Menschen stehen in Neukölln an, um sich auf das Coronavirus testen zu lassen. Foto: Imago-Images/Travel-Stock-Image/Juergen Held

„Zurück zur Vernunft – keine medizinisch unbegründeten Tests“ – das fordert die Ärztekammer Berlin. „Die allgemeine Konzentration auf Infektionszahlen, ohne Bezug zu den tatsächlichen Erkrankungsfällen, verunsichert die Bevölkerung und führt zu einer steigenden sowie ungerechtfertigten Inanspruchnahme von Testkapazitäten“, schreiben die Mediziner in einer Erklärung. Sie fordern, „die Testkapazitäten nur für sinnvolle, medizinisch begründete Fälle zu nutzen“.

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Hintergrund ist, dass sogenannte PCR-Tests der nationalen Teststrategie folgend in großem Umfang bei asymptomatischen Personen durchgeführt werden. Ziel ist es dabei, Quarantäne oder Reisebeschränkungen zu vermeiden. „Dies führt zu einer Fehlallokation knapper Ressourcen“, heißt es in der Erklärung, die aus einer Arbeitsgruppe des Ausschusses Versorgung der Ärztekammer Berlin hervorgegangen ist. „Die ambulante und stationäre Versorgung unserer Patientinnen und Patienten wird dadurch verschlechtert.“ Mit Fehlallokation ist eine falsche Verteilung der ohnehin knappen Ressourcen gemeint.

Viele Corona-Tests trotz knapper Ressourcen

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) könnten derzeit in Deutschland wöchentlich eineinhalb Millionen PCR-Tests zum Nachweis von Sars-CoV-2 durchgeführt werden. Im Oktober 2020 sei die nationale Teststrategie um den Einsatz von Antigentests erweitert worden. „Der wachsenden Anzahl an Testungen stehen knappe Ressourcen gegenüber, die viel Personal und Material binden sowie einer aufwändigen Logistik bedürfen“, erklären die Ärzte.

Sie sehen die gegenwärtige Teststrategie aus mehreren Gründen als falsch an. Das Testen von asymptomatischen Kontaktpersonen sei medizinisch nicht sinnvoll, wenn es sich nicht direkt um die Eindämmung lokaler Ausbrüche in Einrichtungen handle, heißt es in der Mitteilung. Ebenso verhalte es sich mit dem Testen asymptomatischer Reisender aus Risikogebieten. Es führe außerdem „bei negativem PCR-Ergebnis zu einem falschen Sicherheitsgefühl“. In diesen Fällen sollten sinnvollerweise Quarantänemaßnahmen bevorzugt werden.

„Ein Ausschluss der Infektiosität durch die aktuell angebotenen Antigenschnelltests ist nach gegenwärtiger Studienlage nicht mit ausreichender Sicherheit möglich“, heißt es weiter in der Erklärung. „Diese Tests sollten deshalb zum jetzigen Zeitpunkt nicht zum Schutz von Risikopatientinnen und -patienten eingesetzt werden.“

Ärztekammer fordert Anapassung der nationalen Teststrategie

Die Ärztekammer Berlin begrüßt die Anpassung der Testkriterien für die Herbst- und Wintersaison für das fall-basierte Testen durch das RKI. Zugleich empfiehlt sie eine Anpassung der nationalen Teststrategie für Sars-CoV- 2. Den Medizinern zufolge sollten Patienten mit Symptomen bei Verdacht auf Covid-19 einen PCR-Test erhalten. Personen ohne Symptome sollten nur noch in bestimmten Bereichen getestet werden. Und zwar systematisch und nach einheitlichem Konzept.

Getestet werden sollte Personal in ambulanten und stationären Einrichtungen, das in Bereichen mit besonders gefährdeten Patienten arbeitet, sowie Personal in Pflegeheimen, Pflegewohngemeinschaften und häuslicher Krankenpflege. Auch bei Neuaufnahmen Patienten in Krankenhäusern, stationären Pflegeinrichtungen und Rehabilitationskliniken sollten Tests stattfinden.