Wohnungen im Falkenhagener Feld in Spandau. Hier besitzt die Deutsche Wohnen über ihre Tochter GSW viele Wohnungen.  Foto: Sabine Gudath

Unter den 20.000 Wohnungen, die Deutsche Wohnen und Vonovia dem Land Berlin im Zuge ihrer geplante Fusion verkaufen wollen, befinden sich offenbar auch asbestbelastete Immobilien. Das geht jedenfalls aus übereinstimmenden Aussagen mehrerer Politiker und Mietervertreter hervor. Während die Grünen am Mittwoch Aufklärung über das Ausmaß der Schadstoffbelastung verlangten, sicherte Bau-Staatssekretärin Wenke Christoph (Linke) im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses zu, dass eine mögliche Schadstoffbelastung bei der Kaufpreisermittlung berücksichtigt werde.

„Es kann nicht sein, dass das Land Berlin das alte Asbestproblem der Deutsche Wohnen löst und dies auch noch durch den Kaufpreis belohnt“, sagte die Grünen-Abgeordnete Katrin Schmidberger nach der Ausschussberatung. „Ich fordere Aufklärung vom Senat, wie viele der 20.000 Wohnungen asbestbelastet sind, wie hoch der jeweilige Sanierungsaufwand ist und inwiefern sich dies im Kaufpreis widerspiegelt“, so Schmidberger. Es handele sich ganz offensichtlich um „Problembestände“, sagte der AfD-Abgeordnete Harald Laatsch. Höchstpreise seien hier „ganz sicher nicht gerechtfertigt“. Staatssekretärin Christoph konnte zum Ausmaß der Schadstoffbelastung nichts sagen, erklärte aber, soweit eine Asbestbelastung bekannt sei oder in Erfahrung gebracht wird, werde dies in den Kaufverhandlungen eine Rolle spielen. Die Gespräche würden in dieser Woche beginnen.

Siedlungen in verschiedenen Bezirken

Um welche Wohnungen es geht, ist bisher öffentlich weitgehend unklar. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte in der vergangenen Woche bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Deutsche Wohnen und Vonovia als Beispiele nur von der Thermometersiedlung in Lichterfelde Süd und vom „Falkenhagener Kiez“ in Spandau gesprochen, also der Siedlung im Falkenhagener Feld. In einem Brief an SPD-Mitglieder erwähnten Müller und Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) zudem „die Bestände rund um das Kottbusser Tor, die High-Deck-Siedlung in Neukölln“ sowie den Ernst-Lemmer-Ring in Zehlendorf. Bau-Staatssekretärin Christoph bestätigte im Stadtentwicklungsausschuss, dass die Angaben korrekt seien, wollte darüber hinaus aber keine weiteren Standorte nennen.

Zumindest in der Spandauer Siedlung ist Asbest schon lange bekannt, weiß der Vorsitzende des Alternativen Mieter- und Verbraucherschutzbundes (AMV) Marcel Eupen. „Die Mieter im Falkenhagener Feld sind bereits 2013 darüber informiert worden, dass sich in ihren Wohnungen asbesthaltige Fußbodenbeläge befinden“, sagte er. „Einige der Wohnungen wurden zwar zwischenzeitlich asbestsaniert, doch dürfte es noch immer die ganz überwiegende Zahl der Wohnungen sein, die unsaniert sind“, so Eupen. „Erst im vorigen Monat wurde nach einem Wasserrohrbruch in einer Wohnung im Böhmerwaldweg eine solche Asbestbelastung festgestellt.“

Deutsche Wohnen steuert Löwenanteil zum Verkauf bei

Der Chef der Deutsche Wohnen Michael Zahn hatte am Dienstag auf der Hauptversammlung vor Aktionären erklärt, „wir verkaufen ausschließlich aus dem sogenannten nichtstrategischen Portfolio“. Das beinhalte Wohneinheiten, die die Deutsche Wohnen langfristig ohnehin nicht bewirtschaften wolle. Zu einer möglichen Schadstoffbelastung äußerte sich die Deutsche Wohnen auf Anfrage nicht. „Die Gespräche zu den möglichen Optionen sowie die Bewertung durch das Land Berlin laufen noch“, sagte Unternehmenssprecher Marko Rosteck. „Sobald es Konkretes zu berichten gibt, werden die Beteiligten darüber informieren.“

Immerhin ist eines klar: Der Löwenanteil der 20.000 Wohnungen soll nach den vorliegenden Angaben von der Deutsche Wohnen beigesteuert werden. Unternehmenschef Zahn hatte auf der Hauptversammlung davon gesprochen, dass weniger als 12.000 Wohnungen von seinem Unternehmen kommen, also rund 60 Prozent. In Berlin ist die Deutsche Wohnen mit rund 110.000 Wohnungen der größte private Vermieter. Die Vonovia folgt mit rund 41.500 Wohnungen auf Platz zwei.

Genauer Preis steht noch nicht fest

Wie teuer der Wohnungskauf wird, ist unklar. Der einzige Hinweis dazu kommt bisher vom Finanzsenator. Dieser hatte erklärt, dass der Erwerb eher teurer als der Rückkauf des Stromnetzes mit 2,1 Milliarden Euro werde. Die Federführung in den Verhandlungen zum Kauf der 20.000 Wohnungen liegt bei der Senatsverwaltung für Finanzen. Beteiligt sind außerdem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die landeseigenen Unternehmen Berlinovo, Degewo und Howoge.