Ein paar Hallen und ein Wohnhaus sind noch vom Wasserwerk Johannisthal zu sehen. In zehn Jahren soll es erweitert und wieder in Betrieb sein.
Foto: Gerd Engelsmann

Arsen, Cyanide, Lösemittel, Pestizide - das will keiner im Kaffee haben. Deshalb hat Berlin bislang rund um das Wasserwerk Johannisthal 19 Millionen Euro ausgegeben, um das verseuchte Grundwasser zu reinigen. Weil das Erfolg hatte, und weil die Wasserbetriebe (BWB) auch künftig Neukölln und Treptow sicher versorgen wollen, soll das Werk etwa 2030 wieder in Betrieb gehen. 

Der Bau der Wasserspeicher in Johannisthal. Foto: BWB
Heute sieht das so aus: Die in weiten Teilen ungenutzten Wasserspeicher liegen unter einer Wiese.
Foto: Gerd Engelsmann

1901 hatten die privaten „Charlottenburger Wasserwerke AG“, die den Südwestraum des heutigen Groß-Berlin versorgten, das Werk errichtet. In den 50er Jahren wurde die große Wasserleitung gen Westen gekappt. In den 70er Jahren konnte es rund 300.000 Menschen im Ostteil beliefern. 2001 wurde die Förderung für Trinkwasser eingestellt, weil der Bedarf nach der Wiedervereinigung stark zurückgegangen war.

Mitten im Nichts: Das Wasserwerk Johannisthal vor rund 110 Jahren. Foto: BWB

Schon 1991 war ein Teil der rund 100 Brunnen stillgelegt worden: Von Fabrikgeländen an der Spree und östlich vom Wasserwerk, die sich in der Nähe der einstmals abgelegenen Königsheide angesiedelt hatten, strömte vergiftetes Grundwasser in Richtung der Brunnen. Aus einer Farbenfabrik, aus einer Motoren- und Kühlaggregateproduktion, aus der Herstellung technischer Gase, einem Medizintechnikwerk und aus einem Bahn-Reparaturwerk waren über Jahrzehnte Schadstoffe in den Boden gelangt. 

Grafik: Berliner Kurier/Galanty; Quelle: SenUVK

Deshalb wurden eine Reihe von „Abwehrbrunnen“ gebohrt, die das schmutzige Wasser abfingen und in zunächst vier Grundwasserreinigungsanlagen förderten. Von 1994 bis jetzt wurde die unglaubliche Menge von 135 Milliarden Litern Wasser gereinigt und in den Teltow- und den Britzer Zweigkanal geleitet.

Über sieben Tonnen Lösungsmittel, mehr als 750 Kilo Cyanide und rund 350 Kilogramm des altbekannten Mordgifts Arsen wurden entfernt. In den Jahren 2000 und 2014 konnte jeweils eine der vier Anlagen abgebaut werden, weil die Giftmenge stark geschrumpft war.

Eine der beiden Grundwasserreinigungsanlagen in der Königsheide. Foto: Gerd Engelsmann

Auch der Teltowkanal hatte Sorgen gemacht: Er war mit pestizidhaltigem Schlamm verseucht, und belastetes Wasser sickerte in Richtung Wasserwerk. 150.000 Kubikmeter kontaminierten Schlamms wurden 1993 bis 1999 aus dem Kanal geholt – es wird weiter überwacht, was sich im Grundwasser tut.

Gegenwärtig ist das Wasserwerk nur ein Zwischenpumpwerk und eine Werkstatt. Nachts wird Wasser aus den Werken Friedrichshagen, Wuhlheide und Beelitzhof am Wannsee in die verbliebenen Zisternen geliefert und bei Bedarf morgens und abends in die Umgebung geschickt. Dafür sind nur zwei Elektropumpen nötig. 

Berlin; 15.07.2020: Das Wasserwerk Johannisthal soll reaktiviert werden, weil es für die Versorgung der wachsenden Stadt benötigt wird.
Foto: Gerd Engelsmann

Eine Halle dient als Lager und Reparaturwerkstatt. Alle fünf Jahre müssen die Elektropumpen und Rohre aus den berlinweit rund 700 Brunnen der BWB geholt werden, um gereinigt, repariert oder ausgetauscht zu werden: Sie sind dann stark von Eisenoxid befallen. Die Reinigung von Pumpen und ihren Rohren ist eine echte Drecksarbeit.

Instandhalter René Babeliowsky (52) reinigt Brunnenrohre.
Foto: Gerd Engelsmann
Eisenoxid lagert sich über die Jahre an Pumpen und Rohren ab. In den neun Berliner Wasserwerken wird es herausgefiltert.
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Die Wasserbetriebe planen, an dem Standort zunächst ein Pumpwerk zu errichten, das Wasser vom Werk Friedrichshagen nach Westen fördern soll. Danach wird wieder ein echtes Wasserwerk errichtet, die einstige Filterhalle war 2010 abgerissen worden. BWB-Sprecher Stephan Natz: „Wir sind aber noch in der Grundlagenermittlung, eine konkrete Planung gibt es noch nicht.“  

Es wird aber weiter Grundwasser zwecks Reinigung gefördert, mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass in der Umgebung die Keller trocken bleiben.