So könnte der Knotenpunkt im Osten Berlins aussehen. In Tunnellage kreuzt die B1/B5, der Nord-Süd-Verkehr wird darüber geführt. Rechts führt die Märkische Allee nach Marzahn, links die TVO nach Köpenick. Eine kreisrunde Brücke dient dem Rad- und Fußverkehr. Visualisierung: Kolb Ripke Gesellschaft von Architekten mbH

Mit einem schwebenden Kreisverkehr für Radfahrer hat die niederländische Stadt Eindhoven international Furore gemacht. 2012 wurde der Hovenring, der an einem Pylon über einer Kreuzung hängt, freigegeben. Am Dienstag wurde nun bekannt, dass auch Berlin eine kreisrunde Brücke bekommt. Das spektakuläre Bauwerk soll am Knotenpunkt Alt-Friedrichsfelde/Alt-Biesdorf/Märkische Allee eine autofreie Verteilerebene für Radfahrer und Fußgänger schaffen, teilte der Senat mit. Er hatte zuvor den Jahresbericht 2020 zum Planungs- und Baufortschritt bei der Tangentialen Verbindung Ost, kurz TVO, beschlossen. Der seit langem geplante Lückenschluss zwischen den Bezirken Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick wird an dem Knotenpunkt beginnen.

Das runde Brückenbauwerk, das von vier Pfeilern getragen wird, soll „bei hoher Belastung sichere Verkehrslösungen schaffen und den Flächenverbrauch minimieren“, hieß es am Dienstag. Die Kreuzung im Osten der Stadt, an der die Bundesstraße B158 in die B1/B5 mündet, werde in Zukunft drei Ebenen haben. Der Kraftfahrzeugverkehr in Ost-West-Richtung soll in Tunnellage verlaufen, Ampelanlagen wird es für ihn dort künftig nicht mehr geben. Rampen schaffen Verbindungen zum Nord-Süd-Verkehr, der ebenerdig geführt wird. Darüber erhebt sich dann die geplante kreisförmige Brücke. Auf ihr können Fußgänger und Radfahrer den Knotenpunkt passieren, ohne von Autos gefährdet oder von Ampeln aufgehalten zu werden.

Blickfang und Aussichtsplattform in die verschiedenen Himmelsrichtungen

Die geplante Lösung für den stark frequentierten Knotenpunkt stellt einen „Blickfang und ein Eingangstor zu Stadtmitte dar, welches sich gut in die Umgebung integriert“, hieß es in der Verkehrsverwaltung. „Sicherlich wird dieses Bauwerk auch als Aussichtsplattform in die verschiedenen Himmelsrichtungen genutzt werden.“ Die Prinzipskizze, die am Dienstag veröffentlicht wurde, stammt von der Berliner Planungsgesellschaft Kolb und Ripke.

Als neue Nord-Süd-Straße soll die TVO angrenzende Ortsteile wie Friedrichsfelde, Karlshorst, Biesdorf und Köpenick von Verkehr entlasten. Für den Kraftfahrzeugverkehr werden zwei Fahrstreifen pro Richtung angelegt. Flankiert wird die geplante, rund 7,2 Kilometer lange Verbindung von einem vier Meter breiten Zwei-Richtungs-Radweg und einem 2,40 Meter breiten Gehweg. Auf der TVO sollen auch Linienbusse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) verkehren.

Eine markante Pfeilerkonstruktion in der Mitte - auch diese Lösung wäre für den Knotenpunkt im Osten Berlins denkbar. Visualisierung: Kolb Ripke Gesellschaft von Architekten mbH

Neu ist, dass die Planer nun eine Bushaltestelle und Treppenanlagen vorgesehen haben, damit die Fahrgäste in die U-Bahn-Linie U5 umsteigen können. Sie hält nahebei im Bahnhof Biesdorf-Süd. Am S-Bahnhof Wuhlheide wird ebenfalls ein Wechsel zwischen Verkehrsmitteln möglich sein. Damit dort zwischen S-Bahn, Parkeisenbahn und Bus umgestiegen werden kann, entstehen Treppenanlagen und Aufzüge. Auf der geplanten Brücke über die Frankfurter Bahn wird auch eine Ampelanlage gebaut. Die jetzige Fußgängerüberführung soll abgerissen werden. Etwas weiter südlich wird die Straße am Knotenpunkt Spindlersfelder Straße enden – kurz vor der Wilhelm-Spindler-Brücke, die über die Spree führt.

Schon zu DDR-Zeiten gab es Pläne, die Lücke zwischen Marzahn und Köpenick zu schließen. Nach der Wende wurde das Projekt wieder aufgenommen und vorangetrieben – auch deshalb, weil es die Verbindungen zwischen dem Osten Berlins und dem neuen Flughafen der Hauptstadtregion verbessern wird. Allerdings gerieten die Planungen für die TVO immer wieder ins Stocken. Planer reagierten auf Bedenken und Anregungen, mehrmals wurde das Projekt verändert. War lange Zeit von einem Baubeginn 2016 und dann 2018 die Rede, können die Arbeiten nach dem aktuellen Stand nun erst Mitte der 2020er-Jahre starten.

Der Hovenring, eine Art Kreisverkehrbrücke für Zweiräder und Fußgänger, überspannt im niederländischen Eindhoven eine Straßenkreuzung.
Imago Images/ Jochen Tack

Die jüngsten Verzögerungen entstanden, weil das Land Berlin die Planung für die Brücken über den Berliner Außenring der Bahn 2019 übernehmen musste. Am Dienstag hieß es, dass das Planfeststellungsverfahren, das zur Genehmigung führen soll, nun Anfang 2022 beginnen soll. Auch diesmal haben Planer Hinweise und Kritik beachtet, um dann weitere Justierungen vorzunehmen. Das hat zum Beispiel dazu geführt, dass drei private Grundstücke nicht mehr betroffen werden, ein Wohnhaus nicht abgerissen werden muss und in der Wuhlheide zahlreiche alte Eichen erhalten bleiben.