Dieses Foto mit Mundschutz veröffentlichte Böhmer zu ihrem Wut-Post auf Facebook. Foto: Facebook

Berlin - Sie arbeiten Tag und Nacht – und kümmern sich um die Menschen, die medizinisch behandelt werden müssen, ob mit Corona oder ohne: Jene Berliner, die in den Kliniken der Stadt arbeiten. Allabendlich wird für sie applaudiert, ein symbolisches Dankeschön. Jetzt meldet sich eine Krankenschwester auf Facebook – mit einem wütenden Appell: „Euer Klatschen könnt ihr euch sonst wohin schieben!“

Sie arbeitet in einem Bereich, der viel zu spät Anerkennung erfährt

Es ist der laute Protest einer jungen Frau, die in einem Bereich arbeitet, der zu Corona-Zeiten am wichtigsten scheint, der aber viel zu spät Anerkennung erfährt – und der jeden Tag mit neuen Hürden konfrontiert wird. Nina Böhmer arbeitet als Krankenpflegerin in einer Berliner Klinik, geht in ihrem wütenden Facebook-Post nun in die Offensive. „Erst sollen wir einen Mundschutz und Schutzkittel für mehrere Patienten benutzen“, schreibt sie. „Wir sollen weiter arbeiten, wenn wir Kontakt zu einem Covid-19-Patienten hatten. Dann werden Personaluntergrenzen ausgesetzt, für die lange gekämpft wurde. Das heißt: Scheiß egal, es könnte eine Pflegekraft 50 Patienten betreuen.“

Zudem lockerte das Robert-Koch-Institut erst diese Woche die Quarantäne-Regeln für das Pflegepersonal. „Medizinisches Personal muss künftig nach engem ungeschützten Kontakt zu Covid-19-Erkrankten nicht mehr so lange in Quarantäne und darf bei dringendem Bedarf in Klinik oder Praxis arbeiten, solange keine Symptome auftreten“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Heißt: Während andere in Quarantäne bleiben, sollen Pflegerinnen und Pfleger ran, sagen die Experten. „Diejenigen, die hier empfehlen, dass am besten Alle zu Hause bleiben sollen wegen des gefährlichen Virus! Schämt euch, diejenigen, die das RKI hoch in den Himmel heben“, so Böhmer.

Alle bedanken sich, doch niemand kämpft für bessere Bedingungen

Sollten angebliche Helden so behandelt werden? Nein, findet die Krankenschwester. „In einem Beruf, der jahrelang unterbezahlt ist ... wo alle am Limit arbeiten ... wir sollen jetzt die Helden sein und werden so behandelt? Eigentlich sollten genau jetzt alle Pflegekräfte ihren Job kündigen“, schreibt sie in ihrem Wut-Post. „Ich bin richtig doll traurig und enttäuscht, ich fühle mich verarscht und ich kann es nicht fassen.“ Sie sei ernsthaft sprachlos. „Und euer Klatschen könnt ihr euch sonst wo hinstecken ehrlich gesagt ...Tut mir leid es so zu sagen aber wenn ihr helfen wollt oder zeigen wollt, wie viel wir Wert sind, dann helft uns, für bessere Bedingungen zu kämpfen!“

In einem Interview mit der „Zeit“ bringt die Berlinerin ihre Gedanken auf den Punkt. Bis vor Kurzem sei sie unsichtbar gewesen, kaum jemand habe über ihren Beruf gesprochen. „Jetzt in der Krise sagen plötzlich alle uns Pflegefachkräften Danke. Endlich werden wir gesehen, werden sogar als systemrelevant bezeichnet. Und doch fühle ich mich alleingelassen. Kaufen kann ich mir von all dem nichts.“ Ihr Post verbreitete sich im Netz rasant, zahlreiche Nutzer kommentierten die Wut-Rede. „Du hast so Recht... es ist Zeit, etwas zu ändern und diese Änderungen sind längst überfällig! Ihr seid die, die alles am Laufen halten“, schreibt eine Frau auf Facebook. Eine andere: „Nina du machst nen super Job! Danke, dass du das machst! Ich bleib für dich zu Hause!“