Von außen ist das Restaurant ganz unscheinbar: Billy Wagner in der Tür vom Nobelhart & Schmutzig.
Von außen ist das Restaurant ganz unscheinbar: Billy Wagner in der Tür vom Nobelhart & Schmutzig. Ewelina Bialoszewska

Tim Raue ist nicht mehr die Koch-Nummer-eins in Berlin: Im neuen Ranking „The World’s 50 Best Restaurants“ wird sein Restaurant vom kulinarischen Hipster-Treff Nobelhart & Schmutzig überholt. Aber kein Grund zur Trauer: Beide Restaurants verbessern sich in der renommierten Rangliste, klettern weiter Richtung Spitze. Das beste Restaurant der Welt findet sich übrigens in Kopenhagen.

Die beiden besten Berliner Lokalitäten sind fast Nachbarn. Nur 220 Meter liegen zwischen den Restaurants Tim Raue (Rudi-Dutschke-Straße 26) und Nobelhart & Schmutzig (Friedrichstraße 218) in Berlin-Kreuzberg. Kulinarisch ist die Entfernung größer: Während die Küche von Tim Raue asiatisch beeinflusst ist, haben sich Küchenchef Micha Schäfer und Patron und Sommelier Billy Wagner vom Nobelhart & Schmutzig das Motto „brutal lokal“ auf die Fahnen geschrieben. „Unser brutal lokales Konzept zeigt, dass gute Küche unabhängig von klassischen Luxusprodukten wie Stopfleber, Hummer oder Rinderfilet funktioniert“, heißt es auf der Internetseite.

Das Nobelhart & Schmutzig springt auf Platz 17 der Rangliste

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Beide Konzepte kommen an. Tim Raue verbessert sich in der Rangliste der 50 besten Restaurants der Welt von Platz 31 auf 26, das Nobelhart & Schmutzig (war im letzten Jahr Neueinsteiger in der Liste) springt sogar von 45 auf Platz 17.

Ein Blick in die Küche des Restaurants Tim Raue in der Rudi-Dutschke-Straße
Ein Blick in die Küche des Restaurants Tim Raue in der Rudi-Dutschke-Straße Imago/Eventpress

Wie im Berghain darf auch im Nobelhart, das von außen ganz unscheinbar aussieht, nicht fotografiert werden. „The World’s 50 Best Restaurants“ lobt, dass sich das Nobelhart & Schmutzig leidenschaftlich für die Menschen einsetzt, die hinter seinen Lebensmitteln stehen, es die Namen der Erzeuger bei jedem Menüpunkt auflistet, sodass der Fokus vom Koch auf den Landwirt gerichtet ist. „Hier gibt es keine Gänsestopfleber, sondern einheimisches Huhn mit Majoran, Rote Bete mit Holunder und Doppelrahm oder Knollensellerie mit Johannisbeerholzöl.“

Tim Raue verzichtet auf raffinierten Zucker, Milchprodukte und Gluten

Tim Raue ist schon eine Institution in Berlin. 2012 wurden ihm und seinem Restaurant vom Guide Michelin zwei Sterne verliehen (das Nobelhart hat nur einen). Raue setzt sich seit Langem für Gerichte ein, die dem Körper Energie zuführen, anstatt ihn zu belasten, steht in der Bewertung von „The World’s 50 Best Restaurants“. Er „verzichtet daher auf Zusätze wie Brot, Nudeln oder Reis. Auch raffinierter Zucker, Milchprodukte und Gluten sind nicht enthalten.“ Zu Raues Klassikern gehören seine Interpretation von Peking-Ente und Wasabi-Langustine. Auf der aktuellen Speisekarte stehen Zander Sangohachi, Gochujang-Wagyu-Rindfleisch mit rotem Paprika und Seebrasse mit Beurre blanc und Brunnenkresse.

Schon seit vielen Jahren ein Star der Berliner Küche: Tim Raue.
Schon seit vielen Jahren ein Star der Berliner Küche: Tim Raue. Benjamin Pritzkuleit

Brutal lokal kommt aber nicht nur in Berlin an. Auf Platz zwei der weltweiten Rangliste rangiert jetzt ein Lokal, das diesen weltweiten Trend auslöste – das Central aus Lima. Hier kommt nichts auf die Karte, was nicht aus Peru stammt. Besonderer Clou: Auf der Karte wird bei jedem Gericht angegeben, aus welcher Höhe der Hauptbestandteil des Gangs stammt. Von ein paar Metern unter dem Meeresspiegel bis in die Höhen der Anden.

Die Nummer eins kommt aus Kopenhagen, die Nummer zwei aus Lima in Peru

Die Nummer eins der Welt liegt wieder mal in Kopenhagen. Das Restaurant Geranium in der dänischen Hauptstadt ist von Fachleuten zum besten Restaurant der Welt 2022 gewählt worden. Der von Sternekoch Rasmus Kofoed geführte Gourmet-Tempel landete in dem am Montagabend in London vorgestellten Ranking „The World’s 50 Best Restaurants“ an der Spitze.

In der Rangliste folgen dann nach dem Central in Lima das Disfrutar in Barcelona und das Diverxo in Madrid – also zwei Restaurants aus Spanien.

Schon im vergangenen Jahr hatte mit dem legendären Noma ein dänisches Restaurant das Ranking angeführt. Das Geranium war da noch auf dem zweiten Platz gelandet. 2016 war das von der Natur inspirierte Restaurant als erstes dänisches Restaurant mit drei Sternen des französischen Gastronomieführers Michelin ausgezeichnet worden.

Für die Liste der 50 besten Restaurants der Welt geben 1080 Fachleute ihre Einschätzungen ab, unter ihnen Köche, Restaurantbesitzer und Journalisten. Kritik kommt häufig aus Frankreich, wo sich Spitzenköche von der Rangliste immer wieder übergangen fühlen.

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Auch im diesjährigen Ranking schneiden Restaurants aus der Gastronomie-Nation nicht gerade herausragend ab: In die Top 50 schaffen es nur drei französische Restaurants, allesamt aus Paris: das Septime auf Platz 22, das Le Clarence auf Platz 28 und das Arpège auf Platz 31.