Foto: imago images/Gottfried Czepluch

Berlin reißt am dritten Tag in Folge mit dem Reproduktionsfaktor den vom Senat festgelegten Grenzwert von 1,20 - damit springt die Infektionsampel des Senats für einen von drei Indikatoren erstmals auf Rot. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) teilte im Gesundheitsausschuss am Montagmorgen mit, dass der Reproduktionsfaktor laut jüngster Meldung des Robert Koch-Instituts bei 1,37 liege. An den Tagen zuvor lag er laut Gesundheitsverwaltung vom Sonntagabend bei 1,23 und 1,22.

Der Reproduktionsfaktor gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Der Senat hat Grenzen bei 1,1 (gelbe Ampel) und 1,2 (rote Ampel) gesetzt. Diese Werte bedeuten, dass jeder Infizierte im Schnitt etwas mehr als eine Person ansteckt.

Gesundheitssenatorin Kalayci sagte, der aktuelle Reproduktionswert von 1,37 sei auch im Bundesländer-Vergleich zurzeit der Spitzenwert. Der Reproduktionsfaktor zeige den Trend der Neuinfektionen - liege der Wert unter 1 sinke ihre Zahl, sei er gleich 1 bliebe sei gleich, übersteigt er 1 auf Dauer sei ein exponentielles Infektionsgeschehen möglich.

Der Senat beobachte nun genau, ob der Reproduktionswert "schwankt oder sich verfestigt". Der Reproduktionsfaktor könne schwanken, wenn die Zahl der Neuinfektionen gering sei. Zudem beziehe sich die aktuelle Berechnung des Reproduktionsfaktors auf das Infektionsgeschehen vor Tagen, die Gesundheitssenatorin sprach von einem "Stichtag 20.05.". Die Zahl der Neuinfektionen sei in Berlin seitdem rückläufig gewesen. Es sei eine "kluge Entscheidung" gewesen, nicht nur auf den R-Wert, sondern mehrere Indikatoren in die Infektionsampel einfließen zu lassen so Kalayci.

Der Senat entscheidet nach der Infektionsampel, wann in Berlin wieder Beschränkungen des öffentlichen Lebens vorgenommen werden müssen. Neben dem Reproduktionsfaktor fließen zwei weitere Indikatoren in die Bewertung ein: die Auslastung der Intensivbetten und die Zahl der Neuinfektionen. Diese beiden Indikatoren stehen laut Kalayci vom Montag und laut Gesundheitsverwaltung vom Sonntagabend im Ampelsystem weiterhin auf Grün: Die Zahl der Neuinfektionen liege bei fünf pro 100.000 Einwohnern pro Woche – auf Gelb springt die Ampel erst bei 20. Der Anteil der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen betrage 4,7 Prozent – auf Gelb springt die Ampel bei diesem Indikator erst ab 15 Prozent Belegung mit Covid-Patienten.

Spätestens wenn zwei Indikatoren auf Rot stehen, erfolgen laut Senat Maßnahmen: Nach Angaben des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) werden dann geplante Lockerungen verschoben oder sogar neue Beschränkungen angeordnet.

In Kürze mehr.