Dirk Doberenz (55) in seiner derzeit geschlossenen Fahrschule. 


Foto:  Thomas Uhlemann 

Corona ist wie eine ruckelige Fahrschulfahrt. Stop and go, und manchmal geht das Schicksal so richtig in die Eisen. Notbremsung.  Seit zwei Monaten ist Dirks Fahrschule in der Gothaer Straße in Hellersdorf ohne Einnahmen. Dennoch versucht der 55-Jährige weiter seine Rechnungen zu begleichen, den geplanten Ruhestand wird er dafür um mindestens zwei, drei Jahre verschieben müssen, das ist schon jetzt klar.

Das Schild ist noch immer das gleiche. Seit Jahrzehnten betreibt Dirk Doberenz eine Fahrschule in Hellersdorf. Lange kann er den Stillstand nicht mehr aushalten. 

Foto: Thomas Uhlemann 

„Nach dem Ende des Lockdowns fange ich wieder bei null an“, sagt Dirk Doberenz in seinem Büro. Dabei hat er ja Verständnis dafür, dass man im Auto einen Mindestabstand nie und nimmer einhalten kann. Dass die Fahrschulen in Berlin geschlossen sind, hält er für die richtige Entscheidung. „Ein Fahrlehrer kommt in der Woche auf 25 bis 30 unterschiedliche Schüler und damit Kontakte“, sagt er. Logisch, dass man die in einer solchen Ausnahmesituation vermeiden muss. Nur nicht in Brandenburg.

Denn im Nachbarland  läuft der Betrieb weiter wie bisher. Ein paar Hundert Meter weiter, in Eiche, drehen die Fahrschüler ohne Einschränkungen ihre Runden. „Das wird den Betrieben in Reinickendorf, in Spandau, Ahrensfelde und Treptow auch so gehen“, glaubt Dirk Doberenz. Ein klarer Wettbewerbsnachteil für Randberliner.  Auch, dass in anderen Bundesländern der Online-Unterricht erlaubt ist und in Berlin nicht, leuchtet ihm nicht ein. „Ungleichheit fördert Unmut“, sagt Doberenz und hofft, dass er spätestens im März wieder Gas geben kann.

Corona  provoziert Ungerechtigkeit 

Ungerechtigkeit, die wurmt Dirk Doberenz wirklich:  Warum soll ein Polizist in Ausbildung wichtiger sein als die Pflegerin in der mobilen Krankenpflege? Der eine darf mit Sondergenehmigung in Berlin seinen Führerschein machen, die andere nicht. 

„Das ist ein bisschen wie früher: Alle sind gleich, aber ein paar sind gleicher“, sagt er und kommt dann doch noch einmal auf eine Krise der ganz anderen Art zu sprechen. Apropos früher: Der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow war im März 1998 zu Besuch in Hellersdorf und schaute sich an, wie man Plattenbauten sanieren kann. Damals wie heute Mangelware: öffentliche Toiletten. Gorbi ließ seine Bodyguards bei Dirks Fahrschule anfragen.  Eine Mitarbeiterin rief Doberenz, der gerade in seiner zweiten Filiale am Hackeschen Markt war, an: „Dirk, Dirk, Gorbi ist gerade bei uns auf Toilette!“

Michail Gorbatschow erleichtert auf dem Weg ins Plattenbauviertel in Hellersdorf.  Foto: Thomas Uhlemann

Ein erleichterter Gorbatschow danke mit Signet auf der Raufasertapete, es war der 2. März 1989, Gorbatschows 67. Geburtstag. Bis zum Umzug aus dem mittlerweile abgerissenen Konsumwürfel hütete Doberenz die Unterschrift an der Wand. Heute können die  jungen Fahrschüler mit Gorbatschow wenig anfangen, sagt er. „Da muss es schon ein Influencer sein“, lacht der 55-Jährige. Egal, wenn sie nur bald wieder fahren dürften.