Nachtschwärmer vor einem Club in Friedrichshain. Nachtleben wie vor der Pandemie könnte bald wieder möglich sein, aber vielleicht nicht für alle. AFP/Stefanie Loos

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat bestätigt, dass in der Hauptstadt künftig wohl 2G-Corona-Regeln für bestimmte Bereiche gelten werden. Mit solchen Angeboten nur für Geimpfte und Genesene seien aber komplexe Fragen verbunden. Noch sei nichts entschieden, sagte der SPD-Politiker am Dienstag nach der Senatssitzung. Der Senat werde in der kommenden Woche möglicherweise abschließend beraten, „wie wir 2G- und 3G-Angebote machen können“.

Es ist ein dicker Brocken, den sich der Berliner Senat am Dienstag vorgenommen hatte: Wie kommen wir ohne neuen Lockdown durch den Herbst? Der Berliner Virologe Christian Drosten hatte die Annahme, wir bräuchten im Herbst keine neuen Einschränkungen, in der jüngsten Ausgabe des Podcasts Coronavirus-Update als „naiv“ bezeichnet: Dafür sei die bislang erreichte Impfquote viel zu niedrig. Auch sei die Zeit zu knapp, bisher versäumte Impfungen bis zum Herbst nachzuholen. Selbst ein Impfzwang würde nicht verhindern, dass es wieder Kontaktbeschränkungen geben müsse, und zwar für alle.

Doch die Politik wiederholt wenige Wochen vor den Bundestags- und Berliner Senatswahlen das Mantra: Einen neuen Lockdown wird es nicht geben. Damit dieses Versprechen nicht gebrochen wird, suchen Politiker nun nach Lösungen. In Berlin hatte es bereits einen ersten Vorstoß für die sogenannte 2G-Regel gegeben: Clubs konnten am Wochenende erstmals für Geimpfte und Genesene öffnen. Ein Test reichte nicht. Nur wenige Clubs wie das Watergate und der Kitkat Club beteiligten sich an dem Vorstoß. Andere benötigen mehr Zeit.

„2G-Optionsmodell für Berlin“

Das „2G-Optionsmodell für Berlin“ steht nun auf einem Eckpunktepapier des Berliner Senats, über das rbb24 jetzt berichtet. Den Autoren sind die Konsequenzen bewusst, die der Ausschluss von Ungeimpften bedeuten würde. Denn das sind ja nicht nur Impfmuffel, sondern auch Menschen, die sich nicht impfen lassen können. Menschen, bei denen medizinische Gründe gegen eine Impfung sprechen, sowie Kinder unter zwölf Jahren, für die Corona-Impfstoffe noch nicht zugelassen sind. Sollte man diese Menschen etwa aus Museen und Ausstellungen aussperren? Die Antwort lautet ganz klar: nein. 2G komme nur für private Veranstalter als Option infrage. Für öffentliche Veranstaltungen müsse auch 3G möglich sein. Dabei gelten wie bisher Abstandsregeln, Maskenpflicht und eine beschränkte Besucherzahl.

Das 2G-Modell könnte hingegen etwa für Restaurants, Friseure oder Konzertveranstalter gelten. So könnten in der Gastronomie Besucher enger zusammensitzen, Gäste ihr Bier wieder an der Theke trinken. Beim Friseur könnten Kunden dann wieder ohne Maske sitzen. Gerungen wird wohl noch um Lösungen, Ungeimpfte immerhin zeitweise bei dann verschärften Hygieneregeln zuzulassen.

Bald könnten wieder Großkonzerte in Berlin stattfinden

Auch Großkonzerte bis zu 25.000 Teilnehmern wären mit der 2G-Regel wieder so möglich, wie sie vor der Pandemie stattfanden. Für Club-Betreiber und Bars wäre 2G eine verlockende Option: Denn sowohl Sperrstunde als auch eine Beschränkung der Gästeanzahl würden wegfallen. Allerdings wollen sich manche Betreiber nicht dem Unmut Ungeimpfter aussetzen, die dann nicht hereindürfen. Deshalb hatten in Hamburg einige Clubs darauf verzichtet, die 2G-Regel anzuwenden.

Die Beratungen, so heißt es aus dem Senat, sind schwierig. Mit einer Entscheidung am Dienstag sei nicht zu rechnen. Sie könnte sich sogar bis in die kommende Woche hinziehen.