selbst wenn in Deutschland andere Behörden das so handhaben.“ Grundlage für das Schreiben waren ähnliche Formularentwürfe der Bundespolizei und anderer Landesministerien gewesen.

Berlin braucht keine rechtsextremen und gewaltverherrlichenden Lehrer

„Prinzipiell wollen wir natürlich keine Lehrkräfte verbeamten, die rechtsextremistische oder gewaltverherrlichende Tattoos tragen“, betonte die Senatorin. „Und wir sind wie andere Bundesländer gehalten, einen Weg zu finden, das sicherzustellen. Wir überarbeiten das Verfahren jetzt zügig.“

Astrid-Sabine Busse (SPD), Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, spricht in der Plenarsitzung im Berliner Abgeordnetenhaus zur Fragestunde. dpa/Annette Riedl

Es sei dabei an einem Fall aus dem Jahr 2019 erinnert, bei dem in Brandenburg im Schwimmbad ein Lehrer mit einem Tattoo unter anderem mit Wahlspruch der SS aufgefallen war. Der Hennigsdorfer Quereinsteiger musste seinen Hut nehmen.

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Markus Hanisch, Geschäftsführer der Berliner GEW, begrüßt den Rückzug. Die Gesinnung von Lehrern erkenne man besser an ihrem Verhalten im Unterricht und darüber hinaus. Selbstverständlich müsse man aktiv werden, sollten menschenverachtende Äußerungen vorkommen, sagte er dem KURIER. Hanisch brachte in dem Zusammenhang unabhängige Beschwerdestellen für Schüler ins Gespräch, hier könnten außerhalb der Hierarchien der Bildungsverwaltung Missstände angesprochen werden.