Michael P. sitzt seit Dienstag in Berlin vor Gericht. Er soll bei der Enkeltrick-Bande mitgemischt haben. Pressefoto Wagner

Betrug mit Schock-Anrufen: Michael P. (32) soll bei einer fiesen Enkeltrick-Bande mitgemischt haben. Vor Gericht verschlug es ihm die Sprache.

Es geht um zwei Fälle, betroffen sind zwei Rentnerinnen. Sie waren 81 und 88 Jahre alt, als Betrüger bei ihnen anriefen. Bei Ella W. (Namen der Opfer geändert) meldete sich ein Mann: „Hallo, hier ist dein Enkel!“ Er stöhnte, sprach von Geldnot wegen eines Immobilienkaufs. 50.000 Euro sollte die Wilmersdorferin vorstrecken. Sie legte auf.

Im Fall von Agathe L. rief ein Mann an, der sich als ihr Sohn ausgab. Er wolle eine Eigentumswohnung kaufen. Er bettelte, jammerte – und hatte zunächst Erfolg. 108.000 Euro bot die Seniorin an und begab sich zum Tresor in ihrem Keller. Doch es befand sich kein Geld im Safe der an Demenz erkrankten Frau.

Michael P. soll sich wie der Anrufer in Polen befunden haben. Die Anklage: „Er hielt dem Tatplan folgend telefonisch Kontakt zu der sich in Deutschland aufhaltenden Abholerin Mirella S.“ Als Logistiker habe er sie im Falle eines für die Bande erfolgreichen Gesprächs über die bevorstehende Übergabe und den Ort informieren wollen. Die Anklage lautet auf versuchten bandenmäßigen Betrug.

Enkeltrick-Banden wechseln ihre Maschen ständig

Der Pole ist kein unbeschriebenes Blatt für die deutsche Justiz: 2018 erhielt er wegen versuchten Betrugs zwei Jahre Knast, im Juli 2020 gab es in Stuttgart ebenfalls wegen versuchten Betrugs zwei Jahre und fünf Monate. Derzeit sitzt er in Strafhaft.

Enkeltrick-Banden, die alte Leute um ihr Erspartes bringen: Ihre Maschen wechseln ständig, die Polizei warnt – und trotzdem gelingt es den Verbrechern immer wieder, Rentnerinnen und Rentner mit Lügengeschichten zu täuschen.

„Keiler“ werden jene Täter genannt, die als Anrufer agieren. Sie beherrschen die Sprache des Opfers perfekt. Logistiker dirigieren dann angeheuerte Abholer. Ein Ermittler: „Im Wochenrhythmus kamen Abholer-Gruppen nach Berlin.“

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Im Fall von P. und seinen mutmaßlichen Komplizen gab es Observationen und Telefonüberwachungen – und bereits Verurteilungen. Ein Angeklagter (27) gab 65.000 Euro zurück und kam mit Bewährung davon. Fortsetzung: 14. Juni.