Andree Sadilek (52) ist einer der Macher der App „Lialo“, mit der man Spaziergänge mit Schnitzeljagd-Charakter macht. Sabine Gudath

Ein grauer Donnerstagvormittag mit Nieselregen und vier Grad ist nicht der perfekte Zeitpunkt für einen Bummel durch die Stadt. Dass der lehrreiche Stadtrundgang durch das Winsviertel trotzdem Spaß macht, liegt an meinem Begleiter. Mit der App Lialo – eine Abkürzung für Like a Local, wie ein Einheimischer also, mache ich mich auf den Weg. Entwickelt wurde  die App, die ohne Anmeldung und bei vielen Touren sogar kostenlos funktioniert, von Andree Sadilek und Christian Wegner, letzterer erfand auch den Online-Bücherverkauf Momox. Seinen Kollegen, Andree Sadlinek werde ich am Ende der gut einstündigen Tour an Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain treffen.

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Doch jetzt erstmal los. Auf der Startseite der App kann man inzwischen aus 150 Touren in verschiedenen Städten auswählen. In Berlin sind etwa 60 Touren mit Schnitzeljagdcharakter über das gesamte Stadtgebiet verteilt.

Es gibt die David Bowie Tour, die Emil und die Detektive Tour, eine Tour über den Charité Campus, einen 20er Jahre Berlin Krimi, Kindertouren, Kieztouren und Touren mit der S-Bahn. Es gibt Touren in Pankow, in Charlottenburg, eine Radtour in Mahlsdorf, Wanderungen mit Rätseln in Neukölln, Moabit und Wilmersdorf.

Sabine Gudath
Die App Lialo funktioniert ohne Anmeldung und auch im Browser. 

Kiezspaziergang mit Klaus

Ich entscheide mich für den Kiezspaziergang „Dalli Dalli durch das Winsviertel“ im Prenzlauer Berg. Erstellt hat die Tour KlLaus, ein Rentner, dessen Hobby die Stadt ist. An die 20 Touren hat er schon entworfen. Ein Profi. Los geht es am Soho-Haus, dem ehemaligen Kaufhaus Jonaß. Mit Hilfe leicht verständlicher Wegbeschreibungen bin ich etwa eine Stunde unterwegs, und erfahre viel Wissenswertes über die Stehbierhalle Aschinger, in der sich heute ein Fitnessstudio befindet, über den Leisepark auf einem ehemaligen Friedhof und über das Haus in der Winsstraße, in dem Quizmaster Hans Rosenthal seine Kindheit verbrachte. Unterwegs gibt es Tipps zur Einkehr, ich kann mir Zeit nehmen in Geschäften zu stöbern, wer mit Kindern unterwegs ist, freut sich über einen Stopp auf dem Spielplatz an der Marie. Am Filmtheater Friedrichshain beginnt die letzte kurze Etappe, die am Märchenbrunnen endet. Hier wartet schon der Erfinder der App, Andree Sadilek.

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Schnitzeljagden und Stadtralleys

„Wir waren früher oft gemeinsam im Urlaub und haben Schnitzeljagden für unsere Kinder erstellt“, erzählt Andree Sadilek über die Anfänge des Projektes mit. Doch wie die Touren, die aufwendig konzipiert waren konservieren und auch für andere nutzbar machen?

Der studierte Elektrotechniker, der zuvor  verschiedene Internetprojekte realisierte, beginnt an einer App zu bauen. Lialo soll niedrigschwellig dazu anregen, loszugehen und eigene Touren anzulegen. Aber auch dazu, die eigene Stadt neu zu entdecken. Die ersten Touren gehen im September 2020 online, seitdem wächst das Portal organisch. Denn auch professionelle Stadtführer können von der Plattform profitieren.

Sightseeing in Berlin- auch abseits der Touristen-Hotspots 

Der Fokus liegt weniger auf klassischen touristischen Informationen, sondern auf weniger bekannten Geschichten und Geheimtipps, so als würden Freunde einem Kieze und Städte zeigen. Eine seiner Lieblingstouren hat Andree Sadilek selber angelegt. Sie führt durch Kreuzberg und zeigt jede Menge Kleinigkeiten und Kiezgeheimnisse, die Berlin so liebenswert machen.

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Touren für Berliner, Zugezogene, Touristen und Kinder 

Im Grunde kann jeder Touren bei Lialo einstellen. Egal ob Stadtführer oder Privatperson. „Vor Veröffentlichung prüft das Lialo Team jede Tour auf Inhalt und Verständlichkeit“, erklärt Sadilek. Einige Touren kosten zwischen 10 und 20 Euro, bei anderen ist dem Nutzer freigestellt, ob er ein Trinkgeld übergibt oder nicht.

Die logische Wegbeschreibung und die Rätsel, viele Informationen und der eine oder andere Insidertipp machen den Spaziergang zu einem Vergnügen. Sabine Gudath

Besonders interessant für Eltern, die ihre Kinder für einen Stadtspaziergang motivieren wollen: Vier der Berliner Touren wurden speziell für Kinder konzipiert. Auf einer folgt man etwa den Spuren von „Emil und seinen Detektiven“.

Finanzieren will sich das Portal durch die kostenpflichtigen Spaziergänge. 70 Prozent der Einnahmen gehen an den Stadtführer, die sich so eine neue Einnahmequelle erschließen können, und 30 Prozent an die App.

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Nachdem ich alle Fragen beantwortet und viele neue Ecken um die Winsstraße und im Bötzowviertel entdeckt habe, bin ich schon auf der Suche nach der nächsten Tour. Vielleicht eine Runde durch den Florakiez in Pankow oder auf den Spuren von Street-Art-Künstlern in Friedrichshain? Meine kundigen Stadtführer habe ich ab jetzt ja immer in der Tasche.

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