Folgen des Müllproblems: Ein Mülleimer im Berliner Mauerpark ist total überfüllt und quillt über. dpa/Jörg Carstensen

Nach Berlin fahren, sein Hirn ausknipsen, rumgrölen und überall  Müll hinschmeißen – nur nicht in die dazugehörigen Tonnen. Aber es ist ja nicht so, als wären die Touristen allein für verdreckte Parks und splitterübersäte Straßen verantwortlich. Auch vielen Berlinern geht die korrekte Müllentsorgung offenbar am Allerwertesten vorbei. 

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Flaschen, Tüten, Pizzakartons: Müll auf den Wiesen und überfüllte Abfalleimer in den Berliner Parks sind kein Einzelfall. Vor allem im Sommer rechnen die Bezirke mit einer Zuspitzung des Problems …

Ein Sonntagnachmittag im Berliner Mauerpark. Da, wo der britische Popstar Dua Lipa am liebsten spazieren geht, wenn er in Berlin ist. Es ist warm und die Sonne scheint. Viele Menschen haben sich auf einer Wiese versammelt – sie tanzen, trinken Bier oder sitzen auf einer Picknickdecke. Wenige Meter weiter steht ein Mülleimer, bis über den Rand voll mit Pizzakartons und Plastiktüten. Daneben häufen sich To-go-Becher und leere Flaschen. „Wenn man sich hier den Park mal anguckt: Die Müllbehälter sind alle überfüllt, teilweise liegt auf dem Rasen auch Müll“, sagt Jens Lange, Parkläufer im Bezirk Pankow. Aber vielleicht sind die Müllbehälter ja auch nur viel zu klein.

50.000 Parkbesucher sorgen für ein besonderes Müllproblem

Nun, er übernimmt den Parkdienst mit seiner Firma Urbanus Concept im Mauerpark in Prenzlauer Berg. Sein Team macht die Besucherinnen und Besucher auf die Parkregeln aufmerksam – wie etwa beim Grillen oder Musizieren – und auf das Entsorgen des Mülls. Vor allem sonntags sei die Grünanlage nahe der Schönhauser Allee mit teilweise 50.000 Besuchern pro Tag ein „Hotspot“.

dpa/Jörg Carstensen
Der Parkdienst-Mitarbeiter Jens Lange geht durch den Mauerpark in Berlin, um Besucher des Parks darauf hinzuweisen, dass Müll in die dafür vorgesehen Behälter gehört.

Doch von dem Müllproblem sind mit Blick auf den Sommer nach Angaben der Bezirke die meisten Grünanlagen in Berlin betroffen. Vor allem während der Corona-Pandemie hat das Müllaufkommen vielerorts kontinuierlich zugenommen, wie aus einer CDU-Anfrage an die Umweltverwaltung aus dem März hervorgeht. Demnach meldeten rund die Hälfte der Bezirke einen Anstieg von Unrat in den Parks, darunter Neukölln mit knapp 20.000 Müllmeldungen im Jahr 2021 (2020: 16.257).

Woran das liegt, ist offenbar noch nicht abschließend geklärt. Möglicherweise liegt es an fehlender Kontrolle (die Straßen sind leerer gewesen), Homeoffice-Frust oder auch einfach nur daran, dass die BSR krankheitsbedingt nachlässiger arbeitete. Fest steht: Corona hat das Müllproblem eher verschärft.

In Friedrichshain-Kreuzberg erhöhten sich die Reinigungskosten in 2021 einer Sprecherin zufolge auf rund 666.300 Euro (619.600 Euro in 2020). Wenn die Temperaturen steigen und viele Touristen und Berliner in die Parks strömen, sei wieder mit größeren Verschmutzungen zu rechnen, sagt die Sprecherin. In Treptow-Köpenick stieg der Restmüll von 375 Tonnen im Jahr 2020 auf 404 Tonnen in 2021.

Auch in Berlin-Mitte ist das Problem groß

Auch in Mitte sei das Müllproblem ähnlich wie in den vergangenen zwei Jahren auf einem sehr hohen Niveau. „Allgemein kann erwartet werden, dass durch den nun wieder auflebenden Tourismus und das Fehlverhalten der Berliner Nutzer sich ein ähnliches Szenario wie in den letzten Jahren zeigen wird“, erklärt die Bezirksstadträtin Almut Neumann. In mehreren Parks hatten große Partys im vergangenen Jahr die Polizei auf den Plan gerufen.

