Mohamed El Genedy leitete 20 Jahre den Markt an der Gedächtniskirche. Foto: Sabeth Stickforth

Von 100 auf nahezu 0 fuhr das Corona-Virus die Flughäfen herunter. Dort, wo vor zwei Monaten noch Hektik den Alltag bestimmte, herrscht nun fast idyllische Ruhe. Aber wie fliegt es sich überhaupt? Der KURIER erzählt die unglaubliche Geschichte eines Wahl-Berliners, der in Ägypten strandete und jetzt endlich wieder nach Hause kommt.

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Die Nachricht ist für Mohamed El Genedy so lange ersehnt, dass er sich kneifen muss, um sicher zu gehen. Er hat einen Flug nach Deutschland. Anfang März war er in sein Geburtsland Ägypten gereist. Nur für ein paar Tage soll es sein. Doch Corona macht daraus einen Langzeitausflug. Tage und Wochen vergehen, bis der Rückflug nach Berlin endlich fix ist.

Keine Kontrollen in Frankfurt 

Auf dem Flughafen in Kairo ist die Pandemie allgegenwärtig. Alle tragen Masken, halten Abstand. Ägypten hat gerade den Ausnahmezustand um drei Monate verlängert. In der Maschine über den Wolken macht sich Glück breit. Mohamed ist auf dem Weg nach Hause, wo er seit 1979 lebt. Zu Frau und Tochter. Natürlich kreisen die Gedanken um die Einreise. Ein Papier soll unterschrieben werden. Auch die Frage, ob man wirklich gleich nach Hause kommt oder doch in Quarantäne muss, spukt durchs Hirn. Hoffentlich klappt alles.

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Nach vier Stunden Flug landet die vollbesetzte Maschine in Frankfurt/Main. Deutschlands Tor zur Welt empfängt die Gäste wie früher. Kein Angestellter auf dem Flughafen trägt eine Maske, Zoll und Polizei sind auch ungeschützt unterwegs. Vom Zettel und der Unterschrift ist keine Spur. Völlig unkontrolliert gehen die Gäste auf dem Flughafen ihrer Wege.

Polizeieinsatz ohne Mundschutz

Heftig wird es dann beim Sicherheitscheck für den Weiterflug nach Tegel. Der Personenscan offenbart die Folge einer Operation als Problem. Ein Beamter bittet Mohamed zur Kontrolle. Einen Mundschutz trägt er nicht, will trotzdem die Leibesvisitation durchführen. Mohamed, mit 65 Jahren und Vorerkrankung in der Risikogruppe, will das unbekannte Objekt erklären. Er hofft, den Körperkontakt so auf ein medizinisch vertretbares Risiko beschränken zu können. Vergeblich. Das Reden wird ihm verboten. Der Beamte stößt Mohamed sogar mit dem erhobenen Zeigefinger weg. Die Situation schaukelt sich so hoch, dass Polizisten gerufen werden und diese die Körperkontrolle durchsetzen. Alles ohne Mundschutz.

Fassungslos vom Erlebten erreicht Mohamed den Flieger nach Tegel. Respekt vor der Ankunft macht sich breit, je dichter Berlin rückt. Was wird ihn hier erwarten?

Dann ist er da. Und es ist plötzlich unglaublich schön, zu Hause zu sein. Fünf Beamte, ausgerüstet mit Mundschutz, bilden das Empfangskomitee. Sie haben Zettel, auf denen die Verhaltensregeln stehen, sind freundlich und hilfsbereit. Frankfurt, das die Gäste herzlos und unkontrolliert einreisen lässt, ist vorbei. Berlin, du bist so wunderbar.