Ein Zeugnis kann in Berlin Künftig genderneutral formuliert werden. 
Ein Zeugnis kann in Berlin Künftig genderneutral formuliert werden.  www.imago-images.de

Schulzeugnisse in Berlin können ab Sommer auch geschlechtsneutral formuliert werden, berichtet der rbb. So könne künftig auf die bislang vorgegebene Formulierung „Sie/Er“ verzichtet werden, wie aus einem Schreiben der Bildungsverwaltung an die Schulleitungen hervorgeht, das dem Portal rbb24 vorliegt. Stattdessen soll dann der Name der Person eingetragen werden. 

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In dem Anschreiben der Bildungsverwaltung an die Schulleitungen heißt es dazu:  „… sukzessive werden die adressatenbezogenen Formulierungen, die zur Festlegung des Geschlechts auffordern, geändert.“

Kleine Veränderung, große Wirkung 

Konkret wird aus der Formulierung „Sie/Er ist im kommenden Schuljahr Schülerin/Schüler der Jahrgangsstufe xy“ ab dem Sommer die folgende: „Max Mustermann rückt im kommenden Schuljahr auf in die Jahrgangsstufe  xy“.  Kein großer Unterschied, aber für Schüler und Schülerinnen, die es wünschen, lieber mit dem Namen und nicht mit Personalpronomen angesprochen zu werden, ein Schritt in Richtung Neutralität. 

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Auch sind die Lehrkräfte aufgerufen, bei der Anrede auf den Zeugnissen auf die Wünsche der Schüler einzugehen. „Immer dann, wenn der Wunsch besteht, in Bezug auf die geschlechtliche Identität neutral bzw. mit dem Namen angesprochen zu werden, sind geschlechtsbezogene Personalpronomen und Formulierungen zu vermeiden“, heißt es in dem Schreiben der Bildundgsverwaltung weiter.

Katharina Günther-Wünsch, bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion Berlin kritisiert die Prioritäten der Bildungssenatorin:  „Wie viele Brandbriefe, Streiks, Schulabbrecher und schlechtere Startchancen für unsere Schüler muss es noch geben, ehe SPD-Bildungssenatorin Busse die richtigen Prioritäten setzt? Dass sie Zeit und Personal dafür verschwendet, künftige Zeugnisse geschlechterneutral zu gestalten, macht eines deutlich: Frau Busse ist und bleibt eine Fehlbesetzung. Mit ihr wird es keine Besserung in der SPD-Bildungskrise geben."

 Schulen bräuchten mehr Lehrer, mehr Schulplätze, mehr Digitalangebote. Dazu komme eine wachsende Zahl ukrainischer Kinder, die vor dem Krieg hier Schutz suchten. „Das sind die bildungspolitischen Herausforderungen, auf die wir uns konzentrieren müssen und endlich Antworten brauchen.“

Auf Kritik, man solle grundlegendere Probleme an den Berliner Schulen angehen, anstatt Zeugnisse zu gendern erwidert Martin Klesmann, der Sprecher der Bildungssenatorin: „Das ist keine Genderverpflichtung, sondern nur die Möglichkeit, neben Er und Sie den persönlichen Namen eintragen zu lassen. Es geht dabei auch darum, den Identitätswünschen junger Leute gerecht zu werden.“