Das Obdachlosen-Camp an der Rummelsburger Bucht wurde geräumt. Eine Frau trägt eine Decke. Foto: Morris Pudwell

Für das Wochenende ist ein für die letzten Jahre beispielloser Wintereinbruch vorhergesagt. Vor heftigen Schneefällen und eisigen Temperaturen wurde gewarnt - und in dem Zusammenhang auch mit Kältetoten. Daher hat nun kurz vor knapp auch die Lichtenberger Politik reagiert und Europas größtes Obdachlosencamp an der Rummelsburger Bucht geräumt. 

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„Wegen des Wetters mit Kälte, Schnee und Feuchtigkeit ist die Lage sehr bedrohlich, wir können nicht mehr gewährleisten, dass Leib und Leben für die Menschen hier gesichert sind“, sagte Kevin Hönicke (SPD), stellvertretender Bürgermeister von Berlin-Lichtenberg, der Deutschen Presse-Agentur am späten Abend an der Rummelsburger Bucht, wo auch Busse der BVG für die Menschen bereit standen. In Zusammenarbeit mit dem Senat sei eine Unterkunft für 100 Menschen gefunden worden – eine Traglufthalle, die schon oft für Obdachlose genutzt worden sei.

Auf der Brache an der Rummelsburger Bucht leben die Menschen in Zelten und anderen Unterkünften. Bei der Obdachlosenzählung in Berlin vor einem Jahr war es der Ort mit den meisten Obdachlosen: 81. Erst danach folgte die Gegend am der Bahnhof Zoo mit 71 im Freien lebenden Menschen. Bei einer Begehung am Donnerstag seien an der Rummelsburger Bucht 40 bis 50 Zelte gezählt worden, sagte Hönicke. Das Areal ist Bauland. Dort sollen Wohnungen und die Touristen-Attraktion „Coral World“ entstehen. Am Freitagabend waren auch Sozialarbeiter an dem Camp sowie Polizei.

Linke Gruppen hatten am Samstag zum Protest am Ostkreuz aufgerufen

Nach der Räumung des Obdachlosencamps haben Dutzende Menschen gegen den Schritt des Bezirks Lichtenberg protestiert. Linke Gruppen hatten am Samstag zum Protest am Ostkreuz aufgerufen und forderten, dass die ehemaligen Bewohner des Camps dorthin zurückkehren dürfen. Anwesende sprachen von 80 bis 100 Teilnehmern, ein Polizeisprecher konnte am frühen Nachmittag noch keine Zahl nennen.

In einer Mitteilung hieß es: „Die kälteste Woche des Jahres bei Temperaturen von -12 Grad steht bevor, Corona-Inzidenzzahlen sind nach wie vor hoch, und die Berliner Polizei und Politik hat nichts Besseres zu tun, als den Ärmsten der Armen ihre Unterkunft, Feuerstellen und Besitz wegzunehmen.“

In einem Schreiben auf der linken Internet-Plattform Indymedia stand, dass als Reaktion auf die Räumung in der Nacht auf Samstag eine Sparkasse in der Nähe beschädigt und Bagger auf einer nahe gelegenen Baustelle „unbrauchbar gemacht“ worden seien. Der Polizei war das Schreiben bekannt, ein Sprecher konnte am Samstagnachmittag aber nur bestätigen, dass in Rummelsburg auf der Baustelle in der Hauptstraße Scheiben von Bauwagen und Baufahrzeugen eingeschlagen wurden.

Berlin stellt an dem bevorstehenden eisigen Wochenende mehrere zusätzliche Plätze im Warmen für Obdachlose bereit. In einem Hostel an der Boxhagener Straße in Friedrichshain stehen ab Samstag 18.00 Uhr 100 Betten Tag und Nacht zur Verfügung, wie die Senatsverwaltung für Gesundheit am Freitagabend mitteilte. Zudem öffnet am Sonntag auf dem Gelände der früheren Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Reinickendorf eine Einrichtung mit 100 Plätzen. Die Anzahl soll ab Dienstag auf 200 erhöht werden.

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Ein Hostel an der Köpenicker Straße in Kreuzberg erhöht seine Kapazität von 100 Plätzen um weitere 20, darunter auch für obdachlose Rollstuhlfahrer.

Sollten Sie in den kommenden Tagen vermuten, dass einer Person unter der Kälte leidet, sollten Sie diese höflich ansprechen, ob die Person Hilfe will, rät die Berliner Kältehilfe. Hilfsangebote finden Sie auf der Website und in der App der Berliner Kältehilfe. Zudem ist der Kältebus der Berliner Stadtmission von 20.30 Uhr bis 2.30 Uhr in der Nacht telefonisch unter der Nummer (0178) 523 58-38 erreichbar. Sind Personen hilflos, wählen Sie die 112.