Die Zahlen fallen einfach nicht. Liegt es möglicherweise auch am weiter offenen Einzelhandel? Foto: imago images/Emmanuele Contini

Bayern verhängt Ausgangssperren, Sachsen stellt die Lockerung zu Weihnachten in Frage, das Saarland will schärfere Beschränkungen für Silvester, das Bundeskanzleramt mahnt ganz prinzipiell. Bundesweit steigen die Corona-Zahlen weiter, oder sie verharren auf einem hohen Niveau. Nun sollen nach Wunsch vieler Politiker aus unterschiedlichen Bundesländern noch in der nächsten Woche erneut die Regierungschefs mit der Bundeskanzlerin über strengere Maßnahmen sprechen. Auch ein Termin für diese Ministerpräsidentenkonferenz wurde bereits genannt: der 15. Dezember.

Doch sicher ist dieser Termin keineswegs. So versuchen zum Beispiel Berlin und Brandenburg, sich dem Druck zu entziehen. Am heutigen Dienstag treten die beiden Kabinette unabhängig voneinander zusammen. Beide wollten dabei natürlich – wie sollte es anders sein – auch über Corona reden. Doch eine Verschärfung steht in der Region zumindest unmittelbar nicht an.

Müller sieht keine Notwendigkeit, die Länderchefs zusammenzurufen

Und zumindest Berlins Regierungschef Müller, turnusgemäß Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, will seine Kollegen offenbar so bald nicht wiedersehen. „Ich halte es für nicht wirklich dringend nötig, kommende Woche zusammenzukommen“, sagte der Regierende Bürgermeister am Montag im Roten Rathaus. Schließlich habe man sich zuletzt dazu „verständigt, wonach Angela Merkel, Markus Söder und ich in Kontakt bleiben. Und das sollte weiterhin gelten“. Auch am Montag habe er wieder „viel telefoniert“.

Michael Müller (links) hält ein baldiges Treffen mit seinen Länderchef-Kollegen für nicht all zu nötig. Mit Angela Merkel und Markus Söder stehe er ohnehin in Kontakt. Foto dpa/Markus Schreiber

An seiner Haltung, so Müller, hätten diese Gespräche nichts geändert. Im Gegenteil: Wenn jetzt etwa Bayern seine Regeln verschärfen wolle, könne es dies auch auf bisheriger Grundlage tun, so Müller. „Diese Grundlage kann auch sehr gut für die nächste Zeit tragen.“

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Bei der Gelegenheit erinnert Müller gerne daran, dass es die Berliner Landesregierung unter seiner Führung war, die auf der geltenden Grundlage strengere Kontaktbeschränkungen (fünf Personen aus maximal zwei Haushalten) an den Feiertagen beschlossen hat als alle anderen Länderregierungen, bei denen über die Feiertage die Maximal-Zahl zehn gilt. Nun, so sagte Müller am Montagmorgen im Hörfunkprogramm Bayern 2 nicht ohne Genugtuung, „merke ich ja, dass sich viele dem Weg von Berlin anschließen und sagen: Wir können über Weihnachten und/oder Silvester doch nicht zehn Personen zulassen an Kontakten, weil das einfach zu viel ist. Auch zu viele Haushalte, wo dann doch wieder neue Infektionsketten entstehen.“

Müllers Zurückhaltung nährt sich unter anderem aus den aktuellen Zahlen. So meldete in Berlin die Senatsgesundheitsverwaltung eine 7-Tage-Inzidenz von 182,9 Positiv-Getesteten auf 100.000 Einwohner. Das sind 13 Prozent weniger als am Tag zuvor. Selbst die Bezirke Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg, vor wenigen Wochen noch bundesweit als Superspreader-Horte voller undisziplinierter Bewohner gebrandmarkt, haben sich bei 220,7 beziehungsweise 212,1 eingependelt.

Geradezu dramatisch lesen sich dagegen die Zahlen beim aktuellen bundesdeutschen Hotspot, dem beschaulichen Landkreis Regen in Niederbayern, für den das Robert-Koch-Institut eine Inzidenz von 567,1 Positiv-Getesteten auf 100.000 Einwohner zählt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es im Flächenland Bayern auch Landkreise mit deutlich niedrigeren Inzidenzen gibt. So hat die Großstadt Nürnberg einen Wert von 78,2.

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Auch im Land Brandenburg sind die Schwankungen stark. So ist der südöstliche Landkreis Oberspreewald-Lausitz (OSL) ein echter Hotspot (344,7), der westlich gelegene Kreis Potsdam-Mittelmark hat nur 89,5. Dennoch tendiert die Regierung in Potsdam nicht zu einer generellen Regelverschärfung. Stattdessen wurde nur in OSL die Maskenpflicht auf alle Schulen erweitert. Außerdem gelten Einschränkungen bei Besuchen in Pflegeheimen und ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit.

Dabei ist die Lage im Kreis ausgesprochen ernst. So bittet das Klinikum Niederlausitz in Senftenberg und Lauchhammer inzwischen um Unterstützung aus der Bevölkerung. Hintergrund ist massiver Personalmangel. Viele Mitarbeiter seien selbst an Covid-19 erkrankt, so dass mehr Pflegekräfte benötigt würden, erklärte das Klinikum.