Am Dienstag wurde der Prozess gegen die sechs Mitglieder der Berliner Clanfamilie Remmo fortgesetzt.
Am Dienstag wurde der Prozess gegen die sechs Mitglieder der Berliner Clanfamilie Remmo fortgesetzt. AFP/Schlüter

Ein Großteil der aus dem Grünen Gewölbe in Dresden gestohlenen Juwelen ist wieder da. Kurz vor Weihnachten tauchten sie in Berlin auf. Der Rückgabe lag offenbar ein Deal zwischen den Dieben und der Justiz zugrunde. Mit Spannung wurde daher der nächste Verhandlungstag im Prozess gegen die mutmaßlichen Kunstdiebe am Landgericht Dresden erwartet. Nach fast einem Jahr Prozess zeigen sich jetzt einige mutmaßliche Juwelendiebe des Grünen Gewölbes kooperationsbereit. Noch vorhandene Beutestücke wurden schon zurückgegeben – für einen Strafrabatt müssen sie ihr Schweigen zu dem Coup brechen. 

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Nach der Rückgabe von Beutestücken im Prozess um den Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe Dresden zeichnet sich am Landgericht eine Wende ab. Vier der sechs Angeklagten haben im Zuge von Sondierungsgesprächen Geständnisse avisiert, wie der Vorsitzende Richter Andreas Ziegel am Dienstag sagte. Die Initiative ging demnach vom ältesten Beschuldigten aus.

Juwelen-Diebstahl: Vier Angeklagte wollen auspacken, zwei schweigen noch

Der 29-Jährige habe darauf hingewirkt, dass die noch vorhandenen Beutestücke zurückgegeben werden, berichtete Ziegel zu Beginn des Verhandlungstages über die Treffen mit Staatsanwälten und der Kammer. Das am 17. Dezember 2022 in der Berliner Kanzlei seines Verteidigers ausgebreitete Konvolut war jedoch weniger umfangreich als erwartet und mehrere Stücke unvollständig. Einige davon seien wegen unsachgemäßer Lagerung und Reinigungsversuchen zur Beseitigung von Spuren beschädigt.

Kurz vor Weihnachten suchten Dresdener Polizeitaucher im Berliner Schifffahrtskanal nach Beweisstücken im Fall des spektakulären Juwelendiebstahls aus dem Grünen Gewölbe in Dresden.
Kurz vor Weihnachten suchten Dresdener Polizeitaucher im Berliner Schifffahrtskanal nach Beweisstücken im Fall des spektakulären Juwelendiebstahls aus dem Grünen Gewölbe in Dresden. dpa/Gateau

Der in Aussicht stehende Strafrabatt wurde daraufhin nach oben korrigiert. Möglich sind nun bei einer Verständigung laut Ziegel eine Gesamtfreiheitsstrafe zwischen fünfeinhalb Jahren und sechseinhalb Jahren für die zur Tatzeit Erwachsenen sowie zwischen vier und viereinhalb Jahren für die damals Heranwachsenden, wenn Jugendstrafrecht zur Anwendung komme, sowie eine Haftverschonung nach Urteilsverkündung. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass sich die Angeklagten zu Planung, Vorbereitung und ihrer Beteiligung an dem Verbrechen erklären, das auch international Schlagzeilen machte.

Die Angeklagten, drei Brüder und deren Cousins, gehören zu der bekannten arabischstämmigen Berliner Großfamilie Remmo. Zwei von ihnen verbüßen derzeit ihre Jugendstrafe wegen des Goldmünze-Diebstahls aus dem Bode-Museum 2017 – der Juwelencoup fand in einer Pause des Prozesses dazu statt, als sie noch auf freiem Fuß waren.

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Ermittler der Dresdner Sonderkommission „Epaulette“ – benannt nach einem der prominenten Beutestücke – fuhren dann in der Nacht zum 17. Dezember 2022 nach Berlin. Die Stücke hätten auf einem Tisch im Konferenzraum der Kanzlei gelegen, einige seien nach seinem Empfinden beschädigt gewesen, erinnerte sich ein Kriminalbeamter, der als Zeuge dabei war.

Taucher suchten in Berlin nach der Klinge des Degens der Diamantrosengarnitur

Bei einer späteren molekulargenetischen Untersuchung habe man Mischspuren an dem Schmuck gefunden, die aber nicht den Beschuldigten zugeordnet werden konnten. Der Beamte erzählte auch, wonach die Polizeitaucher aus mehreren Bundesländern dann am 25. Dezember im Berliner Schifffahrtskanal im Stadtteil Neukölln vergeblich suchten: die Klinge des Degens der Diamantrosengarnitur.

Dessen diamantbesetzter Griff sei erheblich beschädigt, sagte Restauratorin Eve Begov von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Auch an anderen der wiedergewonnenen Pretiosen gebe es Deformierungen und Brüche, es seien Teile abgetrennt, fehlten Steine und befinde sich Feuchtigkeit und Rost zwischen Fassung und Steinen. Die Experten gehen davon aus, dass die Stücke nach dem Einbruch behandelt wurden.

Die Restaurierung kostet 126.800 Euro

Detailliert äußern wollte sich die Zeugin zur Bearbeitung der beschädigten Stücke nicht. Da gehe es um die Frage, wie weit man eine Restaurierung treiben wolle, das müsse im Team entschieden werden. Deformierungen werde man so rückgängig machen, dass die Stücke wieder präsentiert werden können. Eine genaue Schadensschätzung sei erst im Laufe der Arbeiten möglich. Der Aufwand zur Restaurierung der Stücke wurde nach Angaben von Begov mit 126.800 Euro beziffert. In dieser Summe seien aber nicht die fehlenden Steine enthalten.

Die Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste ist bis heute nicht aufgetaucht.
Die Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste ist bis heute nicht aufgetaucht. dpa/Polizeidirektion Dresden/Karpinski/Grünes Gewölbe

In dem seit Ende Januar 2022 laufenden Prozess sind junge Männer zwischen 23 und 29 Jahren aus einer bekannten arabischstämmigen Berliner Großfamilie wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung angeklagt. Zwei von ihnen verbüßen derzeit eine jeweils mehrjährige Jugendstrafe wegen des Diebstahls der Goldmünze aus dem Bode-Museum Berlin 2017.

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Bei dem spektakulären Kunstdiebstahl am 25. November 2019 in Dresden drangen zwei Täter über ein unbemerkt Tage zuvor präpariertes Fenster ins Residenzschloss ein, schlugen mit einer Axt Löcher in eine Vitrine und rissen heraus, was sie zu fassen bekamen. Sie zündeten zuvor unweit des Museums einen Stromkasten an - und in der Tiefgarage eines Wohnhauses ihr Fluchtauto, um Spuren zu verwischen.