Gärtner hätten oft keine Zeit für ihre eigentliche Aufgabe, die Pflanzen in den Parks zu pflegen. Vielmehr seien sie mit dem Aufräumen des Mülls beschäftigt. „Leider gleicht das oft einem Kampf gegen Windmühlen“, sagt Neumann. Andere Bezirke sehen das ähnlich: In Lichtenberg hätten Gärtner in 2021 rund 19.000 Stunden investiert, um Verpackungen oder Zigarettenreste zu entfernen. Dies sei „besorgniserregend“, schreibt der Bezirk.

Ein Lösungsansatz aus Sicht Neumanns könnte sein, dass die Berliner Stadtreinigung (BSR) in allen Grünanlagen Berlins die Reinigung übernimmt. Bislang kümmert sich die BSR um 79 von rund 2700 Parks und Grünanlagen im Stadtgebiet, zum Beispiel um den James-Simon-Park in Mitte. Die Reinigung geschieht laut Angaben eines Sprechers je nach Wetterlage, Besucherzahl und Verschmutzung. „Grundsätzlich gilt: Je schöner das Wetter, desto mehr Besuchende, desto mehr Müll – und desto mehr Reinigungskräfte“, erläutert er.

Diese Parade aus Flaschen-Müll im Berliner Urbanhafen sieht wenigstens witzig aus und wird sehr wahrscheinlich von Pfandsammlern eingesackt. Aber nicht immer gestaltet sich das Müllproblem so locker. Berliner Zeitung/Markus Wächter

Generell sei das Müllaufkommen in den Parks ein zentrales Problem, teilt auch ein Sprecher der Umweltverwaltung mit. „Die finanzielle und personelle Ressourcenausstattung insbesondere der bezirklichen Straßen- und Grünflächenämter […], ist seit vielen Jahren schwierig.“ Mit dem Programm „Saubere Stadt“ will die Umweltverwaltung laut dem Entwurf des Haushaltsplans 2022/23 zusätzlich 3,3 Millionen Euro pro Jahr an die Bezirke zahlen, um Müll-Initiativen zu unterstützen.

Mit Parkläufern gegen das Müllproblem

Der Verein „Freunde des Mauerparks“ zum Beispiel will mit den Bezirken Mitte und Pankow im Mauerpark und im Volkspark am Weinberg gegen das Müllproblem ein Pfandsystem für Verpackungen ausprobieren. Immer mehr Menschen hätten sich seit der Pandemie Getränke und Speisen aus den umliegenden Spätis und Restaurants in die Grünanlagen mitgenommen, sagt Alexander Puell, der Vorsitzende des Vereins. Man erhoffe sich, dass die Menschen durch das Pfandsystem ihre Verpackungen zurückbringen. Momentan sei das Projekt noch in der Analysephase.

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Viele Bezirke halten außerdem an der Idee der Parkläufer fest, die seit 2019 in den Grünanlagen im Einsatz sind. Doch gerade an Wochenenden könne man nicht jeden erreichen, betont Jens Lange vom Parkdienst-Team. An dem Sonntagnachmittag im Mauerpark spricht er eine Familie an, die einen Einweggrill aufgebaut hat. Neben der Gruppe liegen Plastikteller, Tüten und Grillgut. Ob sie den Abfall und die Kohle später richtig entsorgen könnten?, fragt Lange. „Klar“, versichert die Gruppe. Viele Mülleimer rund um die Wiese sind schon bis zum Rand gefüllt.

Übrigens: Am kommenden Sonntag, 5. Juni, ist „Tag der Umwelt“ oder auch „Weltumwelttag“. Aus diesem Anlass weist die Berliner Stadtreinigung (BSR) auf die besondere Bedeutung der Abfalltrennung für den Umwelt- und Klimaschutz hin. BSR-Abfallberaterin Franziska Voß: „Wer seinen Müll korrekt trennt, macht jeden Tag zum ‚Tag der Umwelt‘. Denn je besser getrennt wird, desto besser funktionieren anschließend Recycling und sonstige Weiterverwertung. Das wiederum spart Rohstoffe und andere Ressourcen.“ Richtige Abfalltrennung sorgt damit täglich dafür, dass wertvolle Rohstoffe wieder in den Materialkreislauf zurückgelangen – ein wichtiger Beitrag für den Erhalt einer intakten Umwelt und eines gesunden Klimas.